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Seite 84 ^^c^^^^^^^^^ß^ Unsere Heimat ^^^^^^£^^02^0202 Nr. 9/10

ist. Ich befehle Sie und Ihr Haus in die Beschirm­ung unseres Gottes, des Vaters unsers Herrn Jesu Christi."

1. März 1834. „Ich lege hier einen Coupon bei, der wert ist 12 Gulden und 10 Groschen. Den können Sie austeilen wie sonst nach Belieben. Gern sähe ichs, wenn Sie armen Leuten Ackerland für Kartoffeln dafür zinsten und nicht schenkten. 3$ überlasse es Ihrer Liebe, das Rechte zu tun. Es war mir eine wahre Freude, zu vernehmen, daß die Schulen in Schlüchtern verbessert worden sind. Alle Lehrer habe ich bedacht im Reglement. Auch' die Mädchen habe ich nicht vergessen. Wenn sie nur einen Funken Liebe zum Gottesdienst haben, dann wer­den sie allen Fleiß anwenden, geschickte und fromme Hausmütter zu werden ohne Zwang. Dann werden auch wohlgezogene und gehorsame Kinder werden. Früher war in Schlüchtern die Gewohnheit, alle Jahre einen Bürgermeister zu wählen, ist das noch so? Der Herr P. Müller in Steinau hat seinem Bruder erzählt, daß der Acisbrunnen im Eichholz so schön eingerichtet ist, daß auch Fremde ihn be­suchen. Ist auch von dem Bronnen ein Fischteich geformieret worden? Sind Krebse und Forellen eingepflanzt worden? Schreiben Sie mir etwas dar­über, daß ich mich auch' darüber freuen kann. Auch wird mir erzählt, daß aus Ihrer Gegend viele Leute nach Amerika ziehen, was ich nicht wohl glauben kann."

9. März 1835. „In meiner Kindheit war die Mädchenschule auf dem Heideküppel bei dem Herrn Kohlhepp. Das einliegende Geld verteilen Sie unter die, denen es am nötigsten."

29. März 1836. „Schon lange hatte ich die Absicht, Ihrer Ehegattin ein Andenken zu schicken. Endlich bin ich auf den Gedanken gekommen, ihr eine goldene Halskette zu schicken, wie Sie sie in diesem Schächtel- chen finden. Daß die alte Klosterkirche für ein Seminarium so schön zubereitet wird, freut mich. Ich dankte in meinem Herzen der Regierung. Wir wissen aus den Zeitungen, daß die aufrüherische Plünder- bande von Frankfurt—Hanau bis nahe an Schläch­tern vorgedrungen ist. Aber der brave Bürgermeister von Schlüchtern, welcher in der Zeitung sehr gerühmt wird, ist mit seiner bewaffneten Bürgerschaft oer Bande entgegengezogen und hat sie von ihrem bösen Vornehmen zu überzeugen gewußt, sodaß sie zurück- und auseinandergegangen ist."

6. Febr. 1837. „Ihr Herr Vetter Weitzel unb seine Frau sind seid einem halben Jahr krank. Ihre Briefe hat er gelesen. Wenn ihm Gott wieder mehr Kraft schenkt, will er sie beantworten. Mein Vetter Koch von Steinau hat die Unhöflichkeit gehabt, mir nicht Adieu zu sagen, sonst hätte ich ihm ein paar Zeilen an Sie mitgegeben. Wenn es eine Verände­rung gibt, schreibe ich Ihnen schnellstens.

