Einzelbild herunterladen
 

Seite 120 ^^^r^^^r^i^^^i^ Unsere Heimat c^t^c^c^i^c^^i^i^c^i^^ Nr. 12

Hinter uns liegt die fünfte Kriegsanleihe mit ihrer Werbearbeit. Zuerst schien es, als wolle unsere engere Heimat die Hand in der Tasche behal­ten. Die alte Erfahrung, daß auch das allerdümmste Geschwätz seine gläubigen Hörer findet, schien sich zu bewähren.Wenn wir das Geld nicht hergeben, hört der Krieg ganz von selber auf!" Dieser Weis- Heitsspruch ging stolz an Russen, Franzosen und Engländern vorüber, denen man zutraute, daß sie, wenn die Geldnot dem Vaterland die Gurgel um- spannte, heimgehen würden, ohne erst mal ihren gu­ten Freunden und Helfern in Deutschland einen Be­such zu machen und ihren Dank für die geleistete Hilfe abzustatten. Schließlich siegte doch die bes­sere Einsicht und die vaterländische Gesinnung leicht über Beschränktheit und Widerspruchsgeist. Es wurden gezeichnet

bei der Kreissparkasse . 500 000 M.

Städtischen Spar- u. Dorschußkasse 410 000

Landesrenterei . 130 400

dem Bankhause Abr. Sichel. . . 175 000

zusammen 1 215 400 M.

Auch die Schulen sind beteiligt; die Zeichnungen des Seminars- u. d. Präparandenanstalt brachten 3000 M.

der Lateinschule«...... 600

Ctadt-(Mädchen)schule..... 2500

Seminarübungsschule..... 880

zusammen 6980 M.

Die Widerstände und ihre Begründung zeigten klar, wie nötig die Aufklärung über Staatsanleihe überhaupt und über Kriegsanleihe im besonderen gewesen ist. Und es war nicht bloß sachliche Be­lehrung, die dieAufklärer" den Besitzern der ge­schlossenen Taschen und Kassetten zu teil werden lie­ßen ; es war auch ein gutes Teil vaterländischer Gesinnung, die wohl bei den Mißmutigen, Kriegs- müden und darum Widerstrebenden meist vorhanden gewesen sein mag, aber erst zum Leben, zur Betäti- gung geweckt werden mußte. Daß 5 0/0 Zinsein - nahmen ein besseres Geschäft sind als 31/2 oder 4«/o, das begreift der kühle Rechner ohne weiteres; daß diesesGeschäft" aller Einzelnen auch eine Siche­rung des gesamten Staatsbesitzes verbürgen hilft, das will schon in manchen Kopf nicht hinein, denn er denkt:Meine 2000 oder 1000 oder nur 100 Mark machen den Kohl nicht fett", daß aber einer gar s 0 weit denkt und fühlt:Wäre wirklich Deutsch­land in großer Not, so wollte ich einen Teil meines Geldbesitzes dem Vaterlande nicht nur zu 5 0/0 lei­hen, soweit ists ja nur ein gutes Geschäft und durchaus kein Opfer für's Vaterland - son­dern schenken, statt ihn an die Feinde in Ge­stalt von Kriegskosten, Kontributionen, Einquar- lierungslasten, Beute der Plünderer, Kosten für den Wiederaufbau meines bis in den Grund zerstörten Anwesens (siehe Ostpreußen) zu zahlen, das ist schon für viele ein recht schwieriger Denkprozeß; die wak- keren Männer, die bei der unermüdlichen Werbung für die Kriegsanleihe diese Gedanken an die Lauen, Widerstrebenden und Verhetzten immer wieder und immer nachdrücklicher herangebracht haben, ver­dienen des Vaterlandes Anerkennung und hohes Lob!

Die gewaltige Organisation, die sich die gerechte Verteilung der durch die englische Blockade knapper gewordenen Lebensmittel zum Ziel gesetzt hat, bringt in jeder Nummer der Schlüchterner Zeitung neue Anordnungen und Verfügungen zur Kenntnis der

Bevölkerung. Werden diese Verfügungen nicht be­folgt, so besteht die Gefahr, daß die Schlechten im Volke die Notlage zu ihrem Vorteile ausbeuten, und für sich Riesenvermögen ansammeln, währeno die Gesamtheit, besonders aber die Armen, Not leiden. Ein die Masse treffender Nahrungsmangel spielt den Feinden leichten Sieg in die Hand, nach­dem die Blüte unseres Volkes für unseren Sieg ihr Herzblut vergossen hat. Nun bleiben sehr viele Menschen bei der Beurteilung unserer Organisation vor den Fehlern stehen welche Einrichtungen sind ohne Fehler? und finden und erzählen, daß alles, was die Staatsbehörden verfügen, falsch, besonders aber für sie zum Schaden sei. Beiden Ständen, den Erzeugern wie den Verbrauchern, kann's der Staat nicht recht machen. Das sind Eindrücke, denen gegenüber der Heimatbund nicht gleichgültig und untätig bleiben durfte. Es darf nicht sein, daß Er­zeuger und Verbraucher auseinander rücken, sich als Gegener behandeln und den Feinden ein Bild der Uneinigkeit die Schwäche bedeutet geben. Es darf nicht fein, daß die beiden genannten Stände sich gegen den Beamtenstand feindlich stellen, der Verfügungen erlassen und auch strafen muß, um die Volksversorgung durchzuführen und dadurch den Sieg gewinnen zu helfen. Deshalbhates der Heimatbund für seine Pflicht gehalten, sich ein neues Arbeitsgebiet zu schaf­fen. Am 1. Novembersonntag kamen die Heimat­bundhelfer, Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer des Kreises in Schlächtern zusammen und faßten nach allseitiger Erwägung der ernsten Lage, in der sich das Vaterland befindet, den einstimmigen Beschluß, in allen Städten und Dörfern des Kreises Besprech- ungsabende einzurichten. Da soll es klargestellt wer­den, woraus es jetzt in der Hauptsache ankommt, und das muß sein: Zähes Ausharren der Ueberzahl der Feinde und seinem Aus- tz ungerungsplan gegenüber, sparsa - mes Sichbescheiden mit dem Wenigen bis zur neuen Ernte, stilles Ertragen eines Mangels an den wir nicht gewöhnt sind, treue Brudergesinnung zwischen allen Ständen, deren Angehörige doch auch alsWaffenbrüdereinigdraußenimviel schwereren Kampfe stehen, für Alle das Schwerste ertragen und sterben. An den Befprechungsabenden sollen auch die Klagen, berechtigte wie unberechtigte, angehört und gründ­lich« besprochen werden; die Ursachen und die vorher­gesehen und unvorhergesehenen, die gewallten wie die ungewollten Folgen der Verordnungen mit ihren Geboten, Verboten und Strafen tönnen da zur Sprache kommen. Da soll die Gelegenheit für je­den Mann und jede Frau gegeben sein, die Lage auch mal so zu zeigen, wie sie die einzelne Familie, aas einzelne Dorf empfindet. Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer sollen nein wollen hier hören, erläutern, ratend helfen, soweit sie es können. Auch der Landrat will gern kommen, wenn es verlangt wird, um sicheren Bescheid zu geben. Ueberhaupt, jedermann, dem es gegeben ist, soll nicht nur sein besseres Wissen in den Dienst der Aufklärung stellen, sondern er soll auch dahin wirken, daßder vater­ländische Sinn, der gute und heilige WillezumDuldenund Tragen des schwe­ren Kriegsgeschickes gestärkt we de. Es