Nr. 3/4 ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ Unsere
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des deutschen Bundes, der damals, seine patriotische Blöße zu decken, an seinem Palais in der großen Eschenheimergasse die schwarzrotgoldene Fahne her- ausgesteckt hatte. Noch mehr Grund hatte oer Frankfurter, stolz auf seine Vaterstadt zu sein, da sie ja die Geburtsstadt des größten Dichters und universellsten Geistes deutscher Nation war. Man mußte damals ein wohlhabender Mann sein, um sich das Bürgerrecht zu erkaufen, und eine Ausnahme wurde nur für den gemacht, der eine Frankfurter Bürgerstochter geheiratet hatte. Diesem Partikulargeiste des Mainstädters hat auch der Lokalpoet Stoltze einen naiv-komischen Ausdruck gegeben, indem er sang :
„Es will mer net in de Kopp enei',
Wie kann nur e Mensch net von Frankfort sei'."
Die echten alten Frankfurter ließen damals ihre Köpfe hängen, nachdem die Preußen der Selbständigkeit ihrer Vaterstadt ein Ende gemacht hatten. „Wenn wir preußisch werden," sagte mir damals ein Korpsbruder, der mittlerweile Photograph geworden war, „so wächst das Gras bei uns auf den Straßen".
Lebte mein guter Freund noch, so würde ich einmal mit ihm über die Zeil' und durch die Kaiserstraße gehen und ihn fragen: „Sag' einmal, mein Lieber, wo wächst denn hier das Gras auf den Straßen?"
Damals — im Jahre 1866 — hatte Frankfurt 70—80 000 Einwohner, jetzt zählt es deren nahezu eine halbe Million!
Und was für eine schöne, prächtige und ourch- aus patriotische Stadt ist dieses Frankfurt geworden, deren Reichtum so groß, und dabei doch nicht größer, als ihr Opfermut ist, der sich während des gegenwärtigen Krieges so glänzend bewährt hat.
„Mir ist nicht bange, daß Deutschland nicht eins werde" — hat einmal der größte Sohn dieser Stadt gesagt und man mag bei Eckermann nachlesen, worauf sich Goethes unerschütterliches Vertrauen auf die Einigung der deutschen Staaten und Stämme gründete. Aber etwas konnte er damals bei jener Rechnung nicht anführen: den Krieg.
Der Krieg von 1870 hat dem deutschen Parti- kularismus den Todesstoß gegeben.
Zu Beginn desselben standen vielleicht noch einige Anhängeer der alten Ordnung der Dinge grollend zur Seite. Aber der schöne Enthusiasmus jener krieegerischen Erhebung gegen den alten Erbfeind hat dann alle mit fortgerissen
Ich erinnere mich noch, daß meine Augen am Tage nach der Schlacht von Sedan von meiner Wohnung in der Frankfurter Riedenau ein seltsames Schauspiel aufnahmen: Hunderte von Knaben im Alter von 9—12 Jahren zogen, aus der inneren Stadt kommend, in langem Zuge vorüber, ihre an Stecken befestigten Taschentücher schwenkend, indem sie durch häufiges Hurraschreien ihrer Freude Ausdruck gaben, daß der Kaiser Napoleon gefangen war und daß man ihnen deshalb den Schultag freigegeben hatte. Und dazwischen sangen sie immer wieder die Wacht am Rhein mit einem neuen Refrain:
„Lieb Vaterland, magst ruhig sein,
Wir kommen auch noch hinterdrein".
Wenn man bedenkt, daß jene kleinen Jungen, „die auch noch hintendrein kamen," jetzt dem letzten Aufgebot des Landsturms angehören, so kann einem alten Manne, der jene große Zeit noch miterlebt hat, ganz wunderlich zumute werden.
Ja, es war eine große und schöne Zeit, aber sie erscheint uns fast wie eine Idylle, wenn wir sie mit dem Drama vergleichen, das sich in der Gegenwart abspielt; ein Drama, so groß und gewaltig, wie die Weltgeschichte noch keines gesehen hat. Wie auch die Würfel dieses uns frevelhaft aufgedrungenen Krieges fallen mögen — und wir dürfen hoffen, daß der gerechten Sache auch diesmal der Sieg verbleiben wird — schon in dieser einmütigen Entfaltung unserer nationalen Kräfte liegt ein unverkennbares Anzeichen vor, daß der deutsche Parti- kularismus ein für allemal ein überwundener Standpunkt ist. Und auch die Erkenntnis drängt sich uns in einem so feierlichen Augenblick auf, daß die Liebe zur engern Heimat nur eine der Quellen ist, aus denen die Begeisterung für das große gemeinsame Vaterland fließt.
was uns bleibt!
1. Kor. 13, V. 13.
Wenn Wetter toben und Welten beben, Wenn der Tod spielt mit dem wertvollsten Leben, Wenn Frieden und Glück zerschellen wie Glas, Wenn Helden vergehen wie welkes Gras, Wenn Wissen und Wollen zerstieben in Graus: Der G l a u b e7 hält aus!
Wenn Leid und Lüge laut triumphieren Und blühende Jugend ins Siechtum fühen, Wenn Hunger und Schmerzen die Völker schlagen Und Schrecken ohn' Ende die Menschheit plagen, Wenn der Haß sein höllisches Wesen treibt: Die Liebe bleibt!
Wenn Not und Trauer vor allen Türen
Und alles, was atmet, ins Elend führen, Wenn Herzen verschmachten vor Bangen und Sorgen Und die Seele flieht vor dem Denken an morgen, Wenn das Gestern, das Heute tödlich getroffen, Flammt auf das Hoffen!
Die Drei hat der Himmel mobil gemacht, Als die Hölle den Weltkrieg angefacht;
Sie walten und wirken auf allen Wegen Und heben aus Wunden und Trümmern nach Segen, Sie führen durch Leben und Sterben ins Licht Und verlassen uns nicht! G. Flemmig.