Nr. 7/8 r^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ Unsere
Heimat ßi>ß5ß3ß9ß2ß2ß2ß2ß2ß2ß2ߣ Seite 75
I m Nachlaß eines vor „etlichen Jahren" verstorbenen „Schlüch- terner Bürgers" fand man 17 gleichlautend beschriebene und mit Anschriften sorgfältig versehene Postkarten, die aber von den Hinterbliebenen aus gewissen Gründen nicht, obwohl es der Erblasser gewünscht, sofort nach seinem Ableben abgesandt wurden. Doch wurde der Inhalt einer Actrie, um den letzten Willensäußerungen des Verstorbenen trotzdem nachzukommen, dem Heimatkalender zur Veröffentlichung übermittelt. Hier ist er:
Schlächtern, Datum des Poststempels.
Wenn diese Karte Sie erreicht hat, bin ich gestorben, und Sie werden die Absicht haben, mich auf meiner Fahrt zum Friedhof zu begleiten. Ich bitte Sie herzlich: Tun Sie das nicht! Ich müßte mi^i wahrscheinlich im Sarge umdrehen, wenn Sie auch hinter ihn mit ihren lebenden Weggenossen so schamlos laut sich unterhalten würden, wie ich das an Ihnen nun schon über 20 Jahre bei Beerdigungen beobachtet habe. Ich möchte meine lieben Angehörigen davor bewahren, solches Tun als eine Rücksichtslosigkeit zu empfinden und vermieden wissen, daß Sie meinen letzten Erdenweg zu einem Schwatz, durch den Sie Ihre Gleichgültigkeit dem schweren Erleben anderer Leute gegenüber öffentlich zeigen, benutzen. Auch weiß ich, daß wirklich Betrübte unö still ihres Weges Gehende immer wieder durch Sie so geärgert worden sind. Also bleiben Sie, bitte, diesmal gütigst zu Hause. Und nichts für ungut!
Ihr N. N.
Kurzgefaßte Wahrheiten.
Schulehalten ist kein Delikatessengeschäft.
Der Mensch muß erst sterben, um wahrhaft geliebt zu werden.
Ein Jude ist leichter zu bekehren als —ein Pfarrer. (Samuel Keller).
Wenn einer merkt, daß er gescheit ist, fängt er an, dumm zu werden.
Warum wir alle sterben müssen? — Weil wir nicht wollen.
Das Messer der Hölle heißt Hunger.
Ein Lehrer gewinnt erst Verständnis für die Arbeitsleistung der Kleinen beim „Auswendiglernen", wenn seine eigenen Kinder sich damit mühen.
* * *
Ein Zwiegespräch.
Gu'n Tag, Mechel!
®u’u Tag, Kloas!
No, bu weßte dann hie?
Noach Schlächter.
Soo, is dann doa e Leicht?
Naa, ech wott mer Zocker laff, ehnder daß he all werd.
Joa, brömm hoaste dann doa der gross' schwoatz'
Hut off?
Ech honn gehuott, „im Hut" krög' men belliger.
Soo - ech hatt schon gemoant, du wößt der Hut verlaff, weil se etz doch oageschafft werrn.
Bä säägt denn doas?
's hott im Bläätje gestanne, es kähme etz nur noch annerthalb Pond Kattoffel off der Koop.
K. Fr.
Der Schlüssel zu des deutschen Kanzlers HerZ.
Ich sehe die ganze Nation in Heldengröße um ihre Zukunft ringen, unsere Söhne und Brüder, in treuer Rameradschast kämp= sen und sterben sie miteinader. Das ist die Liebe zur Heimat in allen, mag ihnen die Heimat Besitz und Reichtum entschließen oder ihnen nur die Stätte gewesen sein, an der ihre Arbeitskraft ihnen das Leben fristet. Diese heilige flamme der Heimatliebe stählt allen das Herz, daß sie in tausendfacher Gefahr dem Tode trotzen und den Tod leiden. Nur ein vollkommen vertrocknetes Herz kann sich dem erschütternden Eindruck von der Größe und Urkraft dieses Volkes entziehen, kann sich der heißesten Liede zu diesem Volk erwehren. (5. Juni 1^16.)
Jn treuer Pflichterfüllung fielen ferner für das Vaterland:
aus der Pfarrei Ulmbach:
6. am 10. 11. 14. Franz Reining.
7. am 11. 11. 14. Rudolf Hau.
8. am 12. 11. 14. Leopold Leibold.
9. am 5. 12. 14. Joseph Hau.
10. am 14. 12. 14. Justin Hohmann.
11. ant 30. 1. 15. Paul Müller.
12. am 4. 2. 15. Justin R eining.
13. am 4. 2. 15. Isidor Müller.
14. am 28. 2. 15. August Gutermuth.
15. am 26. 3. 15. Heinrich Lauer.
16. am 18. 5. 15. Franz Leibold.
17. am 14. 8. 15. Ferdinand Heim.
18. am 22. 8. 15. Alexander Hohmann.
19. am 3. 9. 15. Heinrich Herber.
20. am 26. 9. 15. Ferdinand Hau.
21. am 30. 9. 15. Karl Hohmann.
22. am 2. 10. 15. Joseph Seipel.
23. Emil Merz.
24. am 30. 10. 15. Eduard Müller.
25. am 3. 11. 15. Ferdinand Flach.
26. am 2. 11. 15. Leonhard Leibold.
27. Johann Karl Max Rosenkranz.
(Weitere Angaben wurden leider nicht übermittelt.)
aus Oberzell:
11. Musketier Wilhelm Kehm, am 18. 3. 16. durch Granatsplitter in den Kopf beim Kampf um Verdun.
12. Musketier Johannes Eichholz, am 11. 4. 16. durch Bauchschuß beim Kampf um Verdun.