Nicht tanzt der Deutsche nach dem Takt, Den frech der Däne schlug! — Die Rache ruft uns nun zur Schlacht,
Wir stürmen freudig d'rein :
Denn mit vereinter Kriegermacht
Muß uns der Sieg ja sein.
Seid stark, ihr Brüder, zaget nicht
Vvr stolzer Feinde Troß,
Thut, was erheischt die Bruderpflicht:
Seid in dem Kampfe groß.
Der Himmel ist ja unser Hort ,
Uns knüpft der Treue Band;
Die Freiheit schützt, das Losungswort,
Ju unserm Vaterland.
Seid stark, die Macht ist nicht erschlafft;
Scheut Tod und Wunden nicht,
Nicht ist gelähmt der Krieger Kraft:
Erfüllt nur eure Pflicht!
Wir kämpfen Mann für Mann vereint!
Des Friedens bitt're» Spott
Wir rächen am verweg'nen Feind:
Denn unsre Burg ist Gott!
Auf! fürchtet nicht den preußischen Aar;
Ihr seid ja längst erwacht —
Nicht die Ailiirten mit dem Czaar, —
Auf, auf, zur blutigen Schlacht!
Auf, Schleswig-Holstein, auf zur That!
Im Kampf süps deutsche Land,
Auf, rächt des Vaterlands Verrath:
lins schirmt des Himmels Hand!
Der Deutschen Beste geh'n voran
Aus Nord, Süd, Ost und West,
Zu feiern nun auf blnt'ger Bahn
Mit uns der Freiheit Fest.
Was hält die Edlen noch zurück?
Für's Vaterland erglüht,
Für Schleswig-Holsteins Heil und Glück
Zum Kriege Jeder zieht.
Ob Sieg, ob Tod! auf, deutsches Blut,
Des Herrmanns brav Geschlecht!
Seid stark — der Himmel schürt die Glut:
Wir streiten ja gerecht!
Das Recht, cs sei uns stets ein Schild!
Habt Muth in eurer Brust;
Uns glänzt der Freiheit goldnes Bild:
Drum in den Kampf mit Lust!
Geisenheim. C. L. Krekel.
Cin Traum des Kladderadatsch im Jahr 18....
„Bürger Müller, genannt Manteuffel, hat's Wort!"
„Nein Lindenmüller!" — „Nein Müller! Man
teuffel eine Rede halten!" — „Rede halten! Rede halten!" — so tönte es von tausend und aber tausend Stimmen draußen unter den Zelten! Ich verzichte auf's Wort!" schreit Lindenmüller. — „Bravo!" schreit die Masse. — Manteuffel besteigt die Tribüne. „Bravo Müller! Bravo!" — „Bürger," beginnt Herr von Manteuffel ; „Bürger! Ein sehr beliebtes Witzblatt hat zwar von mir gesagt, ich sei der kleinste unter den Ministern in Bezug aus die Lange, aber der größte in Bezug auf Tief e" — — „Bravo !" — „ich lehne diese Schmeichelei ab und lasse den für mich reden, dem ich nicht bloß in der Länge und Tiefe, sondern auch in der Breite den Vorrang einräume !" — Erellenz Brandenburg, von unendlichem Jubel begrüßt, tritt auf und beginnt eine Rede. Sie dauerte, ungelogen, drei volle Stunden ; er sprach schön, ohne Ablesen, ohne Stottern, erhaben, glühend, begeistert und begeisternd; die wilden Rehberger wurden zu Tauben, die Bäume fingen an zu tanzen, und die Statue der Flora belebte sich und nahm die Gestalt einer Hoffschlächtermeisterin an und schwebte mit einem Lorbeerkranze über dem Grafen, als er die gewaltige Rede mit den bedeutungsvollen Worten schloß: Niemals ! Niemals! Niemals! —
Doch was ist das? Eine ungeheure Volksmasse drängt sich über den Schloßplatz ! Was gibt's ? was ist los ? wohin gehst du, Bruder Stahl, mit deinem Freunde Kinkel? — „Zu den Ercellenzen Waldeck und Jakoby — wir wollen den armen Volksmann Hinkeldey aus dem Gefängnisse holen!" — „Ich komme mit! vorwärts!" — Doch seht da bringen sie ihn schon ! die Pserde sind ausgespannt, daS Volk zieht ihn, voran Naunyn mit der Kette! Wie er die Menge so freundlich grüßt! wie anständig sich die Constabler benehmen! Hinkeldey soll leben ! das Ministerium soll leben! Alles soll leben. — — Plötzlich erhebt sich vor dem Schlosse ein hohes Gerüste, und auf dasselbe treten Arm in Arm Brandenburg und Waldeck, Manteuffel und Jakoby, Hinkeldey und Kinkel, und von der Kuppel des Schlosses steigen nieder die zwölf steinernen Juden und neigen sich vor diesen Männern und sagen: Gut Jontef 1 *) Der Prophet Habakuk aber thut den Mund auf und spricht zum Volke:
Wahrlich ich sage Euch, heut ist gekommen der Tag, wo Zeichen und Wunder geschehen, wo Rabe kein Geld braucht und Ladenberg aufhört Minister zu sein, wo Gödsche und Ohm die Wahrheit sagen, wo kein Treubündler stiehlt und alle Fürsten ihr Wort halten, wo Strotha ohne Säbel in die Kammer kommt und Gerlach sich Hecker als Hauslehrer verschreibt, wo die Gothaer ReichSwürste zum Schwerte greifen und Gagern keine Reden mehr hält. Ja heut ist gekommen der Tag, wo Temme aus seiner
*) Die jüdische Begrüßung am Feiertag.
