Seite 62 r^^^^^i^^^^^^^ Unsere Heimat -^^L^^^^-^^^Qs^sr^ Nr. 7/8
Namen nach sonnten, und deren sieggekrönte Namen nun in aller Munde sind? Hat Er es uns nicht an den Leiden Ostpreußens gezeigt, was unsres Landes Schicksal gewesen wäre, wenn die feindlichen Heere unsre Städte und Dörfer, unsre Felder und Fluren überschwemmt hätten, und hebt sich nun von diesem dunklen Hintergrund Seine Hülfe nicht um so strahlender und offenkundiger ab, die Hülse, der wir es verdanken, daß das deutsche Reich, von jener Märtyrerprovinz und von einem Grenzstreifen im Westen abgesehen, von den Schrecken des Krieges bewahrt geblieben ist? So läßt Er nun auch Seine Sonne scheinen über unsren Feldern und Wiesen, über oem Korn, das zur Ernte heranreift, über dem Heu, Das seiner Einfahrt in die Scheunen harrt. Die Pläne und Absichten unsrer Feinde sind schlecht und niederträchtig : sie wollen ein ganzes Volk aushungern und durch Aushungerung zu einem schmachvollen Frieden zwingen. Unsres Gottes Gedanken über unsrem Volk aber sind auch im Leid Gedanken des Friedens. Die reich gesegneten Felder Deutschlands sind die Antwort Gottes auf das teuflische Vorhaben unsrer Feinde: „Beschließet einen Rat, und es werde nichts daraus!" Mit Gottes Hülfe werden auch die wenigen Wochen der Entbehrung und des Mangels, die uns noch von der Ernte trennen, von unsrem Volk ertragen werden. Wir haben einen Gott, der auch das Wenige zu segnen vermag, wie Er es einst bei der Speisung der 5000 durch Jesu Hände herrlich bewiesen hat. Ihr dürft ohne Sorge, vielmehr mit einem Gefühl der Dankbarkeit gegen Gott auch an eure Lieben in der Heimat, an Weib und Kind, an Vater und Mutter denken: Gott gibt auch ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, richtet auf, die niedergeschlagen sind, behütet die Waisen und Witwen und ist nahe allen, die Ihn anrufen, allen, die Ihn mit Ernst anrufen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Im Aufblick zu diesem Gott, in oer Erfahrung seiner Hilfe finden auch wir uns zusammen, Grußschreiber und Grußempfänger, sind uns nicht mehr fremd und fern, sondern geliebte Kinder eines geliebten Vaters, die über Berg und Tal, über Schützengraben und Schanzwerk hinüber sich die Hand reichen und sichs in die Hand versprechen: wir wollen ihm danken in der großen Gemeinde, und unter viel Volks wollen wir Ihn rühmen!
Was uns verbindet, liebe Leser im feldgrauen Rock, das ist zuletzt noch eine gemeinsame H o f f- nung. Um der Treue und Barmherzigkeit Gottes willen hoffen wir, daß unsrer gerechten Sache und Euren Waffen, die für diese Sache kämpfen, der letzte entscheidende Sieg geschenkt werden wird. Und ob es länger währt, bis der Tag des vollen Sieges anbricht, als wir im Anfang meinten, ob immer neue Opfer von unsrem Volk gefordert und neue Kämpfe und Mühen Euch verordnet werden, wir hören nicht auf zu hoffen, daß der Gott, der unser Bitten, Euer Streiten bisher mit Seinem Segen gekrönt hat, das Werk auch vollenden und herrlich hinausführen wird. Sorgen wir nur dafür, daß wir des Sieges, den Gott uns schenken will, nicht unwert erfunden werden und daß wir die große Hoffnung in einem seinen, reinen, guten Herzen bewahren und in reinen Händen tragen bis zu oer Stunde der Erfüllung ! Haben wir in Gottes Na - men den Fehdehandschuh, den uns die Feinde zu-
warfen, ausgenommen, so wollen wir auch in Gottes Namen mit reinem Herzen und mit guten Gewissen als Streiter unsres himmlischen Königs Jesus Christus ohne Haß und ohne Heuchelei den letzten Schwertstreich tun. Ob hinter der Front in Warten und Harren, ob im Angesicht des Feindes in Sturm und Abwehr: unser Leib soll dem Vaterland gehören, unsre Seele soll Gott befohlen sein. Sich selbst, d. h. die eigenen Leidenschaften, Lüste, Begierden und Neigungen bekämpfen, ist der schwerste Krieg; sich selbst besiegen, ist der schönste Sieg. Möchten wir durch solchen Sieg immer tüchtiger werden für den Sieg, der über die Uebermacht und Ver- nichtungswut unsrer Feinde davongetragen weroen soll! — Durch Kampf zum Sieg, und durch Sieg zum Frieden! Wir hoffen auf einen Frieden, der der großen, schweren Opfer wert, unsren Kindern und Kindeskindern die Sicherheit ihres Landes und die Freiheit ihres Handelns verbürgt. Noch wissen wir nicht, wenn dieser Friede kommen wird. Dem Gott des Friedens aber wollen und dürfen wir es zu trauen, daß Er uns zur rechten Zeit ihn geben wird und daß Er unsre Tapfren und Getreuen keine Stunde länger im Feuer des Krieges aus- harren läßt, als es zu ihrer Bewährung und zum Heil unsres Volks notwendig ist. Der Friede wird einmal kommen als ein Geschenk unsres Gottes, und der Lärm der Waffen wird einmal verstummen, und wie viele von Euch Gott bewahren und erretten wird, ihr werdet heimkehren in ein Land, das Ihr mit Eurem Leib und Leben verteidigt hab't, und zu einem Volk, das Euer mit Sehnsucht wartet und Euch mit Segenswünschen auf den Lippen und im Herzen grüßt. — Durch Friedensschluß zur Friedensarbeit! Auch das ist unsre gemeinsame Hoffnung, daß wir im Frieden werden mitarbeiten dürfen an dem Neubau unsres Vaterlands, her aus den Trümmern einer alt gewordenen und vergangenen Welt unseligen Parteihaders und verwüstender Verhetzung und schnöden Mammonsdienstes sich erheben soll, daß wir bauen und schauen sollen ein Land, in dem Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Weil wir auf unsren Herrgott vertrauen und weil wir unser Vaterland lieben, in heißer und heiliger Notzeit es neu- und liebgewonnen haben, darum erglüht unser Herz in einer Hoffnung, die sich oes Besten für unser Volk und Land versieht. Daß oiese Hoffnung Euch stark und tüchtig machen möchte, aus zuharren, durchzuhalten bis zum guten Ende, das ist mein herzlicher Wunsch für Euch! Wir grüßen und segnen Euch, die Ihr Eurem Gott, Eurem Kaiser, Eurem Volk, Eurer Heimat, Eurem Herd die Treue haltet, und befehlen Euch jetzt und zuletzt, im Leben und im Sterben, in Zeit und Ewigkeit der Treue Eures Gottes!
Gott ist und bleibt getreu. Laß alle Wetter krachen, Gott wird der Trübsal doch Ein solches Ende machen, Daß alles Kreuz und Leid Dir ewig nützlich sei.
So liebt der Höchste Dich: Gott ist und bleibt getreu !
Cassel. Fuchs, Eeneralsuperintendent.