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Nr. 11

^^r^^r^^£^Q2Qi>£^ws^> Unsere

Heimat l^C^l^l^(^C^C^C^>C^)C^)cA^> Seite 105

niemals ohne jenen Lebenskeim. Doch wird es eine bittere Stunde für ganz Deutschland sein, wenn am Gedächtnistag der Entschlafenen die Glocken zu ihrem Gedächtnis läuten. Gott helfe, daß sich all' unser Leid um sie in Liebe wandelt, dann wird es leichter zu tragen und recht verwertet sein. Neben dem vielen Weh, das nur wenige sofort meistern können, wurde uns auch viel Gutes. Ich denke an unsere gute Ernte, durch welche unser Volk leiblich ein Jahr lang leben kann und soll. Daß das „Du sollst!" statt des gewohnten: „Ich will!" im Hause der Erntenden noch schärfer aufgetreten ist. war ein Gebot der Volksnot. Wo im Bauernhause Einsicht und Liebe wohnen, fällt's nicht schwer. Wenn's freilich an diesen fehlt, dann muß auch! das mit der besten Organisationsgabe ausgestattete Volk ge­wahren, daß es hapert. Wo Liebe fehlt, lahmt doch alles! Wenn die Menschheit vergißt, diese Kraft von oben in sich aufzunehmen und wirken zu lassen, wenn sie, durch Erdgüter betört, das Gebot der Liebe als undurchführbar in den Winkel stellt, kommts auf ihrem „Entwickelungsgang" immer zu Verwickelungen, die sie wähnt, durch Kriege lösen zu können. Hoffentlich kommt sie diesmal in ihrem Erkennen so weit, daß alle, die von Gottes Willen, dem Willen der Liebe, etwas wissen, die Quellen des Elends erkennen, die Selbstsucht verfluchen und gesättigt zu werden verlangen mit Frieden und — dem Gesetz des Ewigen, das Frieden verbürgt. Es ist im Kleinen wie im Großen. Wer's gut hat will's noch besser haben. Und wenn der Mensch auf den Wahn verfällt, daß Besserhaben hänge vom Mehr­haben an Erdengut ab, dann ist der Teufel los. Dann geht der Mensch wie gebannt auf sein Ziel los, ganz verruchte Kerle und Völker stürmen sogar über Leichen. Während die andern weinen, rechnen sie. Und wenn solche Kreaturen und Gemeinschaften ha­ben, was sie begehrten, gelüftet sie es — nach noch! mehr. Und schließlich- gehen sie alle, alle bettel­arm aus dem Leben, und der Dämon der Hab­sucht grinst schadenfroh an ihrem Grab: „Wieder ein Narr begraben!" Die Selbstsucht ist der Men­schen Unglück. Macht's euch! nur 'mal klar jetzt, da einem alle Tage das Herz blutet um unseres lieben Volkes Not. Sie ward hervorgerufen dadurch, daß sich ungezügelte Begierde und schnödeste Selbst­sucht zu dem wahnwitzigen Wollen verdichtete, ein ganzes Volk zu vernichten. Wird dadurch- nicht der Himmel der Menschlichkeit verfinstert? „Die Natur zerstört ja auch in vernichtenden Schlägen, aber nie ohne Ziel und Wiederaufrichtung eines Neuen. Hier soll eine im Völkerleben als unentbehrlich be­währte Macht des Daseins- und Entwicklungsrechts beraubt werden." So im Großen. Und im Kleinen? Obwohl sich das Unheilvolle der dunkelsten Trieb­kraft der Menschheit in der krassesten Furchtbarkeit zeigt, wuchert im Kleinen dasselbe Giftkraut im letzten Winkel, wo man etwas davon hat läu­ten hören, daß gewisse Leute es verständen, die „Zeit der Not zu nutzen" und zu Vermögen zu kom­men. Es sind dieselben Wurzeln und im Grunde die gleichen Früchte. Nur verkleinert. _ Jedes Ha­ben und Ernten kann die Menschen auf dem Acker, in Werkstatt, Fabrik, Schreibtisch, Schülzimmer, Küchen und Kinderstuben zu Narren machen, die, wenn morgen der jüngste Tag anbräche, noch den Geldschrankschlüssel schnell zu sichern trachten. Ach, wenn doch mit dem Frieden dem Glauben und der

Liebe ein breiterer Weg im Völkerleben gewonnen würde! Das wäre eine Ernte aus dieser Notzeit! Wie die Sonne an sich eine Hölle aus glühenden Erzen, Erden und Gasen und doch eine Quelle un­seres Lebens und Wohles ist, so würde auch oie Qual dieser Tage dann ein Quell des Glücks für die Kommenden.

