Nr. 7/8 ^ß^ß^ßßßßßßß^ß^ßßß^ß^ßs? Unsere Heimat ^ßtfß^^ß^ß^/^ß^ßßßßß^ß^ Seite 61
Jn Not und freil und Hoffnung fest verbunden!
er Herausgeber dieses Blattes hat mich aufgefordert, den Lesern, die draußen im Felde stehen, einen Gruß zu senden. Von Herzen gern habe ich zugesagt. Denn unter den Lesern sind ja viele Glieder der Gemeinden, die meiner Fürsorge und Fürbitte anbefohlen sind. Freilich: ein eigen Ding ist es immer, an Menschen einen Gruß zu senden, die man von Angesicht nicht kennt, und nun gar an Euch, Ihr lieben Feldgrauen, die ihr vor dem Feinde steht und die Schrecken des Krieges an Leib und Seele empfindet, während unsereiner weit vom Schuß und fern von der Gefahr — dank Eurer Treue und Ausdauer! — an feinem Schreibtisch sitzt, und durch das offene Fenster die Sonnenstrahlen eines leuchtenden und wärmenden Sommertags ihn anlachen und die Stimmen spielender Kinder von der Straße her ihn grüßen, wie wenn es tiefster, reinster Friede wäre. Da besinnt man sich denn als Grußschreiber, ob nicht doch etwas vorhanden ist, was einem gemeinsam ist mit denen, die in hartem Streite stehen oder die verwundet im Lazarett liegen, und was einem ein Recht gibt, auch über Berg und Tal hinweg den Fernen und Fremden und zur Erfüllung der ernstesten und schwersten Pflichten Berufenen ein Wort des Grußes und der Ermunterung zu sagen. Was uns verbindet, ist, wie ich denke, ein dreifaches: eine gemeinsame Not, eine gemeinsam erfahrene Hülfe und eine gemeinsame Hoffnung.
An die gemeinsame Not will ich Euch zuerst erinnern. Es ist die gemeinsame Not des Vaterlands, das von einer haßerfüllten Welt von Feinden umbrandet, von Trauer und Tränen über seine gefallenen Helden durchtränkt, von aller Zufuhr aus fremden Ländern, die uns sonst mit allerlei Gütern versorgten, abgeschnitten ist. Es mag auch in dieser ernsten, schweren Zeit noch Leute in unsrem Land geben, die, weil sie selbst von den Leiden des Krieges nicht unmittelbar betroffen werden, kein Opfer des Krieges in ihrer Familie zu Beilagen haben, aus der wirtschaftlichen Lage des Vaterlandes vielleicht gar Nutzen und Gewinn ziehen, noch fröhlich und guter Dinge sind und die große Not der Zeit sich nicht zu Herzen gehen lassen. Sie haben ihren Lohn dahin, aber des Segens gehen sie verlustig. Denn Notzeiten sind Segenszeiten, aber freilich nur für die, die von der Not sich innerlich anfassen und aus der ruhigen Sicherheit und trägen Gemächlichkeit der Seele sich aufrütteln lassen. So Habens denn auch Tausende unsrer Soldaten bekannt und nicht bloß ihren Pfarrern, sondern auch ihren Eltern, Frauen und Freunden nach Hause geschrieben: wir haben in der Not wieder beten gelernt. Das ist, wie ich meine, schon ein rechter Segen, wenn ein Mensch, der sich bis dahin herzlich wenig um seinen Gott und Schöpfer gekümmert hat, einmal wieder einen schüch- ternen Versuch macht und an die Himmelspforte an= klopft, ob sie sich wohl ein wenig auftun und durch den Spalt ein Lichtstrahl hinaus ins Dunkel dringen oder am Ende gar eine Hand sich hinausstrecken möchte, die Hand des Vaters, dem das wieder - kehrende Kind allemal willkommen ist. Wenn jemand solch ein Gebet ein „Angstprodukt" schilt und meint, auf ein derartiges Angstprodukt gebe er nichts, und sich mit dieser Ansicht wunder wie we'se
