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Nr. 3/4 r^^^^^^^^^^^^ Unsere

Heimat i^^i^^^^i^^^ Seite 33

So hatten sich bei einer Gerichtstagung im Jahre 1646, obwohl noch- im Jahre zuvor ernstlich von derselben Stelle aus darauf hingewiesen worden war, daß, die Torwachten in Zukunft besser und nicht durch Mägde und Kinder sollten versehen werden, nicht weniger als 3 Bürger zu verantworten, weil sie sich bei der Torwacht pflichtwidrig betragen hatten.

Die Regelung und Ueberwachung des Wacht- dienstes an den Toren der Stadt war, im 18. Jahr­hundert wenigstens, Aufgabe des Stadtfähndrichs.

Bilder eines echten und rechten Kleinstadtidylls mögen es gewesen sein, die sich in den Friedens­zeiten zumeist an diesen Toren abgespielt haben, oenn Grobiane, wie der Drasenberger Bauer, der aen Frieden des Obertors im Oktober 1716 so jäh unterbrach, werden nicht allzuhäufig Einlaß, in Die Stadt begehrt haben.

Um zu verhüten, daß grünes aus dem Stadtwald stammendes Holz in die Stadt gebracht werde, wie dies durch Drasenberger Bauern damals verschiedent­lich geschehen war, hatten die Wächter am Obertor die Weisung erhalten, jeden Bauern mit grünem Holz anzuhalten und unverzüglich samt dem Holz auf das Rathaus zu bringen.

Der erste Drasenberger Bauer aber, bei dem dieser Befehl zur Ausführung gebracht werden sollte, war anderer Meinung als die Herrn vom Stadtrat in Schlüchtern. Er widersetzte sich dem Befehl und wurde gegen die Wache tätlich, indem er samt dem Sohn das Tor aufriß und die Wache anschrie: „Ihr habt mir nichts zu befehlen, ihr müßige Maulaffen, daß euch der Donner erschlage,.....ihr Hunoe". Ob und wie diese Widerspenstigkeit des Bauern da­mals geahndet worden ist, erfahren wir nicht.

Aber Pankraz Urbach und Johann Adam Ro- meiser, die damals die Wache auf dem Obertor zu halten hatten, werden nach dieser Anfechtung wohl mit gemischten Gefühlen das Wachthaus wieder be­treten haben, als sie die Pflicht wieder dahin rief.

Da, wie schon gesagt, der Zweck der Befestigungs­anlagen in Schlüchtern kaum jemals ein wirklich militärischer gewesen ist, so haben sie auch in keiner Zeit in den zahlreichen Kriegen, die sie umbranoet haben, einen ernsthaften Feind abzuhalten und Be­schädigungen durch Feindeshand zu erleiden gehabt.

Haben in Kriegszeiten Abteilungen feindlicher Soldateska an die Stadttore Schlüchterns gepocht und Einlaß begehrt und deren sind es nicht wenige gewesen so sind ihnen die Tore von den Bür­gern stets, wenn auch gewiß nicht immer leichten Herzens, alsbald geöffnet worden.

Nur einmal anscheinend hat die Befestigung Schlüchterns auch einem militärischen Zwecke gedient, und das ist im 7jährigen Kriege gewesen.

Es war am Morgen des 21. März 1760, als der mit einer Abteilung hessischer Soldaten in Schlüchtern liegende General v. Gilsa plötzlich die Stadttore schließen und alle waffenfähigen männ­lichen Personen bis zum 40. Lebensjahr auf dem Rathaus antreten und von dort ohne weiteres zur zwangsweisen Einstellung in das Heer nach Casse! abführen ließ. Eine harte Maßregel, die aber nötig war, um das durch die Verluste stark geschwächte Heer wieder kriegsfähig zu machen. Weit mehr als die Kriegsstürme, die durch die Jahrhunderte das Land durchbraust haben, sind den Befestigungs­anlagen Schlüchterns und insbesondere den Stadt­

toren, elementare Ereignisse zum Verhängnis ge­worden.

Zweimal im Laufe des 18. Jahrhunderts haben Krämer- und Untertor unter einem gewaltigen Hoch- wafser des Elmbachs zu leiden gehabt und schwere Schäden davongetragen.

Nach einem Eintrag in das Protokollbuch oes Stadtrats muß im Jahre 1721 bereits im Früh­jahr ein über das gewöhnliche Maß hinausgehendes Hochwasser in Schlüchtern geherrscht und Schaden getan haben, denn unter dem 16. Juni dieses Jahres heißt es daselbst: „Wird im Stadtrat beschlossen, daß die Stege, welche von dem wider Gewohnheit großen Wasser bis auf einen weggeführt worden, wieder hergestellt und 1 Fuß höher gelegt weroen sollen." Ein weiterer in derselben Sitzung gefaßter Beschluß lautet dahin, die Brücke vor dem Krämer­tor, die demnach demselben Hochwasser zum Opfer gefallen war, von neuem auszumauern. Von einer wesentlichen Beschädigung der Tore bei dieser Ge­legenheit hören wir nichts. Eine solche trat erst bei einer weiteren und erheblich stärkeren Wasserflut ein, von der Schlüchtern noch in demselben Jahre im Spätherbst betroffen wurde.

Bei diesem neuen Hochwasser wurde das Krämer­tor samt der auf 2 Bogen über den Elmbach geführ­ten Mauer völlig und das Untertor soweit zerstört, daß es nur durch eine Reparatur von Grund auf noch zu erhalten war.

Ueber ein Jahr verging, ehe sich der Staotrat zur Wiederherstellung der beiden Tore entschließen konnte. Erst am 17. März 1723 war man so w it, „dem Steinhauer und Maurermeister Tobias Meth- fessel in Steinau die Reuaufrichtung und Ver­fertigung des zur Herbstzeit des Jahrs 1721 durch die erlittene Wasserflut übern Haufen geworfenen sog. Krämertors samt der gegenüber erforderlichen Wässerbogen zu übertragen" und für diese Arbeit oie Glimme von 125 Gulden auszuwerfen. Für sie nötige Hülfe beim Aufräumen der alten Mauer aus dem Bachbette sollte dem Meister gesorgt weroen.

Einige Monate später, am 17. Juli 1723, erhielt derselbe Meister auch den Auftrag, am Krämertor ein neues Wachthaus samt Treppe und mittlerem Pfeiler davor für 63 Gulden herzu­stellen, sowie das weniger beschädigte Untertorhaus für 41/2 Gulden zu unterschlagen, zu kleiden und zu decken.

Zuletzt kam das von der Flut übel zugerichtete Pflaster in der Krämergasse an die Reihe, das von Michael Kohlheppen Haus bis hinauf zum Krämer­tor ganz neu hergestellt werden mußte.

Noch erheblich verhängnisvoller für die Stadttore und die in ihrer Nähe wohnenden Bürger scheint die Wasserflut gewesen zu sein, von der Schlüchtern im Jahre 1769 mitten im Sommer heimgesucht wurde.

Durch einen Eintrag, den der damals in der Krämergasse wohnende Bürger Johannes Baist zu seinem und seiner Kinder Andenken in seine Bibel gentadyt hat, ist uns eine anschauliche Schilderung dieses Ereignisses überkommen. Der leider ourch Mäusefraß etwas beschädigte Eintrag 13) lautet: „Anno 1769 den 19. Juli gegen Abend sechs Uhr ist oberhalb Hütten ein unsere Gegend noch nie be­troffener unb fürchterlicher Wolkenbruch (niederge-

*8) Der Eintrag ist bereits früher einmal in der Schlüch- terner Zeitung abgedruckt gewesen.