Seite 14 e^^^ß^e^e^ß^i^G^^ Unsere Heimat i^i^c^c^^c^c^c^k^c^^g^ Nr. 2
Einen herZlichen ?seLmatgruß allen freimatfeinen!
n eiserner Truhe steht ein Kasten aus uraltem Eichenholz, darin liegt ein Buchkleinod aus vergangenen Tagen. Nicht oft legt es eines Menschen Hand an die Sonne. Vor Feuer und Wasser haben es viele Hütergeschlechter bewahrt, aber ein Feind wird mit der Zeit doch Herr über ihn: der Staub. Wer den Staub an der Arbeit gesehen, weih, wie tätig und gefährlich er ist. Er dringt überall ein: in die Lungen und ins Prunkpianino, überall schädigend. Man staunt oft, ihn zu finden, wo man ihn am wenigstens erwartet. Seine Entstehung zu verhüten, ist uns unmöglich, nur ihm zu wehren, steht in unsrer Macht. Sein erfolgreichster Gegner ist die Sehnsucht nach Reinheit, die in jedem nicht verkommenen Menschen lebt. Wo die freilich erstorben ist, Iaht man üen „Staub" gewähren. Dann werden aber Samt und Seide Schmutzquellen und Edelsteine dem Strahen- kot gleichgerichtet. Dabei ist Reinheit doch das Schönste, was unsere Augen schauen können. Sie verklärt die größte Armut und macht den dunkelsten Winkel traulich. Ein sauberer Armensarg ist „schöner" als eine schmutzige Milionärserbenwiege und ein reines Gewissen besser als ein gefüllter Kassenschrank, den unrecht' Gut füllt. Auch die S e e l e leidet unter „Staub", der überall hindringt und an dem besten Werke haftet. Wir sind auch seelisch alle unreiner, als wir die schauen lassen möchten, auf deren Achtung und Liebe wir wert legen. Wenn die vollendete Bosheit einem Volk und einem Einzelnen an die Herzwurzel will, legt sie sie Hand an die Reinheit der Seelen. Auch in „großen Zeiten", da die Menschen alles wagten für Höchstes und Heiliges, ist die Warnung nicht unnötig: „Hütet euch, oatz der „Staub" nicht alles wieder befleckt!" Selbst dann schiebt sie den Menschen, um Erhabenes in den Staub zu ziehen, falsche Ziele unter und stiehlt ihm das Verlangen nach dem Höchsten und Besten, das auf D i e Höhen hebt, von denen aus man Gott schaut nach 'dem Wort des einzigen Reinen, der über die Erde gewandert ist. Kein „Kirchenfrommer", sondern Goethe hat gesagt: „Grohe Gedanken und reines Herz, das ist's, was wir uns von Gott erbitten sollen". Es muh also die Sehnsucht nach Reinheit der Seele nicht nur etwas sein, das die „Ueberfrommen" und „Heiligen" wie einen Vogelscheuchenschmuck mit sich tragen. Sogar das Wild im Wald reinigt sich; nur die Hühner lieben den Staub und die Schweine den Schlamm. Beseeltes ist mehr als sie. „In der ganzen Natur ist schon alles auf Reinigung abgesehen, weniges nur kann roh gebraucht werden : die Edelsteine müssen geschliffen, das Metall geschmolzen, das Korn gemahlen, chie Farben gerieben und geschlemmt, Glas und Porzellan durch Glut, Steine durch Behauen zubereitet werden. Ueberall geht's durch Verlust, bis es veredelt wird. Wollen wir's besser haben ?" meint der alte Joh. Jak. Moser. Und Gottfried Keller mahnt: „Unsere Seele muh, wenn sie nicht verkommen will, jeden Tag ihre Wäsche wechseln. Wir bleiben nicht gut, wenn wir nicht immer besser zu werden trachten". Die Besten aller Zeiten haben den „Staub" gehaht, weil sie fühlten, wie er sie entwertete, und gegen den „Staub" gesümpft, weil sie muhten, wie schnell er zum Schlamm wird bei „bösem Wetter". Aber
keiner von ihnen hat so glühend gebeten: „Jaget nach der Reiuheit!" wie die um Jesus; denn sie hatten den Reinsten gesehen und bangten vor Selbstbetrug. Und int innersten Herzen gepackt von dem heihen Sehnen, ihm ähnlich zu werden, hat erst neulich einer aus deutschem Blut gerufen:
„Fels der Gnade, Iah mich nicht
In der Sinne Sumpf ersticken!
Wollest deiner Firnen Licht
Gleich zwei Flügeln zu mir schicken.
Dah sie mich aus Schmach und Nacht
Hin in deine Höhe retten,
Nach durchraster Lebensschlacht
Mich in deinen Frieden betten!
Setz' mir neue Augen ein,
Gib mir grohe, neue Sinnen,
Neugeboren lah mich sein,
Reihen mit im Sturm von hinnen.
Meer des Lichts, gib mir dein Licht,
Deine Höhe will ich kennen
Hilf mir doch und lah mich nicht
Ganz ersticken und verbrennen!"
Immer wieder geht ein Raunen der Furcht durch unser Volk, dah mancher da draußen in der feindlichen Fremde durch den,,Staub" einen Schaden nähme an Seele und Leib und Heimläme mit einem Uebel, das die grohe Volksnot nicht verursacht. Welch' ein Elend wäre das, das fortwirken würde in der Heimat!
Es bleibt dabei: Herzens r e i n he it ist auch ein Ziel, an dessen Erreichung man alles setzt. Das Ringen, Streben, Wünschen Zahlloser geht nach allem anderen eher als nach diesem einen : Rein zu werden vor Gott. Wehe, wenn dieses Sehnen erstirbt! Dann ist der Zaun zertrümmert, mit dem der Ewige das Quellgebiet gesunden Vollstums umhegte, so unwahrscheinlich die Zusammenhänge zwischen Ursache und Gewirktem dem „modernen" Menschen auch sein mögen. Wäre die Sehnsucht nach Reinsein nicht „modern", so dürften wir ihr ruhig ihr Massengrab bereiten lassen. Denn ein solches müh^ te es doch schon sein, wenn auch du auf allem „Staub" liegen sahst. Man schätzt Wissen u. Können als Mittel zum Beherrschen der Gegenwart und Zukunft; aber der Reine ist der Klaräugige und Stärkste. Unser Volk braucht für seine Zukunft, wie wir sehen, Kraft zum Wachsen und Wehren. In der Herzen Reinheit wurzelt beides. Wahrhaft frei, reich, gesund, klug ist, wer nach eigener innerer Reinheit ringt. Wir wollen rein werben ! Das ist das Ziel, das deutscher Jugend winkt. Reinheit ist das Gut, wert, dah auch der Mann sich darum müht. Ein reines Gewissen die letzte Sorge der Alten; denn rein muh sein, wer drüben landen und getrost sein Haupt aufs letzte Kissen legen will. W i e man rein wird? Jesus spricht: „Ich mache alles neu!" Laßt Ihn uns reinigen, uns alle, damit der grohe Sonntag kommen kann. Die Sehnsucht nach Gottes unbeschränkter Herrschaft ist in diesem Unwetter riesengroß geworden auf dem Erdenrund, auf dem der „Staub" alles durchsetzt. Wenn aber der Frühling anbricht, ist des „Staubes" Herrschaft zu Ende. FIg.