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nehmes Wesen sticht oft durch Einfachheit wohltuend ab von der Massenmode, die nach Pfauenart Samstag und Sonntag ihr Rad schlägt. Und wie manchesmal steht auch hier auf der neuesten Toilette geschrieben : „Unbezahlt!" oder: „Außen flimmerte, innen wimmerte". Wie jämmerlich, wo der Schein über das Sein Herr geworden ist und man es fertig bringt, mit Federhut und — löchrigen Strümpfen einherzustolzieren oder die Abendgesellschaft blutenden Geldbeutels mit Leckerbissen zu bewirten unb dann selber 4 Wochen dafür krumm zu liegen!
Auch auf diesem Gebiete der Erziehung zur Einfachheit ist das Vorbild des Haus es überaus bedeutungsvoll. Liefert das Haus Papageien und Affen, dann kann die Schule unmöglich Menschen daraus machen. Durch Unterricht kann hier nicht viel geschehen, aber man kann das Kind gewöhnen an Einfachheit, wie man es an Fleiß, Ordnung und Aufmerksamkeit gewöhnen kann. Es ist das besser für die Kinder, und für die Eltern ist's — billiger. Außerdem können keine Kanten, Spitzen und Borden beschädigt werden, wo keine sind — und nachweisbar stachelt das Protzentum die Gier der Begehrlichen.
Wir glauben heute, vieles, was der Tag uns bietet, nimmer entbehren zu können, und erst grausige Volksnot, vor der uns Gott bewahren möge, könnte es lehren, wie sehr viel weniger der Mensch braucht, wenn er verzichten muß. Im furchtbaren 30jäh- rigen Kriege, als unsere Altvorderen hier monatelang sich wie gehetztes Wild in den Wäldern verbergen mußten und das Notwendigste ein Raub der Flammen und Feinde geworden, war ein Säcklein Roggenkleie kostbarster Besitz, und eine Hanovoll Beeren mußte genügen, den ordinärsten Hunger — nicht nur den „Fünfuhrappetit" — zu stillen. Man war fast bedürfnislos gemacht worden. Sind solche Zeiten wirklich auf Nimmerwiedersehen dahin? Wirklich? Oder bedarf^ vielleicht nur eines Ruckes des Weltgeschehens nach der „andern" Seite hin, und wir sitzen alle in der Schule der Not?
Wir fühlen nicht mehr die Fülle des uns umgebenden Luxus. Wir „treiben alle Luxus", so sonderbar das der sparsamen Hausfrau klingen mag; denn alles, was über das unbedingt Notwendige hinausgeht, mit dem der Mensch auskommen kann, wenn er muß, ist — Luxus. Es wäre töricht, den Luxus in Bausch und Bogen zu verdammen, da ja auch unser Herrgott draußen in seinem großen Garten nicht bloß Kartoffeln und Rüben, sondern auch Rosen und Pfirsiche wachsen läßt — für uns!
Wie soll sich nun der Denkende dem Luxus gegenüber verhalten? Soll er hassen, wo „alles" liebt? Soll er lieben, was Millionen der ärmsten unserer Mitmenschen das Herz mit Bitterkeit erfüllt, was sie die Worte in Haß und Neid tauchen lehrt, weil
sie nicht das Nötigste zum Leben haben? Darf er übetsehen, daß die Beschaffung des Entbehrlichen findigen Köpfen und fleißigen Händen Gelegenheit gibt, tüchtiges Können zu zeigen? Vom Luxus leben Kunst, Wissenschaft, Handel, Industrie — doch ward er auch schon der Totengräber ganzer Völker. Seine Gefährlichkeit liegt vor allem im Zuviel. Was aber ist zuviel? Wo ist die Grenze? Was für den einen etwas Ueberflüssiges, das ist für den andern vielleicht zwingende Notwendigkeit. Doch halt! Ein unverbildeter Sinn, ein ungewässertes Gewissen dürfte auch dieser Frage gegenüber einen seinen „Spürer" haben. Er weiß, ohne daß ihm ein Pri- vatissimum darüber gelesen wird, wie der Luxus als Fäulniszeichen am Weltkörper aussieht und muß, ohne zu verzweifeln, alles, was ihm diese Erde gab, verlieren können. Er fordert diese Generalprobe nie von anderen, aber — für sich muß er dazu bereit sein.
Wohl denen, welche allem Vielhaben und Schwelgen im Uebersluß neidlos zuschauen können. In uns darf das Zuschautragen des Reichtums weder Haß noch Bitterkeit wecken. Das wird uns kinoer- leicht, weil wir wissen, daß ein Milliardär ebenso taschenlos aus dem Leben hinausmarschieren muß wie der, der lebenslang einen Bettelsack getragen. Wenn doch alle begriffen, welche Waffe ihnen mit diesem Verzichtenkönnen in die Hand gegeben! Uns ekelt aber vor dem tollen Tun, das schlemmen kann, wenn Tausende darben, das raffiniert nach Neuem sucht, was den Gaumen kitzelt, während Ungezählte Hunger leiden und in seelischer Not versinken. Wer mag Kirschen im Dezember und Rosen im Januar, wenn er Menschen sieht, die die Sorge um ein Gtüd trocken Brot für ihre Kinder nicht schlafen läßt. Wehe denen, die vor den Augen Hungernder prassen können!
Wir wissen, daß wir diese Schäden nicht mit Polizeiverordnungen an der Wurzel packen können, weil die Wurzeln in den Herzen sitzen. Wir würden auch irre gehen, wenn wir verwerflichen Luxus nur „o b e n" sehen würden. Auch dort findet er sich, wo man den durch harte Tagesarbeit erworbenen Lohn leichtsinnig verlebt und nicht vorsorgt. Zum Helfen sind die reichen Leute in der Welt und' oie armen — auch. Kennt ihr das Wort des lachenden Philosophen von der Einfachheit? „Die größte Tugend der Alten und eine der Hauptquellen des Frohsinns ist die Einfachheit. Alle, die ein hohes Alter erreichten, waren Leute von einfachen Sitten!" Vielleicht lockt das; denn lange leben wollen ja doch alle. Und noch eins, ganz leise gesagt: Herz, wirf die Sorgen weg, was auch für Schatten dort winken oder dich' schon überfielen. Der Vater lebt ja noch und draußen blühen nun bald, ein Gruß von ihm an
Flg.
dich., die Rosen! Grüß dich Gott!
was gibfs Neues daheim?
f ranz Schrönghammer-Heimdal hat in dem Her- derschen Buchverlag zu Freiburg i. B. ein Büchlein erscheinen lassen, das in jedem deutschen Hause Einkehr halten müßte. Es ist betitelt: „Kriegssaat und Friedensernte", für 1,20 Mark zu haben und eine Schrift, die man immer wieder lesen kann. In einem der Aufsätze zeichnet der Verfasser,
der als Kämpfer draußen gewesen ist, mit schnellen, scharfen Strichen folgendes Bild von der Front: „Da ist ein ewiges Krachen, ein ewiger Unfriede, Lärm, Tumult, Schreien. Die wenigen Menschen, die noch in Dörfern und Städten sind, huschen wie Schatten an den Häusern hin. Dße Häuser sind Ruinen — wie die Menschen. Wo zwei beisammenstehen, ist oas