Seite 92 t^^^^^^^^^tts^^s Unsere fjeimnt r^r^r^^^r^r^^r^^^^ Nr. 9/10
nach der Sitte der früheren Zeit trägt, mögen hier noch einige Worte gewidmet sein.
An bevorzugter Stelle und zwar an dem Aufsatz, der sich über der Schloßtür erhebt, finden sich! die vollen Wappen seiner Erbauer nebeneinander, jedes auf einer Sandsteinplatte kunstvoll ausgehauen.
Rechts 13) sehen wir den die Wappenbilder von Hanau, Rieneck und Münzenberg enthaltenden Schild des Grafen Albrecht von Hanau, bedeckt mit den diesen Wappen zugehörigen 3 Helmen, links den Jsen- burger Schild der Gräfin Albrecht mit seinen 2 Balken und dem beflügelten Helm.
Die übrigen vorn am Brunnenbecken 14) und am Portal angebrachten Wappen sind mit einer Ausnahme, auf die gleich noch zurückgekommen wird, die gekrönten Schilde der 4 Ahnen eines jeden ver beiden Ehegatten und zwar rechts, von der Schloßtür aus gesehen, die des Grafen Albrecht, links die der Gräfin Ehrengard.
Da ein richtiges Verständnis für die Bedeutung der einzelnen Wappen am schnellsten und sichersten an der Hand der Stammtafeln des gräflichen Ehepaars gewonnen werden kann, so sind die vorstehend mitgeteilten Stammtafeln (Seite 91), erst die des Grafen, dann die der Gräfin, eingefügt worden.
Betrachten wir nun an der Hand dieser Stammtafeln die Wappenschilde an unserem Portal, so vermissen wir bei den Ahnenwappen des Grafen Albrecht v. Hanau den Schild seines Großvaters mütterlicherseits, des um die Einführung der Reformation in seinen Landen hochverdienten Grafen Philipp IV von Waldeck. (In Gold ein schwarzer achtstrahliger Stern). Der Grund hierfür ist vielleicht darin zu suchen, daß das Wappen der Grafen von Waldeck bereits über der weiter nach Süden zu gelegenen Tür des Burgbaus 6 vom Jahre 1561 angebracht war, sodaß auf seine Wiederholung an dem Portal zu Gunsten eines anderen Ahnenwappens verzichtet werden konnte. An seiner Stelle sehen wir den Schild der Urgroßmutter väterlicherseits des Grafen Albrecht, der Gräfin Juliane von Stolberg (In Gold ein schwarzer stehender Hirsch), der Frau, die durch ihre zweite Ehe mit dem Grafen Wilhelm dem Reichen von Nassau-Dillenburg (20. 9. 1531) nicht allein die Mutter des Begründers der Niederländischen Freiheit, des Prinzen Wilhelm von Oranien, sondern auch die Ahnfrau fast aller der gekrönten Häupter geworden ist, deren Völker heute
") In der Wappenkunde wird „Rechts" oder „Links" nicht vom Beschauer, sondern von dem zu beschreibenden Wappen aus verstanden.
“) Die Wappentafeln an der vorderen Brunnenwand sind ursprünglich sicher umgekehrt angeordnet gewesen, sodaß der Hanauische Schild, ebenso wie oben, vom Portal aus gesehen rechts, das Isenburgische links gestanden hat. Ihre jetzige verkehrte Aufstellung wird von einer späteren Wiederherstellung des Beckens herrühren.
in dem gewaltigsten Stampfe miteinander ringen, den die Welt gesehen hat. Sind es doch von allen Fürsten Europas nur die von Serbien, Montenegro, Liechtenstein unb Monaco, in deren Adern kein Tröpflein ihres Blutes rinnt ]5).
Das diesem nach oben zu folgende, etwas seitwärts dicht über dem Rundbogen der Schloßtür fte^enöe Wappen. (Schildgeviert. Felder 1 u. 4: In Schwarz ein goldner rotgekrönter und rotbewehrter Löwe; Felder 2 u. 3: Von Silber und Blau schräg gelautet) ist der Schild der Großmutter väterlicherseits des Grafen Albrecht, der Pfalzgräfin Helene zu Simmern, aus dem heute noch in Baiern herrschenden uralten Geschlechte der Wittelsbacher 16).
Der noch weiter oben über der Säule angebrachte Schild endlich läßt von einer Wappenfigur kaum noch etwas wahrnehmen. Nur bei ganz scharfem Zusehen lassen sich noch Andeutungen von quer über den Schild verlaufenden Linien erkennen. Man wird daher nicht fehlgehen, wenn man in ihm den Schild der Großmutter mütterlicherseits des Grafen Albrecht, der einer nach dem Schlosse Grensau benannten Nebenlinie des Jsenburger Geschlechts entstammenden Gräfin Jutta von Jsenburg erblickt.
Entsprechend diesen Wappen finden sich auf der anderen Seite des Portals unten an der Säule der Schild des Großvaters väterlicherseits der Gräfin Albrecht, des Grafen Philipp zu Solms-Braun- fels 17) (In Gold ein blauer Löwe); seitlich von dem Rundbogen der Schloßtür der Schild ihrer Großmutter väterlicherseits, der Gräfin Anna von Schwarzhurg. (In Blau ein rotgekrönter und rot= bewehrter, goldner, sog. leopardierter Löwe), uno endlich hoch oben über der Säule der Schild ihrer Großmutter mütterlicherseits, der Gräfin Anna aus dem längst ausgestorbenen Geschlechte der im ehemaligen westfälischen Streife angesessenen Grafen von Tecklenburg. (Schild geviert: In den Feldern 1 u. 4 in Blau ein goldner Anker; in den Feldern 2 u. 3: In Silber 3 rote Herzen).
So vermag oft noch der tote Stein zu uns zu reden, wenn wir nicht achtlos an ihm vorübergehen und das, was er uns sagen kann, zu deuten wissen.
‘^ Hessenland, Hessisches Heimatblatt etc., 29. Jahrgang, Kassel 1915 Seite 211. „Die Grafen von Hanau und die Fürsten Europas im Weltkrieg".
1G) Die Gräfin Helene von Hanau hat als Witwe das Schloß Schwarzenfels längere Zeit bewohnt und ist daselbst auch am 5. Febr. 1579 gestorben.
”) Der Zufall, daß sich am Schloßportal in Schwarzen- fels die Wappen der alten Geschlechter der Grafen zu Solms und von Stolberg gegenüberstehen, ist dadurch für die Bewohner des Kreises Schlüchtern nicht ohne Reiz, daß fast 390 Jahre später zwei Nachkommen dieser beiden Grafengeschlechter, der Graf Wilhelm zu Solms-Laubach und seine Gemahlin Marie geb. Prinzessin von Stolberg-Wernigerode, einige Jahre an der Spitze des die ehemalige Obergrafschaft Hanau umfassenden Kreises Schlüchtern gestanden haben.
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Dr, Philipp Leonhard lUaring Lotich, ein Vorarbeiter in unseren fjeimatbunbbestrebnngen.
Von Pfarrer E. F r e u n d-Ramholz.
Sein Leben aus Grund seiner Tagebücher, chon oft ist in unserem Heimatblatt des Dr. Lotich gedacht, auf ihn Bezug genommen, aus seiner schriftlichen Hinterlassenschaft geschöpft
worden. War er doch einer der wenigen Männer unserer Heimat um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, die den Gedanken, den unser Heimatbund verwirklichen will, vorausgedacht haben, die Vor-