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Seite 10 c^^i^^c^^^c^)c^>c^>c^>c^> Unsere Heimat ^^^^^^^s^^c^ß^^ Nr. 1

sten, Kinzig und Satz führten gewaltiges Hochwasser und verwandelten das breite Tal bei Salmünster und Soden in einen großen See. Die Erde hätte das Christkind nicht häßlicher empfangen können, und doch kam es. Es mufe. ja nicht durch den Erden­schmutz hindurch wie wir Menschenkinder. Es hatte sogar allerhand kluge und freundliche Gedanken, als es die Fülle von Naß sah; denn es kam von dem Schöpfer und Erhalter der Welt. Der hatte den schwerbedrängten Menschen so viele trockene Tage gegeben, solange sie ihr Feld bestellen mußten. Dar­über war die Erde fast zu trocken geworden, und die bequemen Menschen klagten schon wieder ganz gewal­tig, daß die Wasserleitung im Hause nicht überall laufen wollte. Da mußte schnell die ruhige Winters­zeit benutzt werden, um die Wasserkammern der Erde wieder zu füllen. Das Christkind wußte Bescheid und lächelte nur, wenn die Menschen gleich wieder über das Hunde-Feiertags-Wetter schimpften. Es lächelte; denn es dachte, daß die Menschen an Weihnachten draußen nichts verloren hätten, weil sich im ganzen Jahr nicht mehr eine so schöne Gelegenheit bieten würde, den Frieden und die Freude des Hauses zu pflegen und zu kosten.

Und mit gespannter Aufmerksamkeit hatte schon lange vorher das Christkind ausgeschaut, wie wohl die Menschen im zweiten Kriegsjahr Weihnacht feiern würden. Würde es diesmal wieder zu tun be­kommen? Es brauchte nicht lange zu warten. Wie noch in jedem Jahr ward es bald in unseren Privat- wäldern lebendig und schwer beladen schwankten die Wagen voll junger Christbäume zum Bahnhof, um in die großen Güterwagen verladen zu werden und in die waldarmen Gegenden und Großstädte zu wan­dern. Das war das erste Zeichen, daß Weihnachten werden würde. Da mußte sich das Christkindchen auch mit seinen übrigen Vorbereitungen schicken. Die Deut­schen hatten noch Geld und Liebe und Frohsinn ge­nug, um ein Weihnachtsfest zu feiern. Es dauerte denn auch nicht lange, und in unsrem Städtchen zogen die Schaufenster der Läden ihr weihnachtliches Kleid an. Da gabs manche brauchbare Sachen für unjre Feldgrauen. Die altbekannten Spiele kamen wieder zum Vorschein, aber diesmal auch neue, eine bunte Manigfaltigkeit von Kriegsspielen, Belagerungs- spiele und Kriegslottos, und vor allem durften die Bleisoldaten nicht fehlen, die mit allen Errungen­schaften der neuzeitlichen Kriegführung auftraten. - Es waren aber aud} in einem Schaufenster Schlüch- terns gar selten niedliche Sachen ausgestellt; so etwas hatte man zu dieser Zeit dort noch nie gesehen, aller­hand Flecht- und Knüpfarbeiten. Das hatte der Fleiß und die Kunst der dortigen Verwundeten fer­tig gebracht. — Und nicht blos in Schlüchtern war es so. Von Ramholg kam die Kunde, daß dort eine ganze Ausstellung von Handfertigkeiten der dortigen Verwundeten unter Leitung der Frau Baronin von Stumm eröffnet worden war und so viel Kauf­lustige angezogen hatte, daß die Kauflust nicht be­friedigt werden konnte. — Nach solchen Vorberei­tungen war dem Christkind nicht mehr bange um das Fest. — Die heilige Nacht senkte sich früh auf die Erde, und als die Glocken zur Christvesper riefen, kamen sie alle wieder, Groß und Klein, um die himmlische Kunde vom Christkindlein zu hören, und die Weihnachtslieder klangen so frisch als sei gar nichts anders geworden. — Und als in der tiefsten

