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WochentUche Begleiterin des Rheingauer Volksboten,
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Sonntag, den 28. Juli
1850,
Ein dèekrolog.
Vcn L. Kalisch.
Der Tod, jener Schnitter, dessen Sichel zu jeder Jahreszeit seine Ernte findet, hat wieder einen Menschen hingemâht, und dieser Mensch war nicht blos Mensch, er war auch Lieutenant, und der grausame Tod ereilte ihn, als er fast im Begriff stand, sein fünfundzwanzigjähriges Lieutenants-Jubiläum zu feiern. Der Verblichene hat mit einer unvergleichlichen Ausdauer einen mehr alö dreißigjährigen Frieden durchgekämpft und deshalb verdient er in jeder Beziehung daß wir ihm einige Worte der Erinnerung widmen.
Der Verblichene war für den Krieg erzogen, u d schon in seinem fünfzehnten Jahre besaß er das Porteepee und war Fähndrich. Aber Napoleon hat gesagt: vom Fähndrich bis zum Lieutenant ist nur ein Schritt, und dieser Schritt war bei ihm schon lange geschehen, als er noch lange nicht mündig war.
Als der Verblichene Lieutenant geworden, welche weite und herrliche Aussichten mußten sich ihm nicht offnen! Was hatte er nicht Alles werden können! Hauptmann, Major, Oberstlieutenant, Generalmajor, Generallieutenant und Generalfeldmarschall hätte er werden können und die Flügel der Fortuna hätten ihn auf die Flügel der Victoria und diese auf die Schwin
gen der Fama setzen können. Aber weder die Fortuna, noch die Victoria, noch die Fama nahmen ein besonderes Interesse an unserm Lieutenant; und unser Lieutenant sah wie der große Prophet mit sehnsüchtigem Auge" in'S Land der Beförderung; aber dahin zu gelangen, war ihm nicht vergönnt. Seine Vorgänger hatten eine eiserne Gesundheit und ihre Geduld war so groß, daß keiner von ihnen den Krie- gerstand verließ, oder in heidnischer Verzweiflung sich das Leben nahm. Wie oft lag der Verblichene im heißen Gebete! Wie oft flehte er inbrünstig, daß der Allbarmhcrzige wenigstens einige seiner älteren Kameraden durch einen schmerzlosen Schlagfluß, oder, wenn es nicht anders sein könne, durch eine Schwin- sucht (versteht sich, durch eine möglichst galoppirende) zu sich nehme; aber seine Bitten wurden nicht erhört und der Lieutenant blieb Lieutenant, nur Lieutenant, nichts als Lieutenant.
Da der lange Friede dem Verblichenen nicht erlaubte, sich mit feindlichen Schaaren zu messen, da er nicht dazu kam, Batterien zu erobern, suchte er zarte Herzen zu erobern, und als er noch jung war, schrieb er statt Kriegömandate so viel süße Liebesbriefe, bis ihm das Geld für Seidenpapier ausging und viele Gatten und Väter das Glück, Frauen u. Töchter zu haben, schmerzlich bedauerten. Der Verstorbene hat mündlich und schriftlich oft mehr als
