„Will heute noch den Auftrag vollführen, kaiserliche Hoheit," sprach der Pater, verneigte sich und ging.
Er begab sich zu dem Staaiskanzler.
„Ihre Durchlaucht haben dringende Geschäfte und sind nicht zu sprechen, „erwiederte der aufwar- tende Diener im Vorzimmer auf daS Ansuchen deS Priesters, daß er ihn melde. Der Priester frug nach dem Kammerdiener deS Fürsten und wurde zu ihm geführt.
„Wie steht das Befinden, Hochwürden?" frug dieser, indem er sich ehrfurchtsvoll verbeugte.
„Recht gut, Herr Walter," gab dieser zurück. „Ich werde Ihnen etwas zur Bestellung an den Fürsten übergeben."
„Ganz zu Ihren Diensten, Ew. Hochwurden."
Der Priester erbat sich das Nöthige'zum Schreiben und schrieb auf ein Biâttchen Papier folgende Worte:
Ew. Durchlaucht!
„Ihre kaiserliche Hoheit die Erzherzogin Sophie erwartet Ihren Besuch morgen um ein Uhr dringend und g e h e i m."
Wien, den 17. November 1837.
P. Justinian.
„Es ist wichtig, Herr Walter," sprach der Pater mit einem bedeutsamen Blick, als er, dem Diener daS gesiegelte Billet übergab.
„Sehr wohl Euer Hochwürden! Soll sogleich besorgt werden," versetzte der Diener. Der Pater entfernte sich.
(Fortsetzung folgt.)
Kinkels Bertheidigungsrede.
„Der Mensch verführt uns das Volk!" schrie der ganze Troß Ler Pfaffen und Jener, so sich vom Schweiße des Volkes mästeten und die ihm zum Danke den Fuß auf den Nacken setzten, als Pilatus keine Schuld an Christus finden konnte. „Man kreuzige ihn schrie die ganze Horde, „denn er sinnt auf Umsturz und predigt gegen die von Gott eingesetzte Obrigkeit!"
Und Christus sprach: „Weil ich das Volk mehrmals mein Leben liebe, darum werde ich den Tod erleiden, aber nach drei Tagen werde ich wieder auferstehen und mein Geist wird un
ter euch sein — von diesem Tempel aber — wird auch uicht ein Stein auf dem andern bleiben."
Meine Herrn Geschworenen! DaS Verbrechen, dessen ich beschuldigt bin, ist ein politisches und kann nur vom politischen Standpunkte richtig gewürdigt werden. Gestatten Sie mir daher, auf die damaligen Zustände flüchtig zurückzukommen. Ich kann kurz sein, denn auf welcher Seite damals das Recht, die Ehre und der Patriotismus standen, das ha, die Geschichte seitdem gelehrt.
Das deutsche Volk hatte sich im März 1848 die Volkssouverânetät errungen. Alle übrigen Rechte sind nur Ausfluß derselben. Die freie Presse und das Vereinigungsrecht dient, um den Willen deS Volkes zu diskutiren, und die Kammern dazu, ihn zum Gesetze zu erheben. Die allgemeine Volksbewaffnung gab zugleich dem Bürger die Waffen in die Faust, um die Volkssouverânetat für alle Zeiten zu garanliren. Aber der höchste lind klarste Ausdruck derselben waren die konstituirenden Versamm- lnngen in den kleineren deutschen Staaten und in Preußen; alö ihre Spitze erschien die für ganz Deutschland nach einem ganz demokratischen Wahlgesetze berufene Nationalversammlung in Frankfurt. Im Sommer 1848 hatte eine so ungeheure Majo-s ritât in Deutschland die VolkSsäuverânetât anerkannt, daß man sagen konnte, daS ganze deutsche Voll hege über die oberste Souverânetät der Nationalversammlung nicht den mindesten Zweifel. Auch Sie, meine Herren, jetzt meine Richter, haben hieran nicht gezweifelt. Man weiß, mit welcher Mäßigung die, Nationalversammlung zuWerke ging. Sie gab dem deutschen Volke die Grundrechte als Magna Charta und zum Schirmherrn derselben den König von Preußen, indem sie ihn zum Kaiser von Deutschland wählte. Dieser König hatte am 21. März 1848: die deutschen Farben angenommen und erklärt, sich an die Spitze der deutschen Einheit stellen zu wollen. — Ilm jene Zeit befand ich mich als Abgeordneter in Berlin. Die preußischen Kammern bemächtigten sich dieser Frage. Beide Kammern kamen überein, daß Preußen diese Schritte thun , daß es im Fortschritt vorangehen, und den Wunsch des Vaterlandes erfüllen müsse. Ich selbst stimmte mit einigen entschiedenem Gesinnungsgenossen gegen die Annahme der Reichsverfassung. Die Erschaffung einet neuen Krone zu den vielen Andern erschien mir im neunzehnten Jahrhundert als ein Anachronimus und nachdem die Regierung die Kaiserkrone zurückgcwic- sen, schien es mir eines Wahlkreises unwürdig zu fein, um die Annahme einer Verfassung zu betteln, welche 10 Millionen Deutsche von dem Vaterlande auSschloß. Aber eS gibt im parlamentarischen Le-- ben Momente, wo man sich freut, daß man in der
