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Seite 80 ^c^i^i^^c^^i^c^^c^^ Unsere Heimat z^^^^^z^^z^^ß^ß^^ Nr. 9/10

tatsächlich wieder 'mal ganz unnötig. Es ist kein Heu draußen geblieben und keines verdorben, und viele Wiesen haben den doppelten Ertrag geliefert. Nun brauchenSchäck" undBläß" im Winter nicht zu hungern, und für denSchimmel" undBraunen" beiber Kolonne ist auch noch übrig zum Sattwerden. Also haben diejenigen recht behalten, die dem natür­lichen Verlauf der Dinge vertrauten, die nach Gottes Willen Gesetz sind auf Erden. Gott war, wie wir 1. Mos. 8,22 lesen, selbst darauf aus, dies Vertrauen im Menschen zu stärken.

Je länger der Krieg dauert, desto mehr wächst das Erkennen, daß es sich in ihm um viel mehr han­delt, als bloß um die Sicherung von Völkereristenzen und das Aufeinanderprallen und Messen von wider­strebenden Völkerkräften. Vielen scheint, als würde das erste grobe Garn gesponnen, aus dem der Herr des Alls sein Erdenbild der Zukunft weben will. Wer vermöchte z. B. zu glauben, daß in Frankreich das mißleitete Volk nach dem Erwachen, das kom­men muß, ruhig hinnehmen würde, was ihm seine Lenker diesmal angetan? Oder wer vermöchte sich vorzustellen, daß das russische Volk schweigen würoe zu dem brutalen Einsatz von Menschen und völliger Nichtachtung der Einzelleben seitens der Eewalt- haber, wenn die Gesamtheit die Wahrheit erfahren wird? Aus diesem und anderem müssen mit elemen­tarer Wucht Kräfte aus den Tiefen der aufgewühlten Gedankenwelt nach oben bringen und sich durchzu- setzen suchen, was Folgen haben kann, die heute noch unausdenkbar sind. Und unserem Volke, das den Frieden bis zum Aeußersten gewahrt hat und zum Frieden nach Sicherung seines Daseins jederzeit be­reit ist, sollen diese Jahre der Qual zur inneren Läuterung und Stärkung der ausbauenden Kräfte dienen, die in Gefahr waren, der Nichtachtung an- heimzufallen. Jede Kugel, die draußen trifft, findet auch in der Heimat ihr Ziel und wirkt bittere Not. Wenn es aber wahr ist, daß alles Große auf Er­den aus der Not geboren ist, so wird uns auch diese Riesennot durch Gottes Gnade Segen für die erwach­sen, die nach uns kommen. Mir scheint, als wären daheim die Menschen enger zusammengerückt und als sei die Fähigkeit, gemeinsam zu tragen und gern zu opfern, bedeutend gewachsen. Wer hätte gedacht, daß unsere engere Heimat, die doch wahr­haftig nicht reich ist, solcher Summen auf dem Wege des Gebens sich zu entäußern fähig sei, wie sie wäh­rend der beiden letzten Jahreflüssig" geworden sind? Doch wollen wir mit dem Zusammenrechnen warten bis nach Friedensschluß und auch dann nur deshalb addieren, um uns zu freuen, daß es bei uns eine Zeit gegeben, in der der Wille zum Helfen mächtiger war als ber zum Haben. Erwähnt sei aber, daß der Kreis Schlüchtern zur Sammlung für unsere Kriegsgefangenen in Feindesland 13 652,75 Mk. beisteuerte, darunter 2 276,36 Mk. aus der Kreishauptstadt. Und wenn von dieser Opferbereit­schaft für dieZeit nachher" das übrig bleibt, daß einer seine Steuern gern bezahlt, weil die größte Geldsumme nichts ist gegen die Blutsteuer, ist viel gewonnen. Denen aber, die sich in den Tagen, oa Deutschland blutete, auf Kosten der leidenden Brü­der reich gemacht, möge das Erworbene unter den Händen zerrinnen, wie der Schnee, wenn im Lenz die Sonne steigt!

