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Seite 46 ^^^^^^^^^^«SttS Unsere ksLimat QS-^^^C^C^)I^>C^C^C^C^I^) Nr. 5/6

Wort kurz, traurig, gebrochen. Das Atmen ist Seuf­zen, die Augen sind Angst und Ergebenheit, stumpfes Brüten und Sinnen. Das Gokteswort ist gestorben. Die Kirchen sind zerschossen, die Heiligtümer sind ent­weiht, Gottes Trost ist aus dem Lande gezogen. In den Ruinen nistet Grauen, Entsetzen, Hoffnungs­losigkeit. Dort sitzen, liegen oder stehen lehmgraue Männer in den Schützengräben und sind froh um Brot und Speck, oder wenn es um Mitternacht, falls die Feldküchen vorfahren können, einen Schluck heißen Kaffe, eine warme Suppe gibt. O wie still sind die Wünsche da draußen geworden! Da liegen sie auf bloßem Boden, in Mantel und Zeltbahn ge­hüllt oder aus sticheligem Stroh in lichtlosen Höhlen, in Kleidern, an denen der Lehm vieler Wochen klebt, in Stiefeln, die hart und brüchig an brennenden Fü­ßen schlenkern. Da hat man Granatfeuer, Flieger­bomben, Querschläger, Fliegerpfeile, Minen, Gewehr- granaten, Bajonettkämpfe, ständige, stündliche Ge­fahr. Und ein leises Lauern, Liegen und Warten, bis sie einem auch noch das Letzte und Liebste nehmen, das arme, liebe Leben. Von dort her kommen sie heim: Blinde, Lahme, Krüppel, Sieche, Todwunde, dem lachenden Leben für immer verloren. Und schä­tzen es noch als unnennbares Glück, die Heimat noch einmal schauen zu dürfen und nicht in welscher Erde modern zu müssen." Und wie ist's daheim? Auch das zeichnet er mit ergreifenden Worten, die in einer erschütternden Klage ausklingen, weil das Erste, was sich ihm bei der Heimkehr aus Not und Tod aufdrängte, das Kaffehaustreiben der Groß­stadt gewesen, wo er zu seinem Entsetzen Menschen fand, die es für ein Opfer hielten, daß sie einmal Fastnacht nicht tanzten. Und wie ists bei uns daheim? Ich glaube nicht, daß ein zurückkehrender Kämpfer Grund zu einer solchen Klage finden würde. Freilich grundverschieden ist auch das Bild unseres Heimatfriedens von dem, das sichdraußen" bietet. Aber als eine große Wohltat des Ewigen, wie das Streicheln einer Mutterhand über eine fie­berheiße, schmerzende Stirn wird empfunden, was Gottes Barmherzigkeit durch den jungen Lenz und den bewehrten Wall an des Landes Grenzen in der deutschen Heimat beschert. Da liegt die liebe Heimat wieder im Grünen, in Frühlingsschmuck eingehüllt wie ein gutes Mütterchen in die Liebe treuer Kinoer. Vom blauen Himmel lacht wohlig wärmend die Sonne; prächtige, vielversprechende Saatfelder brei­ten sich! so schön, wie wir sie noch nie gesehen, im Tal und an den Hängen. Alles, was nur die Hände regen kann, ist in den Gärten, auf den Feldern beim Pflügen, Graben, Säen. Ein paar ganz jugend­liche Blumensucher sitzen am Rain und singen fröh­lich:Alle Vögel sind schon da!" Sie wissen und fassen noch nichts von dem ungeheueren Geschehen um sie, das auch auf ihr Leben bis in die spätesten Tage einwirken wird. Sie sonnen sich im Heimat­frieden wie die Vöglein im Busch, die sich auch zeitweise freuen dürfen sonder Sorge um Speise und Gefressenwerden. Blühend Baum und Strauch, jun­ges Leben selbst auf den Basaltblöcken. Frischgrüne Wälder grüßen in der Runde, Steckelburg und Brandenstein winken herüber, kurz: Es ist so schön wie es kein Dichter erdenken und kein Maler malen kann. Ein Friedensbild mitten in dem schrecklich­sten Krieg, den die Erde je gesehen und der auch auf unserer Heimat lastet, auf jedem Tag, auf jedem Herzen. . . Und dürfen wir uns denn freuen über

