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Seite 44 c^c^c^^c^c^^c^c^c^c^c^ Unsere

Heimat ^^^^^r^^ß^^s^c^c^ Nr. 5/6

holen, was sie im April versäumt hat; unter ihren belebenden Strahlen grünt und blüht es nun an allen Enden, auf Wiesen und Feldern, auf Bäumen und Sträuchern, und die vielen goldgelben Raps- felder, welche der Landschaft ein malerisches Aus­sehen verleihen, strömen einen gar lieblichen Duft aus, und alles verheißt ein gutes Jahr. Wir wissen allerdings, daß zwischen Blüte und Frucht noch ein weiter Weg ist, daß auf die Aussaat nicht sofort die Ernte folgt und das Kräutchen „Geduld" noch manchesmal vonnöten sein wird, bis wir den Fleiß unsrer Hände vor Augen schauen und einernten dür­fen.

Solcherlei Gedanken kamen mir auch in den Sinn, als ich vor einiger Zeit die kleine Schar frischer ABC- Schützen gewahrte, die, von der Mutter Hand ge­führt, ihren ersten so wichtigen Gang nach der Schule antraten. Wieviele Hoffnungen knüpfen sich daran und wie gar manche bleiben unerfüllt! Und wieviel Geduld ist auch hier oftmals erforderlich, bis der kleine Wildfang an das ruhige Sitzen auf der Schul­bank gewöhnt ist, oder bis es ihm gelungen ist, eine Seite der Schiefertafel mit den widerspenstigen Buch­staben oder Zahlenreihen zu bedecken! — Und noch an etwas anderes mußte ich damals denken. Wie gar mancher Vater würde wohl an dem Tage so herzensgern zu Hause weilen und seinem Kinde nach- schauen, oder sich von dem kleinen Plappermäulchen dessen ersten Schulerlebnisse berichten lassen, wenn es glückstrahlend, vielleicht mit einer großen Zucker- düte bewaffnet, wieder na^ Hause zurüKommt — aber er konnte seines Lieblings nur in weiter Ferne gedenken und dabei verstohlen wohl auch eine Träne trocknen, die ihm bei solchem Gedenken ins Auge kommen wollte. — Und wars nicht ganz ebenso bei manchem andern, am Sonntage vor Ostern, dem Palmsonntag, an dem die Scharen unsrer jungen Konfirmanden zur Kirche geführt wurden, um daselbst eingesegnet zu werden? Auch bei dieser Gelegen­heit wieder mußte in so manchem Hause die Mutter diesesmal allein mit dem Sohne oder der Tochter zum Gottesdienst und zum heil. Abendmahle gehen,

weil der Vater in weiter Ferne im Feindesland stand und die Seinen nur im Geiste begleiten konnte. Ueberall dasselbe — Leid!

Aber wir wollen doch kein Klagelied anstimmen, dazu haben wir ja auch Gottlob — bei allem Ernst der Zeit — doch keine Veranlassung. Mag auch manches knapp geworden sein und mancherlei ent­behrt werden, was uns früher unentbehrlich zum Leben dünkte; mögen auch die frischen, fröhlichen Mailieder diesesmal nicht so erschallen wie in an­deren Jahren und manches Herz „mit Sorgen zu Hause bleiben" : wenn wir hinaussehen in unsre herr­liche Heimatflur und erblicken daselbst die bunten Wiesen und grünen Wälder, die blühenden Obst­bäume oder den prächtigen Stand der Saaten, alles im neuen Frühlingsschmuck: wollen wir da nicht in Vorahnung künftiger Herrlichkeit dankbar die Hände falten und mit dem Psalmisten bekennen: „Du be­reitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde!" —

Freilich mag die lange Dauer des gewaltigen Krieges, das ständige Verweilen in den engen Schützengräben und dumpfen Unterständen manchen Feldgrauen zermürben und kriegsmüde machen — wir können es keinem verdenken, wenn er schwer da­runter leidet —; aber wir haben die feste Zuver - sicht und wissen es auch aus dem Munde manches Urlaubers: die Liebe zur Heimat, zu allem, was Euch ans Herz gewachsen ist, stählt den Mut, ver­leiht Ausdauer und hilft auch die größten Gefahren, Anstrengungen und Entbehrungen überwinden. — Wir daheim aber können und müssen insofern mit- helfen bei dem furchtbaren Völkerringen, daß wir willig jedes erforderliche Opfer bringen zum Wohle des Vaterlandes, und vor allem nicht vergessen beim Schalle der Betglocke zu tun „Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung" zu dem Gott, der da überschweng­lich tun kann über alles, das wir bitten. Er gebe, daß es bald in Erfüllung gehe, was ihr so oft schon gesungen habt: „In der Heimat, in der Hei­mat, da gibt's ein Wiedersehen!" —

Mottgers. Ehringhaus, Pfr.

FjeckenwMenr , ,

ie Rosenzeit naht! Das Jahr auf der Höhe! Da führt die Königin der Blumen das Regi­ment im Reiche der Blüten und prangt in viel­farbiger Pracht in der Schar der Frühlingskinder. Doch trifft's auch bei ihr zu, daß Geringes oie Wiege des Großen ist; denn all' der stolzen Schönen Stammutter ist's Heckenröslein, obgleich die sorgsam gepflegten und bedienten Emporkömmlinge in Edel­manns Garten von der „armseligen Verwandtschaft" draußen am Dorfweg, welche gar noch gefiederten Straßenmusikanten Unterschlupf gewährt und gar jenem leichtsinnigen Völklein zuliebe vorüberstreifen­den Schafen WollflöKein abzwackt, nichts wissen wollen. Und doch kann keine der Veredelten sich mit den Wildlingen in der Heckenheimat messen. Man muß nur ein Auge und eine Nase dafür haben. Wildrösleins unaufdringlicher Duft ist und bleibt doch der lieblichste. Ja, neulich soll sogar in einem seinen Töchterpensionat auf die Frage, welches wohl die schönste der Rosen sei, schüchtern und schämig die Antwort: „Heckenröslein!" gefallen sein. Die

„Majorität" lachte ob solcher Rückständigkeit, und ich weiß nicht, ob's der Lehrerin gelungen, die Lacher zu überzeugen, daß die Freundin der Verachteten im Recht gewesen. Der „Minorität" waren eben schon die Augen geöffnet für die stille Schönheit des Na­türlichen und Einfachen, daher ihr Widerspruch an­gesichts der Modemeinung.

Die Erziehung zur Einfachheit und Achtung vor Geringem ist übrigens heute ein ziemlich schwierig Kapitel, weil das Einfache von den meisten Menschen gern übersehen zu werden pflegt. Schlichtheit gilt vielfach als altväterlich und „überlebt", vom Mooe- magazin angefangen bis zur — neuen Kirche. So­gar die Taufkleidchen und Särge, das erste und letzte „Drum und Dran", stehen oft zur Einfachheit in schreiendem Widerspruch. Und mit der äußeren Ein­fachheit hat auch die im Fühlen, Denken und Wollen abgenommen. In wie vielen Familien ist das Ge­diegene ersetzt worden durch törichtes Prunken und glänzende Hohlheit! Manches Dienstmädchen ist heute der Herrschaft über im Putz, und wirklich vor-