Dem Eroschenbrief und der Fünfpfennigpostkarte,

die in der Nacht zum I. August Abschied genommen, haben wir mit Wehmut nachgeschaut: Auf Wieder­sehen in besseren Tagen! Die nach uns kommen, mö­gen bei ihrer Rückkehr unserer Scheidestunde ge­denken!

Auf das Geringe zu achten, gebietet die Not oer Zeit. Der Vaterländische Frauenverein bittet um Sammlung von Obstkernen zur Oelgewinnung. In Fehls Laden ist unsere Sammelstelle. Ein treues Sammeln, durchs ganze Reich mit Sorgfalt durch- geführt, kann einen Ertrag bringen, der uns staunen macht. Helfe jeder!

Die Zahl der Verordnungen und Gesetze, welche die rechte Verteilung des zum Leben Nötigen regeln, ist so gewachsen, daß man einen, der sie alle im Kopfe hat, sehr wohl vom Standpunkt der Wissenschaft aus mit Auszeichnungen bedenken dürfte. Sie geben aber Zeugnis von dem heißen Bemühen unserer Re­gierenden, den besten Weg zu finden. Das aber for­dert mit Recht wieder allseitiges Vertrauen! Der Mensch, der gar keine Fehler macht, soll ja erst noch geboren werden. Der alte Wandsbecker Bote hat einmal geschrieben:Gehorche Du der Obrigkeit und lasse die anderen über sie streiten!"

Unsere liebe Schlüchterner Gemeindeschwester Philippine Schmidt ist nun auch fast zwei Jahre draußen, pflegend, was krank und wund ward im Kampf und Entbehren. Sie schrieb mir kürzlich: Denken Sie sich nur, vor 14 Tagen, als ein Trupp neuer Kranker die Barackenstraße entlang kam, trat auf einmal der Maurer Rüffer (von der Elmer Landstraße) auf mich zu. Ach, wie haben wir uns bei dem Zusammentreffen gefreut! Bald darauf hörte ich, daß auch der Grenadier Urbach (aus Ihrer Nachbarschaft) im Lazarett in Ch. sei. Ich habe ihn sofort ausgesucht, und vorgestern kam er, uns zu besuchen. Es geht beiden wieder gut." Er­freulich war's, daß sie hinzufügte :Brot- und Fleischkarten kennen wir hier nicht; es ist alles reich­lich vorhanden." Ja, wie mögen sich die gefreut haben! Wie mag sich ein jedes freuen, das da drau­ßen in seiner trotz Menschenfülle gefühlten Einsam­keit ein Gesicht von daheim sieht! O Heimat, deutsche Heimat, wie wirst du uns unsagbar lieb und wert, groß, herrlich und heilig in diesen Jahren des Rin­gens um deine Freiheit, dein Leben!

Daß der erneute Riesen-Ansturm der Feinde auf alle Fronten der Heimat neue Wunden schlagen würde, war vorauszusehen. Das mindert aber nichts an ihren Schmerzen, die ihr aus ihrem Lieben quellen. Die Todesboten klopfen wieder stärker an. Es tvill uns so schwer werden, zu glauben, daß unser Leben ein Frühlingsziel hat. Womit sollen die ihre Seelen stillen, in denen sich etwas wehrt gegen bis restlose Aufgehen im unbekannten Ganzen", ohne daß sie glauben können, daß eine ewige Heimat ihrer wartet? Es hilft nichts: Jeder selbstgezimmerte Glaube und alle Gläubchen, die die Zeit aufsprossen läßt, brechen zusammen. Die Splitter liegen auf den Gassen und in den Gossen. Drum braucht sich keine Seele mehr zu schämen, die einen Halt sucht, wenn sie sich anklammert an das schlichte, durch die Jahr­tausende bewährte Wort des ewigen Gottes, das sich als helfende Hand jedem, der leidet, entgegen- streckt.

E. Flemmig.