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Seite 68 r^c^c^^c^r^r^^ttsL^c^c^ Unsere

tfefmat r^^^^r^r^^^rrs«^^^ Nr. 7/8

und das „au" kam dabei aus dem sonst nicht un = schönen Mund so voll und so dick heraus und lag darin aller Geiz und Selbstsucht und Gewinnsucht und Betrügerei und Dummheit, die sie den „Baue­ren" zutrauten. Und: „alles müßte man ihnen nehmen — alles! !" kam's von ihren Lippen. Ich hörte mir die Sache eine Weile an und hätte mich beinah freuen können über die Einigkeit, wenn sie nur nicht auf Kosten meiner lieben Bauern gegangen wäre. Schließlich hub ich an: „Erlauben Sie gütigst, gnädige Frau" — das „gnädige Frau" hab' ich in Berlin gelernt und als probat erfunden — man kann's überall anwenden, ob man's mit einer Gräfin oder einer Arbeiterfrau zu tun hat. — Also ich sag­te : „Erlauben Sie gütigst — haben Sie einmal versucht einem Bauer nachzufühlen, dem jetzt sein Korn, seine Kartoffeln weggenommen werden?" — „Aber die Menschen bekommen's ja reichlich be­zahlt", meinte eine andere, „was ist denn da nach- zufühlen?" — „Nun, sag, ich wieder, „gnädige Frau haben gewiß daheim einen Porzellanschrank und da­rin vielleicht noch echtes Meißner. Nun denken Sie einmal, unsere tüchtigen Chemiker erfänden einen Sprengstoff, der zwar sehr vorzüglich den Feinden Abbruch täte, aber nur aus zerriebenem alten Meiße­ner Porzellan hergestellt werden könnte, und das Reich enteignete nun alle Besitzer solchen Porzellans; ein Schutzmann kämme zu Ihnen, Sie müßten Ihren Schränk aufmachen und hergeben, das Beste, was drin ist. Wie wär's Ihnen denn da? Ich fürchte, Sie bekämen arg Streit mit dem Schutzmann uno dem Reich! Ihre Tassen vorher beiseite bringen würden Sie aber nicht." — „Nun, erlauben Sie mal", meinte eine Dritte, „das ist aber doch was anderes als dem Bauern seine Frucht, seine Kar­toffeln, sein Vieh". — Ja, ja, das ist alleroings noch was anderes — die Frucht und das Vieh — als Meißener Porzellan und alles, was der Städter sein nennt. In der Frucht, da steckt des Bauern Schweiß, darin stecken seine Sorgen, darin steckt sein Beten — so etwas wie die Frucht, so etwas Per­sönliches gibt's in der ganzen Stadt nicht, in keinem Salon und keiner Fabrik; vielleicht gibt's in ver Stadt etwas Aehnliches aber nichts an Gemüts- werten Gleiches in dem Atelier eines ernsten Ma­lers. — Und zu diesen Gemüts werten in der Frucht kommt nun noch ein sehr realer Wert, der sich gar nicht mit Geld ausgleichen läßt — das ist ja die Nahrung für den Menschen, für Weib und Kind und — für das Vieh, das der Bauer glaub's nur, liebe Städterin — noch weniger Hun­ger leiden sehen Mag als sich selbst. Unb das nicht aus bäuerischer Rohheit, sondern weil ihm der unver­nünftigen Kreatur Leiden weher tut als das der sprachbegabten, die sich! doch! mit Räsonnieren einmal erleichtern kann. — So hängt der Bauer mit öem Erzeugnis seiner Hände, das doch das Erzeugnis seiner Sorgen und seines Betens ist, zusammen. Und trotzdem sind es gleich im Anfang des Krieges grade die Bauern und ihre Führer gewesen, Die gesagt haben: „Enteignet — wir wollen das Un­sere gern hergeben; aber enteignet nicht nur unsere Produkte, sondern enteignet auch, was in den Hän­den des Handels und der Industrie ist und was für unsere Produktion nötig ist — Futter- und Dün­gemittel". — Man hat natürlicher- oder unnatür- licherweise das nicht getan, und der Bauer mußte oas

