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Nr. 11 t^^^^r^^t^^^^c^c^ Unsere fjeünnt i^^^^r^^c^?^^^ Seite 1O7

Totensonntag.

Von Helene Brehm (Rinteln).

"^^as Jahr geht zur Neige, und die Natur liegt J / im Sterben. Die Seele findet sich im Ein­klang mit dem Geschehen da draußen in Wald und Flur. Man feiert das Gedächtnis der Toten. Heute pilgert mancher hinaus zu einem geliebten

Grabe.

Der kleine Friedhof vor dem Tore aber liegt in dieser Vormittagsstunde wie weltentrückt. Niemand stört die Ruhe seiner Schläfer. — Es hat stark ge­reift letzte Nacht. Der stille Gottesgarten bietet ein entzückendes Landschaftsbild. Die hohen Zypressen, die ihren Schmerz stolz und aufrecht tragen, die gramgebeugten Trauereschen, die Ziersträucher, die wie in Verkennung ihres ernsten Lebenszwecks fast heiter da stehen, sie alle funkeln von weißen Eis­kristallen. Die Grabhügel sind wie von einer Schnee­schicht bedeckt. Wundervoll hebt sich- von ihrem blen­denden Weiß hier und da noch blühendes Heidege­sträuch mit seinen bläulichen Glöckchen ab. Die längst entblätterten Rosenbüsche aber haben ihre leuchtendroten, langrunden Früchte aufgesteckt und geben ein Bild eigenartiger Schönheit und Frische. An früh ergraute Menschen erinnern sie, die unter dem Schnee des Haars hervor denno-ch- mit jugend- frohen, lachenden Augen um sich schauen. Das eiserne Gitterwerk der einzelnen Begräbnisstätten aber steht da, wie aus zierlichstem Filigran gefer­tigt: Jede Windung und Rundung ist mit einem Pelzchen aus Schneekristallen behängt. Eine Pracht — nicht zu sagen!

Nun hat die Sonne ihre Mittagshöhe erreicht. Ihre spätherbstlichen Strahlen sind dennoch warm. Warm genug, um das herrliche Landschaftsbild in kurzer Zeit zu verwandeln. Die Reifverbrämung am Gesträuch beginnt sich aufzulösen. Am Stab- werk der Erabeinfassungen bilden sich Wasserperlen, die das Geleucht der Mittagssonne in blitzendes Edelgeschmeide verzaubert. Von den Bäumen des Friedhofs aber beginnt es zu tropfen — zu tropfen. Sind es Tränen, die das Gesträuch den unter ihm Schlummernden weiht? Sind es Zeichen des

Schmerzes, von Abgeschiedenen aus ihrer Unirdisch- keit herabgesandt auf die Erde, die nun erst eine Welt d-es Leides und der Trauer geworden ist in einem Maße, daß man der seither gern gebrauch­ten Bezeichnung „Jammertal" fast mit einem Lächeln gedenkt?

Nicht ein Tag der Toten, sondern ein drittes Toten jahr lastet auf der Erde! Ist wohl jemals so viel geweint worden wie in dieser so schmerzen- reichen und doch so großen -Zeit? Toten­sonntag daheim! Geschmückte Hügel, Scharen von Friedhofsbesuchern, denen es heute eine schmerz­lich-süße Befriedigung gewährt, wenigstens am Grab ihrer Entschlafenen stehen zu können.

Und Totensonntag in Feindesland! Massengräber, auf denen kein Gedenkstein die Namen d-er Darin Gebetteten nennt. Einzelgräber, durch ein roh zu­sammengefügtes Holzkreuz gekennzeichnet oder durch ein in die Erde gestecktes Seitengewehr, auf das der Helm des Gefallenen gefetzt ist. — Millionen von Gattinnen und Müttern würden vielleicht einen Teil ihres Lebens opfern, wenn sie nur einmal, nur an diesem Tage einmal, die Hände an der Ruhestätte ihres Geliebten falten könnten. Wo mag die fremde Erde sein Blut getrunken haben, welcher der unzähl­baren Hügel birgt das, was an ihm sterblich war?

Still und schmucklos werden auch in diesem Totenjahr die Gräber vieler unserer Helden in frem­den Landen liegen. Aber am Totensonntag wird ein Raunen, ein Flüstern und ein Seufzen um sie gehen. Die Seelen der in der Heimat mit ihrem Schmerz um die Gefallenen Ringenden werden an den fernen Grabstätten weilen und Zwiesprache hal­ten mit ihren geliebten Toten. Und über die wogen­den Wasser, die so viele deutsche Heldenleiber in sich aufnahmen, werden die Winde die Seufzer der Zu­rückgebliebenen tragen. Doch es wird auch raunen um alle Grabstätten am Totensonntag von einem neuen Leben, das einst auch aus Grüften zum Lichte emporblühen wird.

Johann Joachim Weitzel und warm de Pries,

Zwei Wohltäter Schlüchterns.

Von Georg Flemmig.

Fortsetzung.

ir wissen nun, wer unser Weitzel gewesen ist, auch wovon und wo- rin seine Seele während ihrer W-anderzeit über die Erde gelebt hat. Sehen wir uns nun seine

Stiftung selbst genauer an, um zu erfahren, wie er sich sein Werk gedacht hat. Weitzel hatte seine liebe Vaterstadt, wie ich schon sagte, immer so im Auge, wie sie zu der Zeit war, als er sie verließ. Damals

war hier noch kein Justiz- und kein Verwaltungsamt. Als erster und einflußreichster Beamter galt der Klosteramtmann, zumal vom Kloster mit seinem umfangreichen Bodenbesitz und seinen Feudallasten die meist Landwirtschaft treibende Bevölkerung sehr abhängig war. Weitzel hat außer seinem Testament noch ein sogen. Reglement geschrieben, eine Vor­schrift, an die man sich in aller Zukunft genau halten sollte. Jahre hindurch mag er daran gear­beitet haben. Klosteramtmann Philipp Weitzel, Peter Wilhelm Rollmann, Ludwig Bey, Apotheker Zintgraff und der „regierende" Bürgermeister wer­den von ihm zu ersten Stiftungsverwaltern be-