Einzelbild herunterladen
 

Seite 34 ^^^r^^^i^^^i^^ß^ Unsere Heimat ^^^^^^s^i^i^^^^ Nr. 3/4

gangen) und ohnerachtet sich das Wasser teilete, so- daß es zur Hälfte nach der fuldischen Grenze zulief, so nahm die übrige Hälfte jedennoch zwischen Elm und Hütten mit einer erschrecklichen Wut viele Bäume und Felsen weg, verwüstete viele Wiesen und Feloer. Das Dorf Elm war dieser Wut bloßgestellt, Men­schen und Vieh waren ihrem Untergänge nah. Von letzterem mußte vieles ein Raub des Wassers wer­den und wurde mit einigen Gebäuden durch die Wellen.....Vieles sonderheitlich von k.einem Vieh, fand seinen Tod in dem Wasser. Dasjenige, sonderheitlich Del, Wein und anderes Getränke und was sonsten in den Kellern verwahrt, ging bei oiesem fürchterlichen Anbli (so) zu Grunde. Die Tore mit ihren Wachthäusern, samt einigen bürgerlichen Häusern stürzten mit einem entsetzlichen Krachen ein. Die Brücken wurden niedergerissen, die Stege weggespült, unter vielen Häusern die Funda­mente abgetrieben und die in der Krämer- und Wassergasse wohnenden Bürger verloren nebst an­dern Sachen auch insgesamt ihre Treppen. Kurz dieses Unglück, so uns allen den Untergang zu drohen schien, ist kaum zu beschreiben und hat neben dem vorhergegangenen Krieg, der in 1762 h er gewesenen Viehseuche, dem in 1768 erlittenen Hagelschlag die hiesigen Einwohner in solche betrübte und wehmuts­volle Umstände versetzt, daß sie wie billig die züch­tigende Hand Gottes erkennen werden, dieser helfe doch ins künftige einem jeden. . .". Schwer betrof­fen wurde bei diesem Einsturz des Krämertors der sein Wachthaus bewohnende Feldschütz Jost Jockei. Er konnte mit seiner Familie nur das nackte Leben retten und verlor seine ganze Habe.

Der Umstand, daß das Krämertor damit nach verhältnismäßig kurzer Zwischenzeit zum zweiten Male durch Wasser zerstört worden war und daß die mit einem abermaligen Neubau verbundenen Kosten in der gelbarmen Zeit nach dem 7jährigen Krieg wohl nicht mehr im richtigen Verhältnis zu seinem Nutzen gestanden haben mögen, wird es veranlaßt haben, daß das Krämertor nicht wieder hergestellt wurde und daß es daher noch nach längeren Jahren in einem Einträge des Protokollbuchs des Stadtrats von einem Bürger heißen konnte: „Wohnt vor dem eingestürzten Krämertor".

Dagegen scheint das schwer beschädigte Untertor, das man wohl wegen der öffentlichen Straße, oie es passierte, nicht auch ohne weiteres in seinem dem Ein­sturz nahen Zustande bleiben lassen könnte, damals wieder notdürftig zusammengeflickt worden zu sein. Bereits im Jahre 1784 war es wieder so baufällig, daß das Amt in Steinau eingreifen mußte. Unter dem 21. Juni 1784 findet sich im Protokollbuch oes Stadtrats eingetragen: Nachdem das hiesige Unter- thor einige Zeit her in Verfall geraten, daß der Ein­sturz zu befürchten stehe, ist vom Wohllöblichen Amte besohlen worden, daß ohne Zeitverlust Verfügung vom Stadtrat getroffen werde, um diesem zu befürch­tenden Umstand zuvorzukommen". Das Untertor­haus wurde nun einer Besichtigung von Sachverstän­digen unterzogen, wobei festgestellt wurde, „daß nicht nur seine Mauer gesprungen und sich über einen Schuh herausgegeben hatte, sondern daß auch sein Dachwerk völlig verfault war, sodaß sein gänzlicher Umsturz und wegen der sehr starken Passage oas größte Unglück befürchtet werden mußte".