die Lenzgaben des Ewigen und den Heimatfriesen angesichts der Kluft, die zwischen demDaheim" und demDraußen" klafft? Am Sonntag Judica wurde auf der Kanzel der evangelischen Kirche in Schlächtern ein Wort geprägt, das steht für jeoen Denkenden und Fühlenden, der's gehört, seitdem auch über allem Geborgensein im Heimatsrieden. Es lautet:Wir leben alle durch vergossenes Blut!" Soviel Freude in und mit dem Worte in die Seele dringt, dürfen wir einlässen. Wenn Blut fließt, steht der Todesernst mit seiner ganzen Gewalt da und er kann, darf und soll nicht übersehen und bei­seite geschoben werden. Von keinem, der deutsch spricht und sich damit als ein Kind der Mutter aus- weist, für die das Blut fließt, das Blut der Brüder. Unserem Geschlecht ist das Los zugefallen es ist nur zu ertragen, weil Gott es geworfen auszu- kosten bis auf die Neige, was sich hinter dem Worte Mar v. Schenkendorfs verbirgt:Nur Eisen kann uns retten, und erlösen kann uns Blut". Wir hätten es nimmer geglaubt; doch - nun ist es so. Wir erleben es, was ein anderer als unumstößliche Wahrheit weitergab:Das macht vor allem die Erde zum Jammertale, daß alles Große nur mit Blut erworben und wieder mit Blut behauptet wird". Auch der Kinderjubel auf der Straße ist erkauft durch die Entbehrungen und bitteren Mühen der Starken unseres Volks, der Heimatfriede die Frucht der Qualen von Hunderttausenden. Nicht nur der Kanonendonner von Verdun bahnt sich einen Weg bis zu den Bergen Hessens und zwingt stumm Lau­schende zu heißem Flehen für die kämpfenden Brüder, nein, das vergossene Blut rings an den Gren­zen der Heimat erhebt auch seine Stimme, die nie­mals verstummen soll und wird. Sie schreit zum Himmel; aber sie hat auch der Heimat, die durch es lebt, viel zu sagen.Darf ich nicht endlich Über­drücken", so fragt es,was im Frieden die trennt, die jetzt Schulter an Schulter für eine Heimat ringen? Laßt mich helfen, die Klassengegensätze mindern und die soziale Frage lösen!" Die Macht­haber, die Besitzenden, die Gebildeten müssen im Hö­ren auf diese Stimme mit gutem Beispiel voran - gehen. An ihnen liegt es zumeist, denkleinen Mann" zu stützen und zu fördern, wenn er wanken will. Und dem kleinen Mann ruft es zu, daß nicht alle befehlen undreich sein" können. Aber das, was das Leben an wirklichen Werten bietet, soll jeder besitzen: Arbeit, Ruhe, Feierabende, Freude. Und Gott auch-; denn ohne ihn ist der Mensch nur ein besser ausgerüstetes Tier, auch wenn er in Gold, Wohlleben und Wissen schwimmt. Was wären die Hunderttausende ohne Hindenburg? Was wäre Hindenburg ohne die Männer, denen er so herz­erquickend dankt? Ach, daß unser Volk auch die Sprache des vergossenen Blutes hörte und danach handelte in Zukunft! Das Bild des Blutmeeres, aus dem die Sonne des Friedens aufsteigen wird, soll unserem Volke vor Augen stehen, wenn sich die Verderbensmächte des Bruderzwistes, der Partei­sucht, der Mammonsgier, der Menschen- und Welt- vergötterung mit ihrem Gift ihm nahen. Ach, daß wir den kommenden Geschlechtern etwas überliefern könnten von dem, was es kostet an Herzweh, Seelen- und Leibesnot, daß sie leben auf deutschem Boden, in deutscher Geistesluft! Wer die Inschrift am Reichstagsgebäude liest:Dem deutschen Volke!", der sollte in Zukunft in Gedanken dazusetzen:wel-