I. R. Müller."

1837. „Lob, Dank und Ehre sei unserm Gott, der uns beide aus einer so schweren Krankheit er­rettet. Im Monat Juni 1836 ist von hier Jakob Denhard mit seiner jüngsten Tochter nach Steinau gereist, wo er in 46 Jahren nicht gewesen ist und im September war Peter Müller mit seinem Sohn Adam in Amsterdam. Die beiden haben uns soviel von Steinau und Schlüchtern erzählt, daß es beinahe unglaublich ist. Unter ander in, daß die Steinauer einen Weinberg gepflanzt haben, der so viel und

guten Wein gibt, daß der Bürgermeister Hufnagel 1835 für 1080 Gulden Wein verkauft hat. Ja, sie hätten Wein, der so süß sei wie Sirup und so dick wie Oel, daß auch' in Schlüchtern Weinstöcke gepflanzt wären am Giebel und Weizenberg, daß auch die Wege nach den Dörfern verbessert seien und viel angebaut würde. Als ich im Jahre 1779 von Haus gangen bin, war noch außerhalb des Unter- und Obertors kein Haus gebaut. Vor dem Krämertor war das Grillen Haus und die Potlaschen-Fabrik das letzte. Auf der Kleinen Erle stand die Lohmühle. Auf dem Schießplatz nach der Schneid- mühI zu hat mein Vater im Jahr 17 68 ein Haus mit Stallung und Scheuer ge­baut 2), gegenüber wohnte ein Färber, ein Bäcker und ein Hutmacher, weiter stand da kein Haus mehr. Bei unserer Hintertüre war ein kleines Pflanzgärt- chen, darin habe ich ein jung Birnbäumchen ge­pflanzt, auch gepfropft, möchte gern wissen, ob dies Däumchen noch am Leben. Ich danke Ihnen herz­lich, daß Sie mir beschrieben haben, wie es bei der Einweihung und dem Freundschaftsmah! des Semi- nariums dorten zugegangen ist. Es ist mein Herzens­wunsch, daß der gute Gott diese Einrichtung be­schirme und segne. Ich habe in meinem Reglement eine Lesegesellschaft vorgesehen, darin ein Herr Lehrer für den Frieden und gute Ordnung sorgen möge. Vornehmlich soll der Herr (an den Lese­abenden) dafür sorgen, daß ein jeder in den Ge­sprächen dem anderen seinen Respekt gibt, der ihm zukommt, auch nicht mehr. Alles soll im Bürger­lichen bleiben, wohlgemeint und liebreich, keine übertriebenen französischen Komplimente, die nur mit Heuchelei können gehört werden. Auch' muß er sorgen, daß keine fremden Worte mit den deut­schen vermengt werden, so wie's zu mei­ner Schulzeit Mode war, da sie franzö­sische Worte darunter mengten. Das siehtja gerade s 0 aus, als wenn die deut- sche Sprache so arm an Worten sei, daß man seine Meinung nicht völlig darin ausdrücken könnte. Solches ist ja ernie­drigend, ja schändlich für die deutsche Sprache und Ration und für den Fran - zos, den Erzfeind von Deutschland, viel zu viel Ehre... Mein Freund Müller hat es mir versprochen, daß er an Sie schreibt, wenn ich vor meiner Frau sterbe meine Frau versteht die deutsche Sprache nicht —; auch habe ich 2 Herrn be­stellt, die alles so ausführen müssen, wie ichs in meinem Testament geordnet habe. Wenn wir beide gestorben sind, wird ein Mann nach Schlüchtern kommen, der mundelich und schriftlich' alles bringt, was getan werden muß. Darauf können Sie Sich verlassen und alles ruhig abwarten. Wenn dies Schreiben mein letztes ist, so hoffe ich, daß wir uns alle zusammen im Himmel wiederfinden."

30. März 1838. „Ihr Brief durch Rik. Müller hat mir große Freude gemacht, weil ich daraus er­sehen, daß meine Geburtsstadt größer und schöner geworden ist, der Landbau und Viehstand verbessert sind, Wüsteneien in gute Aecker und Wiesen ver­wandelt werden. Ich weiß, daß die Bewohner von Schlüchtern bekennen, daß sie sehr viel Ihrem Be-

4 Bruckenauerstraße Nr. 30. Das Haus des Hut­machers dürfte das beim Bau der Kaiserstraße abgebrochene gewesen sein.