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Seite 66 ^^^^^5^QF^-2S^^^ Unsere kseimat DiORORO^OC^CiS^C;^ Nr. 7/8

Neider. Wollabfälle brachten durch Verkauf 3000 Mk. bar, die Verarbeitung von ca. 3 Zentnern ge­schenkter Rohwolle ergab nach Verarbeitung 23/4 Zentner reine Strickwolle. Für Stricken wurden 1000 Mk. verausgabt, doppelt erfreulich, weil's Lohn für Heimarbeit fein konnte. Aus der Kriegskasse wur­den 1536 Mk. 30 Pfg. Unterstützungen gezahlt. Daneben erhielten aus der von Kühlmannspende zahlreiche Familien einmalige und laufende Unter­stützungen. Diese beliefen sich bis zum März ds. Js. auf 7300 Mk. Eine besondere Fürsorgestelle für Kriegsinvaliden wurde eingerichtet, Herr Pfr. Kurz in Salmünster ist ihr Geschäftsführer. Sie vermittelt auch Berufberatung.

An den beiden Pfingsttagen wurde in allen ev - angelischen Kirchen des Reichs eine Kollekte für die Soldatenheime an der Front und in der Etappe erhoben.

Am 16. Juni läuteten die Glocken der evangel. Kirche in Schlüchtern einem Namenlosen zu Grabe. Der völlig Unbekannte, etwa Neuzehnjährige, war am Weinberg aus dem Zug gesprungen oder ge­stürzt. Mit zertrümmertem Schädel ist er am Bahn­damm gefunden worden. Fünf Pfennige und eine Kleinbahn-Fahrkarte waren seine Habe. Wo mag seine Heimat sein?

Um die bis auf einige Orte im Amte Schwarzen- fels eingeschlafene Jugendwehr wieder zu wecken, hielt Herr Generalleutnant Schuch auf Veranlassung des Herrn Landrats einen Vortrag über Ziel und Methode derselben. Herr Pfarrer Kurz in Sal­münster und Herr Lehrer RIauer in Weichersbach sind zu Kreisjugendpflegern ernannt worden. Un­sere Helferin in Soden, Fräulein H. Walter^ macht aus eine ideale Jugendpflege, die bei den Sieben - bürgener Sachsen schon Jahrhunderte lang besteht, aufmerksam. Sohnrey schildert dieselbe in seinem diesjährigen Dorfkalender. In Wiesbaden ist ein treuer Freund und Förderer des Heimatbundes ver­schieden, nämlich der Rentner Philipp Eckhardt. Von seiner Liebe zur Heimat haben nicht nur wir, sondern auch die Stadt Schlüchtern, der Ver- schönerungsverein u. a. manchen Beweis erhalten. Er ist nach schwerer Jugend in der Fremde wohl­habend geworden, hat aber die Heimat nie vergessen. Im Alter von 78 Jahren ist er nun zur Ruhe ge­gangen. In Schlüchtern hat Herr Fabrikant H. Schäfer seinen achtzigsten, Herr Beigeordneter I. Gutermuth seinen siebenzigsten Geburtstag gehabt. Wir wünschen beiden von Herzen einen sonnigen Abend! —

Der kalte Juni soll dem von 1871 ähnlich ge­wesen sein. Möchten Juli und August und auch an­deres denen jenes Jahres ähnlich werden! — Ein Bauer in einem Badeort hat an einem Feldweg folgendes Sprüchlein mit Erfolg anbringen lassen:

„Das hier ist Korn, Du Ochsenhorn!

Die Menschen wollen es genießen, Drum tritt es nicht mit Füßen!"

Das Presbyterium der evangelischen Gemeinde in Schlüchtern hat zu unserer Freude am 1. Pfingsttag beschlossen, die sogenannte Feiertagsglocke im östl. Klosterturm allabendlich sprechen zu lassen. Seit dem Pfingstmontag dieses 2. Kriegsjahres ruft sie die Gemeinde zur Fürbitte auf, wenn die Dämmerung naht. Sie soll in dieser leidzerwühlten Zeit eine

Mahnerin sein: Denk an die Geliebten in der Fer­ne ! Er setzt sein Herzblut für dich ein, so sollst du deinen ganzen Glaubensmut für ihn einsetzen. Wenn er sich im Kanonengebrüll, in Schmerzen und Tod nicht den Gedanken an Heimat und Herd neh­men läßt, so soll die Hast und die Last der Heimats- pflichten auch nicht das fürbittende Gedenken an die Teuren draußen verschütten. Die Betglocke ruft allen und jedem zu: „Bete für Kaiser und Heer! Bete für die Einsamen, Versprengten, Gefangenen, auch für die Witwen und die an Gottes Liebe und Gerechtigkeit Verzweifelnden, für alle, die täglich für uns sterben müssen!" Möge der Betglocke hal­lender Ruf nicht vergeblich erklingen! So taten unsere Altvorderen in den Zeiten großer Not. So wollen wir auch tun; denn es ist wieder solche Zeit da. Und wenn wir den Frieden erleben, soll sie Weitererklingen zum Gedächtnis dieser Zeit, da wir alle Gott brauchten so nötig wie das Stücklein Brot. Und dann soll sie aufrufen zum Dank für jeden Friedenstag. Laßt uns auch die Kinder lehren, die Hände zu falten! Gott aber gebe, daß der Bet- glockenklang mehr sei in aller Zeit als eine bloß äußerliche Sitte!

Von Herrn Lehrer Hans Göricke geht uns von Verdun folgender Feldgruß zu:

„Unsere Heimat!" — Ich nehme dich zur Hand, Und mich durchrieselt kindlich frommer Schauer. — Ein Blatt ist's nur, und schlicht ist sein Gewand — „Gott grüße dich, du graue Klostermauer!"

Bin zwar kein Sohn des trauten Kinzigtales, Doch hab' als „Spatz" ich manchen Flug gemacht Durch deine Fluren, lieb mir über alles

Und habe flügge dann — mich aus dem Nest gewagt. Nun kommt dein Gruß hier an den Ort des Ringens, Das dir und deinem heil'gen Tempel gilt; — Wir zeigen stark die Kraft dir des Vollbringens, Durch deinen Gruß zu Kampf und Sieg gewillt. Und wenn wir dann nach blutig-heißen Tagen In deinen lieben Arm uns innig schmiegen, Dann sollst du freundlich: „Kinder, ruht euch!" sagen Wir wollen glücklich, still an deinem Herzen liegen.

Ihm und allen lieben Heimatfernen Herzensoank und Heimatgruß! Flg.

Heimat

(Im Felde geschrieben.)

Ich sehe Kinder in der Sonne spielen, Stolzkühne Burgen bau’n sie in den Sand. Es dehnen sich im Sonnenlicht die Glieder.

Mit frohem Jauchzen —

Hier ist Kinderland.

Ich sehe Frauen mit versehnten Mienen, An weißen Linnen näht die ems'ge Hand. Ein heilig Hoffen liegt in ihren Zügen.

Tritt leise, leise —

Hier ist Mutterland.

Ich sehe heimatfern aus Grenzwacht stehen, Viel tausend Streiter, am Gewehr die Hand. Treu wachen sie und träumen von den Lieben, Daheim, daheim —

O, hier ist Heimwehland.

Ich sehe Greise vor den Toren harren, Sie schassen still in Wind und Sonnenbrand, Doch alle haben nur das eine Sehnen: Herr!

Sieg und Frieden unserm Vaterland!

Hofgeismar. Heinrich Pairan.