Drei- und Vierfache dafür zahlen. Trotzdem hat er sich ohne Murren in die Enteignung gefügt und hat treulich den Acker bestellt, obwohl er wußte: Ich behalt's nicht! Und nun hören wir, daß in einem ländlichen Kreis an die tausend Bauern und Bauersfrauen, deren Männer im Krieg sind und die seit zwei Jahren das Sätuch tragen, den Pflug führen, die Säcke schleppen, ohne daß ihnen ein Kino oder ein Kaffee winkt, — daß an die tausend von ihnen vor die Gerichte gebracht werden, weil sie Frucht verheimlicht hätten. Leute, die in 60 und 70 Jahren mit Ehren grau geworden, Leute die drei, vier Söhne hinausgesandt, die ihr Geld über ihr Vermögen der Kriegswohlfahrt gaben, die so manchen mit durchsütterten draußen und daheim und noch kein Wort drüber verloren, müssen nun 1o dastehen. — Wir machen keinem einen Vorwurf des­halb. Die Not der Zeit, die die harten Gesetze nötig machte, bringt es so mit sich. — Das kann dem Städter und der Städterin natürlich nicht passieren. Aber das könnte der Bauer erwarten, daß sie sich einmal hineindächten in das Herz solcher Männer und Frauen und überlegten ,was, heute über den Bauernstand hergeht. — Der Bauer spricht nicht davon, des Wortes Allgewalt steht ihm nicht zu Gebote, er kann seine Gefühle, die zarten, feinen, die ihn mit dem Acker und seinem Ertrag verbinden, die ihn mit der unvernünftigen Kreatur verknüpfen — er kann sie nicht in Worte fassen und er will es auch nicht. Manchmal kann's einer, sein Pfarrer, wenn er nach sechs heißen Wochentagen die tod­müden Greise, die versorgten Frauen, die überar­beiteten Knaben und Mädchen unter seiner Kanzel hat, die der Städter vielfach auch nur noch! vom Sagen kennt. Dann kann der Pfarrer im Anschluß an die Worte der Schrift die Worte finden für das, was im Bauern lebt an Gemütswerten und sie ni­cken ihm zu und es tut ihnen wohl, daß es ein­mal einer sagt und gehen von neuem an die Arbeit, auch wenn sie unverstanden bleiben. - Vom Städ­ter, lieber Freund, von dem Menschen ohne Ar und Halm muß der Bauer erwarten, daß er ihm mehr Verständnis entgegenbringt für seine Leiden und Freuden. Vielleicht merkt er dann, daß man auch vom Bauern allerlei lernen kann, was dem Menschen und was zu dieser Zeit auch dem Vaterland von höchstem Nutzen ist, vor allem die starke Geduld, die doch mancher Kluge jetzt arg vermissen läßt. - Ich hätte noch manches auf dem Herzen. So, wenn ich ansehe, was die von dem Städter vergötterte Wissenschaft an dem Bauer und seinem Vieh allein in den zwei Jahren dieses Krieges gesündigt hat, wo erst das Schwein der achte Feind der Deutschen sein sollte und ein Neutraler ganz richtig sagte: „Mit dem Feind sind die Deutschen am schnellsten fertig geworden", und wo nun einer ausrechnet, es seien 290 Millionen Schweine in Deutschland „ver­schwunden", weil sie nicht in die städtischen Schlacht­häuser gebracht wurden. Was da nicht hinkommt, ist für den Mann und seine Leser „verschwunden". Soll denn der Bauer oder richtiger seine Frau uno Kinder, — denn der Bauer steht im Feld und hält mit Alldeutschlands Söhnen die Feinde ab von Land und — Stadt — soll denn des Bauern Weib und Kind das selbstgezogene Schwein erst durch! Den Händler ins städtische Schlachthaus bringen, ba = mit's der Herr Artikler zählen kann? — Was für