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Wöchentliche P^gleiterin des Rheingauer Volksboten.
M 35. Sonntag, den
Der Lohnweber.
(Fortsetzung.)
„Aber ist cs nicht himmelschreiend, wenn man sich den sauern Lohn zweimal verdienen soll, und beim Zweitenmal noch schlimmer aus- gcht, als bcini ersten? Du weißt von früher, was ich im besten Falle sür den Kram bekom» men werde; wo soll das hinlangen ? Und wa- rum sollen wir stets mir nichts, dir nichts, gleich so viel vom rechtniäßigcil Verdienste einbüßen ? Nein, Christel, so schwer mir's wird, von meinem Handwerke, das ich mit Lust und Liebe gelernt, zu lassen, so will unb muß ich doch die Weberei anfgcben. Der Stuhl wird zerschlagen, heute stwch, und ich suche Arbeit an der Straße oder bei den Bauern."
„Ach Gott, Mann!" jammerte die Frau, „dazu wirst Du viel taugen, Du mit Deiner kranken Brust, Deinem kurzen Athem...."
„Du hast recht," unterbrach sic Adam bitter, „so einen Stubenhocker wird Niemand in Tagelohn nehmen wollen; wie soll ich heraus- kommen aus diesen: Elende? — Laß mich eine Stunde fort, ich muß hinauslaufen in's Freie, cs erdrückt mich sonst."
Frau Christiaua hatte nichts einzuwenden,
1. September 1850,
-r--- - '■- ' '" — »7i.1 ..-, , "I vielmehr war cs ihr lieb, daß ihr Mann auf dicse Jdce kam ; sie hoffte, daß er beruhigter Heimkehren und dann besonnener die bekümmerte Lage, in der sie sich befanden, betrachten werde.
Adam schritt über den Marktplatz nach einer dunkeln Gasse zu, um durch dieselbe auf den: nächsten Weg in's Freie zu gelangen. Ziemlich am Ende der Gasse lag eine unansehnliche Schenkwirthschaft, die von den Bürgern, weil sie zu abgelegen und nicht in dem besten Rufe stehend, nicht besucht wurde unb meistens nur der Auscuthaltsort von faulem, liederlichem Gesindel, Schnappstrinkern und falschen Spielern war. Hier mußte Adam vorüber. Am Tage ging es in der Regel sehr still in dieser Wirtschaft zu, toller und wüster dagegen bei Nacht, was sehr erklärlich,. da seine Stammgäste meist Freunde der Nacht waren; zum Verwundern mußte es daher sein, daß heute ein ungewöhnliches Leben in der gedachten Wirthschaft herrschte. Es fiel dies selbst dem in seine trüben Gedanken versunkenen Meister Adam auf. Ein verworrenes Geräusch von durcheinander streitenden Stimmen schallte heraus, und Adam glaubte mehrere unterscheiden zu können, die Bekannten von ihm angehörten. Er blieb einige Minuten stehen, um etwas von
