Wöchentliche Begleiterin -es Nheingauer Volksbolen
M 32. Sonntag, den II. August 1830.
Der Lohnweber.
Drei Wochen lang hatte Meister Adam fast Tag für Tag.scchzehn Stunden vor feinem Webftuhl gesessen und das Schiffchen hin und herwandern lassen. Die Frucht dieser Anstrengung und seines unermüdlichen Fleißes war ein schönes, untadelhaftes Stück Leinwand, das er endlich vom Stuhl nehmen konnte' Es war spät am Abend vor dem bestimmten Lohntage, als er das besagte Stück zur Ablieferung an seinen Arbeitgeber, den Factor Stürmer, zurecht machte. Er musterte den schönen, derben Stoff, ging die Ellenzahl durch und freute sich seines Werkes, wie ein braver, fleißiger Meister darf und soll.
„Nun, Gott sei Dank! da hast Du's, Christel," rief er, als er das Stück zusammengelegt und geschnürt hatte, und warf cs froh aufathmend auf den kleinen, vor Alter gebrechlichen Tisch, vor welchem seine Frau mit einer Näharbeit beschäftigt saß, so daß derselbe heftig erzitterte und ströhnte, und Frau Christiane erschrocken auffuhr.
„Herr Gott!" rief sie und sah ihren Mann verwundert an, „Du bist ja ganz außer Dir; Du wirst die Kinder aufwecken, und ich bin froh, daß die kleinen
Plaggegeister schlafen und ich hier etwas zu wege bringen kann."
Meister Adam schien selbst etwas betroffen über seine Ausgelassenheit und suchte seine Gattin zu besänftigen. „Nimm cs nicht übel," entgegnete er, „habe Tag und Nacht wie angenagelt gesessen und darf nun wohl einmal tüchtig Athem holen. Es geht mir wie einem Pferde, das lange angespannt und endlich einmal aus dem Joche kommt. — Aber sieh Dir nur das Stück an, Frau — Kapitalwaâre, — wäre was in Deine Wirthschaft."
„Ja, wenn wir's nur behalten könnten und nicht Baares brauchten!" seufzte die Frau.
„Leider Gottes!" stimmte Adam ein. „Und gerade diesmal; aber da ist auf einmal meine ganze Freude weg und der Aerger frißt mir in das Leben."
„Was hast Du denn?" fragte Frau Christiane besorgt.
„Nun, daß es wieder die alte Leier geben wird bei Stürmer. Wahrhaftig, ich liefere ihm die Waare nicht aus, wenn er mich auch diesmal mit seinem verdammten Krame lohnen oder mir ein paar beschnittene Ducaten aufhängen will.
„Gott, er wird es wohl diesmal nicht thun, wo ■ wir so nothwendig gutcö, baares Geld brauchen;
