Wöchentliche Begleiterin -es Nheinganer Bolksboten
â IS. Sonntag, den 12. Mai 1850,
Die Geheimnisse des Palastes.
(Bruchstück aus einem noch uiigedriicktcu Mauuscript.)
(Fortsetzung.)
„Verhüte Gott," erwiederte salbungsvoll der Priester, „daß ich das fürstliche Beichtkind, dessen Seelenhe l mir anvertraut ist, verlassen sollte, wohin es sich auch wende; aber ich gehorche meiner Pflicht, indem ich alle mir zu Gebote stehenden Mittel aufbiete, Ew. kaiserliche Hoheit von einem gefährlichen Wege abzuhalten. Gelingt cö mir nicht, so ist deS Herrn Wille anders und ich folge meinem allerhöchsten Beichtkind, wohin eS auch gehe."
„Des Herrn Wille ist anders," erklärte die Prinzessin.
„Und ich bin Ew. kaiserliche Hoheit mit meinen geringen Kräften zu Diensten," fiel der Pater ein.
„So, mein lieber Pater, gefallen Sie mir."
„Wenn Ew. kaiserliche Hoheit meinem Rath einige Rücksicht schenken wollen, so erlaube ich mir vorzuschlagen, daß allerhöchst Dieselben, bevor ein Schritt in der Angelegenheit gethan wird, eine Ausgleichung, eine Art Vereinbarung mit dem StaatS- kanzler versuchen; cS wäre möglich, ich sage möglich, daß der Minister einen Kampf mit Ew. kaiserlichen Hoheit scheute. In dem Falle wäre die Sache ohne Schwierigkeit abgethan. Verstände sich der Fürst Met
ternich dazu, so ginge die Krone von dem Haupte Sr. apostolischen Majestät Ferdinand II. auf das zunächst berechtigte über, ohne daß die Kräfte des Staa- teS aufgerührt werden müßten. Der Friede ist Gott gefällig."
„Soll dieser Mensch, den ich hasse, Minister bleiben?" frug die Erzherzogin.
„Kaiserliche Hoheit," entgegnete der Priester mit seiner gewandten Gelassenheit, „hassen diesen Menschen ja nur, weil er allerhöchst Denselben im Wege steht und eine Macht besitzt, die allerhöchst Dieselben zu haben wünschen. Kommt aber die Krone auf ein Haupt, daS mit den Gedanken Ew. kaiserlichen Hoheit denkt, so ist eS von keinem Belang, daß der Fürst Metternich StaatSkanzler bleibt, denn er hat aufgehört cs zu sein, sobald Ew. kaiserliche Hoheit nur wollen."
„Sie haben Recht. So mag eS sein. Ich will selbst mit dem Fürsten Metternich reden, aber die Sache soll geheim bleiben und darum, mein ehrwürdiger Freund, übernehmen Sie die Botschaft an den Fürsten, daß ich ihn morgen, »ein heute noch erwarte."
„Ich bin zu Diensten, kaiserliche Hoheit."
„Doch lieber auf morgen, ich bin heute zu sehr angegriffen," erklärte die Prinzessin, „um t Uhr ist die günstigste Stunde."
