Wöchentliche Begleiterin des Uheingauer Volksboten.
M 38. Sonntag, den 22. September 1850«
Der Lohnweber.
(Fortsetzung.)
Nun siehst Du, Frau, mein Ausgang ist mir nicht ohne Nutzen gewesen," sprach Meister Adam, als er nach den geschilderten Vorgängen in seine Wohnung trat, und sein Gesicht drückte dabei die größte Zufriedenheit aus. „Zwar bring' ich im Augenblicke keine Hülfe, und wir müssen schon sehen, daß wir diese Waare hier gegen Verlust an den Mann bringen, weßhalb ich mich auch gleich umthun will; aber so Gott seinen Segen gibt, wird eS bald besser werden."
Frau Christiane war herzensfroh, daß sie ihren Mann in einer so ruhigen, heiteren Stimmung sah, und bemerkte ihm nur, was sie bei seinen vorherigen Zornesausbrüchen nicht gewagt hatte, daß sie sich auch gar nicht habe erklären können, warum er diesmal so außer sich gerathen, da ihn Herr Stürmer doch stets in dieser Weise bezahlt habe, und sie sich gewöhnlich in dem Falle, wie heute, befunden hätten.
„Ja, Frauchen, der Mensch ist manchmal so," antwortete Adam aufgeräumt. „Ich hatte diesmal zu bestimmt auf eine Baarzahlung gerechnet ; und übrigens muß es mir in den Gliedern gelegen haben,
daß heute etwas ganz Absonderliches passiren würde."
Was meinst Du denn damit?" fragte Frau Christiane neugierig.
„Laß daS nur, Du wirst es schon erfahren," erwiederte Adam.
Die Frau schwieg zwar, weil sie wußte, daß eS ihr nicht gelingen werde, etwas Weiteres von ihrem Manne zu erforschen, aber sie spann sich daS von ihm Hingeworfene nach verschiedenen Seiten aus und hatte darüber keine Ruhe, zunzal sie merfle, daß Adam ungewöhnlich aufgeregt war.
Adam lud jetzt die Waaren auf und ging, um dafür baareö Geld zu erlangen zu suchen. Unwillkürlich wurde er bei diesem bitteren Geschäfte wieder trübe und ärgerlich gestimmt. Absichtlich wendete er sich an Herrn Brünning, der sich darüber höchlich verwunderte, da es Adam bisher immer vermieden hatte.
Brünning suchte ein Gespräch mit dem Meister anzuknüpfen, aber Adam war kurz und einsylbig.
„Drücken Sie mich nicht so sehr," sprach er zu dem Kaufmann.
„Bester Mann," nahm Brünning, sich die Hände reibend, das Wort, „Sie wissen daß ich gebe, was ich als ehrlicher Mann geben kann. —"
„Ja, ja I" sagte Adam mit zweifelhaftem Tone.
„Und Sie müssen bedenken, daß ich der Einzige