Hälfet feierlich die Glocken zur Christmette erklangen, auch da gingen geheimnisvoll knarrend überall die Türen auf, und sie schlugen ebenso geheimnisvoll wie­der zu, und eilig kamen Jung und Alt zur auf­gebauten Krippe unter dem strahlenden deutschen Weihnachtsbaum. — Wie freute sich da das Christ­kind. All die Sorgen, die die Menschen trugen, all die Tränen, die geflossen waren, und jetzt wieder von Neuem hervorbrachen, all die schweren Heim­suchungen Gottes hatten den Menschen die Freude am Christkind und die Liebe zum Christkind nicht ge­nommen, im Gegenteil, sie kamen mit ihren Sorgen zum Christkind und legten die Fürbitte für Vater­land und die Krieger draußen dem Christkind ans Herz. Sie standen dem Christkind viel näher denn sonst und in ihm waren sie mit ihren Lieben draußen und droben im Himmel vereinigt. Das waren selten gesegnete Weihnachten. — Und das Christkind wußte gar nicht, wie es sich freuen sollte, daß die Men­schen auch in ihrer Not allein durch seine Ankunft so froh waren und so herzlich wie nie mit ihm Weih­nachten feierten. —

Gewiß wurden an diesem Abend die Lieben vor dem Feinde schmerzlich vermißt und manche Träne mag um Vater, um Gatten, um Sohn geflohen sein. — Aber an manchen Orten durste man seinem Schmerze nicht nachhängen. Da waren ja auch Heimatlose, Rekruten, Landsturmleute und Ver­wundete. Die waren ja diesmal unsre Gäste. Die sollten durch unsre Traurigkeit ihre Heimatserne und und Verlassenheit nicht noch mehr empfinden. Um ihretwillen mußten wir uns zusammennehmen. Sie mußten uns über manchen trüben Gedanken hinweg­helfen. Und dann die Weihnachtsfeiern in Den Lazaretten! Ich weiß allerdings nur, was das Christ­kind in Soden und Salmünster sah, aber es wird in Schlüchtern und Steinau und Ramholz ebenso ge­wesen sein. Wie mag sich das Christkind gefreut haben, daß die Liebe der Menschen für die Ver­wundeten nicht gekargt hatte, ob es nun sah, wie die brauchbaren Sachen mit Genußmitteln und Lieb- Habergeschenken aufgebaut waren, oder hörte, wie die Schwestern von Schlüchtern sich bedankten für die weitverbreitete Opferwilligkeil, oder ob es die Schwester begleitete, die auf den einsamen Pfaden des Vogelsberges von Dorf zu Dorf ging und zur Beisteuer für die Verwundeten aufrief und überall öffne Türen fand, oder mochte es an die fleißigen Sammlerinnen denken, die in den Städtchen des Tales von Haus zu Haus gingen und dann ihre reichen Erträge gerecht auf die einzelnen Lazarette verteilten. Auch mit dem Nachbarkreis wurde die Freundschaft betätigt und der südliche Teil des Krei­ses sandte seine Gaben auch noch für das Ersatz­bataillon auf der Wegscheide. - Und dann die Feiern selbst! Wie ernst und Dorfe wie fröhlich. Kein Wunder, daß die Verwundeten es sich nicht nehmen ließen, selbst zur Verherrlichung der Feier beizutragen. - Da gabs Aufführungen. Da gabs mit einemmale auch Dichter. — Selbst Künstler fehl­ten nicht, die wahrhaft künstlerisch den Weihnachts­tisch deckten. - So war noch an keinem Weihnachts­fest die Liebe aufgerufen worden im Kreise Schlüch­tern, und so war sie noch nie lebendig. — Als das das Christkind sah, hatte es seine helle Freude und von dieser Freude teilte es voll Entzücken den be­kümmerten Menschen mit und beschloß, den Menschen