Man beschloß daher im Stadtrat, das Tor samt

Wachthaus neu zu erbauen, seinen Torweg aber nicht wieder zu wölben, sondern mit Balken zu belegen und deshalb im Unterstock eine Scheidewand einzulegen.

Gleichzeitig mußte auch die derselben Wasserflut zum Opfer gefallene anschließende Mauer mit oem Durchlaß für den Elmbach neu errichtet werden. Der Maurermeister Johannes Gonlel übernahm die Ar­beit und förderte sie so, daß die 33 Schuh lange Mauer mit den beiden durch je ein Gitter verschlos­senen Durchlahöffnungen noch im November des­selben Jahrs fertig gestellt war.

Während so Krämer- und Untertor für den Stadt- rat rechte Schmerzenskinder waren, würde er sich mit dem vom Wasser nicht bedrohten Obertor kaum zu beschäftigen gehabt haben, wenn es nicht gelegentlich nötig gewesen wäre, über die nutzbringende Ver­wendung seiner Räume einen Beschluß zu fassen. Daß es aber auch dabei nicht ganz ohne Aerger hsr- gegangen zu sein scheint, beweisen die wenigen Ein­träge in den Ratsprotolollen, die vom Obertor handeln.

So mußte 1781 dem Ziegenhirt Orth oie Wohnung auf dem Obertor, die er seit etlichen Jahren inne gehabt hatte, genommen werden. Allzu- verlockend scheint sie nicht gewesen zu sein, denn als sie 1784 neu zu vermieten war, fand fid). kein Lieb­haber für sie. Im Jahre 1802 wird daher oas Obertor alten, obdachlosen Einwohnern zum Wohn­sitz angewiesen.

Ueber das weitere Schicksal der Stadtbefestigung ist nicht viel mehr zu sagen.

Das nächste, was von ihr den Zeitumständen zum Opfer fiel, waren die beiden noch erhalten ge­bliebenen Tore. Sie wurden mehr und mehr als Verkehrshindernisse empfunden, be:en Beseitigung man wünschte. Bereits 1827 wird das Untertor ab­gerissen; das Obertor wird ihm bald gefolgt sein, wenn es nicht gar schon vorher sein Ende gesunden hatte. Nicht ganz so einfach ließen sich die Wälle und Gräben der einstigen Stadtbe,eZgung beseitigen. Nur das ist der Grund, daß sie zum Teil bis in die jüngste Zeit hinein erhalten geblieben sind. Sanitäre Gründe haben schließlich auch diesen Resten das Todesurteil gesprochen 14). Nur ein tu zes Stück der ehemaligen Befestigungs-Anlage, das wegen seiner Lage abseits vom Verkehr noch nicht dem Nützlichkeits-Prinzip zum Opfer hat fallen können, ist fast unversehrt erhalten geblieben. Es ist der zwi­schen dem Sandgarten und dem ehemaligen klöster- lichen Biengarten (jetzigem Tha erschen Brauerei­anwesen) gelegene ehemalige Judenweiher. Sein sumpfiger Boden ist heute mit Gras bewachsen uno

") Das Stadtweiherchen hinter dem städtischen Hospitale ist im Jahre 1835 für 53 Gulden und 30 Kreuzer an Niko­laus Beck verkauft worden. Es ist dann zugeschüttet und mit einem Teil zur Erweiterung des Kirchhofes verwandt worden. Der Mauerwiesen- oder Pfarrweiher, in dem noch 1756, wenn auch keine von den 97 eingesetzten Forellen, so- doch Karpfen gefischt werden konnten, hat wohl noch etwas länger beständen. Sein einstiges, jetzt mit Gras bewachsenes Bett ist heute noch zu erkennen.

Der Grabenweiher hat in seinem nach dem Obertor zu gelegenen Teil bis zur Anlage der Grabenstraße im Jahre 1903 als sumpfiger, übelriechender Graben bestanden; von der jetzigen Kaiserstraße bis zur Krämergasse ist er schon früher zugeschüttet und in Gartenland verwandelt worden.

Der in seinem südlichen Teil noch bis zuletzt ziemlich wasserreiche Hinterhegweiher ist durch den Kanalbau im Jahre 1905 überflüssig und deshalb in der Folgezeit zuge­schüttet worden.