So kommen und gehen die Gedanken. November- tage! Es ist ein weiter, schwerer Weg bis dahin, daß der neue Lenz neu keimen läßt ; aber der Bauer sät doch-, hoffend, daß alles gut werde. -

Wieder hat einer daheim von denen, die uns in der Kindheit als Führer und Helfer wert gewor­den sind, die Arbeit niedergelegt: Herr Haupt­lehrer König tritt mit dem neuen Jahre in den wohlverdienten Ruhestand. Fast 50 Jahre hindurch hat er Kindern Schlüchterns den ersten, schweren Unterricht erteilt. Nun hat auch ihn der Krieg da­heim müde gemacht. Ich weiß, daß viele daheim und draußen in Liebe und Treue ihrem alten Lehrer mit mir danken und ihm einen lichten, schönen Herbst wünschen.

Ein Mitglied unseres Heimatbundes ist — deutscher Botschafter in Konstantinopel geworden, Herr Bot- schaftsrat Dr. v. Kühlmann, seither in Holland für Kaiser und Reich tätig. Viel Anerkennung wird von allen Seiten seinem Wirken gezollt; sogar der deutschfeindliche niederländische „Telegraaf" muß wider Willen dazu beitragen. Möge ihm auch- fer­ner reicher Erfolg beschieden sein!

Am 1. Oktober war daheim Opfertag für die Hinterbliebenen der Angehörigen unserer Marine. Die Stadt Schlächtern brächte einen recht schönen Ertrag zusammen: ca. 500 Mark. Die Kriegs­beschädigtenfürsorge des Kreises liegt in oer Hauptsache in den Händen des Herrn Pfarrers Kurz in Salmünster. Wer Rat und Tathilfe braucht, wende sich an ihn, wie überhaupt jedem Kriegs­beschädigten unseres Kreises dringend zu raten ist, sich- mit ihm in Verbindung zu setzen.

Die 5. Kriegsanleihe hat guten Erfolg gehabt, obwohl sie sich diesmal gegen Dummheit und Bös­willigkeit unaufgeklärten Ursprungs, die behauptete, durch Zeichnen würde der Krieg verlängert, durch- zusetzen h-atte. Vielleicht wäre es gut, den inner­halb des blutenden Walles um Land und Volk Ein­schlafenden klar vor Augen zu stellen, in welcher Ge­fahr beide noch- schweben. Wir haben zweimal im Schutz der ehernen Mauer säen und ernten können; dadurch ist das Gefühl des Sicherseins bei manchem so stark geworden, daß sein Helferwille erlahmte. Das darf nicht sein! —

Sobald der Feind die Waffen aus der Hand legt, ist er dem Deutschen kein Feind mehr. Das kann man überall beobachten, wo Kriegsgefangene beschäftigt sind. Es gibt keinen Völkerhaß in d e u t= schen Dörfern. Die Mutter, deren einziger Sohn vor dem Feinde gefallen ist, gewährt dem gefan­genen Sohn des haßerfüllten Volkes den leeren Platz des toten Sohnes am eigenen Tisch-e ohne bit­tere Gedanken gegen die Person des Fremdstämmigen. Und es sind doch- Kräfte wirksam, die nicht von unten her stammen — auch heute!

Gallenbitter aber schmeckt's, wenn man im An­zeigenteil mancher Zeitungen angepriesen findet „Heldenkissen", „Heldenkäse", „Hohlglasbüften für gefallene Helden" usw.. Muß denn alles ins Ge­wöhnliche heruntergezogen werden? Es fällt uns da