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Seite 124 ^^c^^c^^c^c^>c^c^c^c^> Unsere

Heimat ^^^^^^^/^^^^ß^

Nr. 12

bräune unter die Kinder. Es war uns ja gleich angst um das Kind, aber man kann sie doch nicht immer einsperren, das geht im Dorf gar nicht. Und 4 Tage vor Christtag kriegte er sie. Erst sah's gar nicht so gefährlich aus, und der Doktor hatte auch keine Angst um ihn. Alles, was er verordiniert hat, das haben wir gemacht. Aber auf einmal hat's ihn arg hart angepackt. Am Christsonnabend sah's böse aus, und er wollte nichts mehr essen. Er lag so oa und guckte keinen Menschen mehr an; auch seine Mutter nicht. Auf einmal verlangt er die neue Pelzkappe. Ich mußte sie ihm aussetzen, aber gleich mußte sie wieder runter und vor ihm auf die Bett­decke gelegt werden. Nachher war er das auch bald müde; wie die Kranken so sind, wenn sie reait schwer krank sind. Auf einmal sagt er so matt: „Vater, häng sie dort an den Haken über dem Bett, daß ich sie sehen kann." Und nachher lag er ganz still, immer die Augen nach der Pelzkappe. - Da habe ich mal gesehen, mit wie wenig man einem guten Kind eine große Freude machen kann. Ich

bin ja auch, nicht dafür, daß man den Kindern allen Willen tut. Aber es gibt auch so Leute, die sind so hart oder so hungrig, die meinen, sie müßten oen Kindern alles verwehren und abschlagen, was nicht absolut notwendig ist. Das ist doch auch nicht das Richtige. Als einmal, und wenn's auch noch so selten ist, muß das Kind merken, an so Asm kleinen Spaß, den man ihm macht, daß man's gern hat. — Also, das Kerlchen, so krank wie's war, immer vie Augen nach der neuen Kappe. Und am Christsonn­abend Abend, so um 6 Uhr — drüben in der Schule steckte grad unser Lehrer die Lichter am Christbaum für die Schüler an - da war's alle, da ging fein Leben aus wie so ein Lichtchen! — Ach der Jam­mer ! Es war so ein gut Kind! — —

Das Pelzkäppchen haben wir ihm mitgegeben; wir haben's in sein kleines Särgelchen gelegt, zwi­schen seinen Händchen, wie sie zusammengefaltet waren — er soll's bei sich haben, bis es immer Christtag für ihn wird."

F. Walther.

weihnachtsglaude.

Nun wird es wieder einmal Weihnacht sein. Diesmal, wenn Gott will, feiern wir zu brei’n, Du, ich und unser herz'ges blondes Kind. Glaubst nicht, wie schmerzlich ich Euch hab' vermißt In den zwei Jahren, grab zum Heil'gen Christ, Als wir im Graben just gewesen sind! —

Du sagst, es sei ein grimmer Widerspruch, Dies Weltgeschehn und unser Heil'ges Buch, Darin die Liebe von der Liebe spricht. Ich fürchte, daß ich's nicht erklären kann, Du weiß;, ich bin ein ungelehrter Mann, Mein Glaube ist, wie meine Rede, schlicht.

Doch draußen hab' ich oftmals Gott erlebt. — Im Trommelfeuer, wenn die Seele bebt, Der Himmel zittert und die Erde kracht, Wenn mich umgaben Tod und Finsternis, Dann wußt' ich Eines dennoch ganz gewiß: Gott ist die Liebe! S o hab' ich gedacht!

Auch jetzt geht Christus suchend durch die Welt, Wenn auch die Hölle tobt, der Kriegsruf gellt, Trotz Blut und Not strahlt seiner Liebe Schein. Er fragt, in welchem Volke sie noch wacht;

Das wird bestehn in dieses Weltkriegs Nacht, Ich bin gewiß, es wird das deutsche sein!

Der Deutschen Kraft und Glaube wird geprobt

In diesen Zeiten, da der Weltkampf tobt, So grausenvoll, wie nimmer es geschah. Mein Weihnachtsglaube aber bleibt bestehn: Nie wird der Glanz verlöschen und vergehn Bon Bethlems Stern, vom Kreuz auf Golgatha!

Helene Brehm.

Zmölf Sagen aus der Heimat.

Schluß.

8. Die drei huttischen Jungfrauen.

Auf dem Steckelberge lebte einst ein junger Ritter, der tapfer gegen die Feinde kämpste, den Unglück­lichen beistand und die Wahrheit überall in Schutz nahm. Ihm waren zahlreiche Weinfässer als Erbe zugefallen, und der Wein darin hatte die Kraft, den zu verjüngen, der ihn trank. Doch der Jüngling sprach: „Was nützt mir jetzt der Wein? Wenn ich dereinst alt bin, soll er mir munden und mir die Jugend wiederbringen". Auch hatte er viel Geld. Aber er sprach zu sich selbst: „Das Geld brauche ich jetzt nicht; es mag da liegen, bis ich ein Weib habe".

Auf der Steckelburg wohnten damals aber auch drei schöne Jungfrauen, die liebten alle drei den Jüngling und hofften, daß er eine von ihnen zur Gemahlin erwählen würde; die anderen beiden woll­ten dann als Dienerinnen im Hause bleiben. Doch der junge Ritter dachte: „Zum Heiraten habe ich noch lange Zeit."

Er schwang sich auf sein Roß und durchzog taten­

durstig allerlei Länder, aber er kam dabei ums Leben und sah die Heimat nimmer. Da traten Die Kobolde zusammen und sagten: „Den Wein und das Geld des Ritters nehmen wir an uns; denn kein Mensch kann beides recht anwenden." Und die Kisten und Kasten voll Gold und Silber und oie Fässer voll Wein sanken in die Tiefe des Steckel- berges, wo sie von einem schwarzen Hunde mit glühenden Augen bewacht werden. Die drei Jung­frauen aber starben vor Kummer über den ver­schwundenen Ritter noch in der Blüte ihrer Jahre. In hellen Mondnächten jedoch wandeln sie am Fuße des Steckelberges bei der Kinzigquelle auf und nieder und weben unter leisen Gesängen an ihrem Brautgewande.

% Die Unkenkönfgin an der Rinzig- quelle.

In der Gegend, wo die Kinzig entspringt, herrschte einst ein mächtiger König. Er hatte eine wunder-