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bet vorletzten Sitzung der zweiten hessischen Staribe# kammer die Behauptung aufgestellt, daß die (gothaische) Union" daö einzige Rettungsmittel Deutschlands sti. _________________

* Aus dem Leben d e u t s ch e r fürsten im Zeitalter der Reformation lesen wir in den Blättern für literarische Unterhaltung folgende artige Miszelle : Als Herzog Johann von Sachsen, Sohn Herzog Gcorg'S von Sachsen, im Begriffe stand, die von seinem Vater und Landgraf Wilhelm II. von Hessen am 8. März 1505 zu Erfurt bered­tste Ehe mit Elisabeth von Hessen zu vollziehen, gab er dem Christoph von Taubenheim unter seinem Sie­gel Vollmacht, mit Elisabeth in seinem Namendurch gebührende Worte zu kontrahiren, gedachtem Fräulein eine beständige Ehe zm versprechen, auch dieses wieder­um anzunehmen und danach den Handstreich zu thun sub clausula rati et grati." Die Vermählung ge­schah zu Kassel am 18. Januar 1519. Die Reise dahin ging von Dresden aus am 8. Januar, am 24. traff man in Kassel ein; auf der Rückreise ward in Leipzig am 11. März vor Georg und demher­zoglichen Frauenzimmer" eine Komödie rezitirt. Am 17. März traf man wieder in Dresden ein. Die ganze Reise kostete 1069 Thlr. 22. Gr. 8 Pf. und bekamen in Kassel die Trompeter 28 Thaler Trink­geld,der Braut in den Rock zu blasen."

Neues Mittel gegen das Podagra.

Am letzten Donnerstag' hielt in Berlin ein Sohn deS berühmten Luftschiffers Green auS London eine Luftfahrt, und hatte sich erboten, gegen eine Hand voll DoppellouiSd'orS Liebhaber mit hinauf zu neh­men. Der alte schwedische Gesandte war wegen eines bekannten Fußübels lange Zeit nicht ausgekom­men; seine Frau redete ihm daher zu, die Luftfahrt mit anzusehcn. Er wurde in den Wagen getragen, die Fenster geschlossen und so kam er seufzend an und betrachtete den Ballon und die Anstalten.Lieber Schatz," sagte er endlich zu seiner Frau,ich hätte wohl Lust, die Luftreise mitzumachen, eS muß sanft gehen." Vergeblich protestirte die Frau Gemahlin; der Hr. Gesandte stieg ein, sah hoch herab auf Ber­lin und trank mit Herrn Green auf das Wohl deS Königs ein Bouteille Champagner. So kamen sie glücklich fünf Meilen weit davon wieder zur Erde, und als die Frau Gesandtin mit dem Wagen ankam, bemerkte sie zu ihrem Erstaunen, daß das Podagra in der Luft verschwunden war.

Seltene Gaunerei.

Zwei reiche Juden kehrten in einem Gasthof ein und neben ihrem Zimmer wohnt ein Weltbürger,

oder- mit andern Worten, ein Gauner, der auf gut Glück lebte und keine Gelegenheit vorbeiließ, wo er sie fand. Er machte mit den Hebräern Bekanntschaft; sie kamen zu ihm, er wieder zu ihnen, und bemerkte, daß sie eine Menge spanischer Pistolelten eingewechselt hatten, zu denen er den stärksten Appetit empfand. Was thut der Kosmopolit? Er schnitt ein ziemliches Stück von seinem Hemde ab und ließ es unbemerkt in das Zimmer der Juden fallen, sah auch bald da­rauf, daß sie beim Einpacken der Goldstücke, da es ihnen an Papier und an Beuteln fehlte, zweihundert Stück in den gefundenen Hemdzipfel banden, und das Päckchen in ihren Koffer schlossen. Tags darauf mit Sonnenaufgang erhob der Gauner ein erstaun­liches Angstgeschrei:Man hat mich bestohlen ! Man hat mir während meines unglücklichen Schlafes 200 Pistolelten, die ich aus Vorsicht vorn in das Hemd gebunden trug, abgeschnitten ! " Die Gerechtigkeit er­fuhr cs und war sogleich bei der Hand. Man be­gann die Zimmer des Gasthofes zu durchsuchen; aber schon im Nebenzimmer fand man im Koffer der un­glücklichen Hebräer den verfänglichen Hemdzipfel mit richtig gezählten 200 Pistolelten. Der Corpus delicti paßte vollkommen an das verstümmelte Hemd, der Schrecken der Juden, die vor Angst verstummten und zitterten, sprach ganz zu ihrem Nachtheile, kurz, man nahm den Hemdzipfel ad acta, stellte dem Weltbür­ger die 200 Pistolelten zu und führte die Kinder Israels in eine neue babylonische Gefangenschaft, aus der sie wahrscheinlich nicht anders, als um die fatale Leiter zu besteigen, gekommen sein würden, wenn nicht der Gauner in der nächsten Nacht entwichen wäre und in einem zurückgelassenen Handbillet an Madame Justitia die- ganze Sitzbüberei mit eigner Hand und Siegel bekräftigt hätte. Die Juden ge­langten nach kleiner Untersuchung und großer Ligui- dation wieder auf freien Fuß.

Charade.

Hoch wird die Erste gepriesen

In Prosa und Gedicht,

Und daraus ist zu schließen,

Daß sie unedel nicht.

Es stellt ein plumpes Wesen

Sich dar mit Haut und Haar,

Wenn rückwärts wird gelesen

Das letzte Sylbenpaar.

Gar reich oft wird belohnet

Durch's Ganze Fleiß und Müh':

Wo Boreas stetö thronet,

Da wirst du'S finden nie.

Auflösung des Räthsels in Nro. 37:

Landkarte.

Druck uni Verlag von A. Herber in Wink.l. Verantwortlicher Redakteur A. Herber.