dünkt, so setzen wir seiner Weisheit die Weisheit entgegen, die die Geschichte uns tausendfach lehrt, daß das Größte in der Welt aus der Not geboren worden ist; so muß denn doch wohl die Not von einem, der es wissen muß, verordnet und bestimmt sein zu einem Mittel, die Menschen zu segnen; und ich wüßte nichts, was den Menschen mehr segnen könnte, als das Suchen und Finden des lebendigen Gottes. Item: wolltet ihrs vermissen, oder ists Euch nicht ein kräftiger Trost und ein starker Schutz, zu wissen, daß jetzt Hunderttausende in unsrem Volk allmorgentlich und allabendlich und in den Betstunden in eurem heimatlichen Kirchlein die Hände und die Herzen in herzlicher Fürbitte für Euch zum Thron des allmächtigen und barmherzigen Gottes emporheben? Die gemeinsame Not hats uns angetan, sodaß wir nicht mehr bloß unsre eigenen Angelegenheiten, sondern alles, was unser Volk und Vaterland, was unsre Volksgenossen daheim und unsre kämpfenden Brüder draußen bedrückt und bekümmert, in das Herz unsres Gottes ausschütten. Die gemeinsame Not hat uns zusammengeschmiedet zu einem einigen Volk, das erfüllt ist von Bert einen Willen, zu kämpfen und zu siegen und Gut und Blut zu opfern für des Vaterlandes Freiheit und Zukunft. Ihr da draußen und wir daheim, ob wir uns auch nicht kennen von Angesicht zu Angesicht, wir wissen, daß wir zusammengehören, in heiliger Notzeit uns zusammen gefunden haben, und nun einer für den anderen einstehen mit Rat und Tat, mit Arbeiten und Kämpfen, mit der Waffe des Gebets und mit der Waffe von Stahl und Eisen, und daß wir als Glieder eines Leibes mit einander leiden, damit wir auch dereinst uns mit einander freuen, und daß wir als Kinder eines Vater- und Mutterlandes uns recht von Herzen grüßen dürfen!
Von gemeinsam erfahrener Hülfe laßt mich Euch zum zweiten sagen Solange wir leben, soll es Euch unvergessen bleiben, was ihr in hartem Ringen und stillem Ausharren für uns getan und gelitten habt. Aber nicht wahr? wenn wir uns auf eine Hülfe besinnen, die nicht bloß wir in der Heimat, sondern die wir mit Euch gemeinsam erfahren haben, dann steht vor unsrer Seele auf der Gott, oer der rechte Helfer im Streit ist. „Unsre Hülfe kommt von dem Herrn, der Himmel, und Erde gemacht hat". Noch niemals in seiner tausendjährigen Geschichte hat unser Volk einen Krieg geführt, in dem es so völlig auf die Hülfe Gottes angewiesen war als in dem gegenwärtigen Krieg. Schaltet den lebenoigen Gott aus diesem Streit der Deutschen, dann gibt es nur eine Rechnung, die Rechnung unsrer Feinde: „wir haben mehr Leute, mehr Geld, mehr Waffen, mehr Hülfs- und Nahrungsmittel als ihr, und oa- rum müssen wir siegen". Sie haben gerechnet und sie haben sich verrechnet, und sie sollen sich, wie wir von Gottes Barmherzigkeit es erbitten, bis zum Ende verrechnen. Hat Gott uns nicht wunderbar geholfen bis zu dieser Stunde? Hat Er nicht Arm und Herz und Nerven unsrer Soldaten mit einer Widerstands- und Siegeskraft ausgerüstet, über die sie selbst und wir mit ihnen erstaunt sind? Hat Er uns nicht Heerführer, mächtig von Rat und Tat, geschenkt, die vordem die wenigsten auch nur dem