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Wöchentliche Pegleiterin des Rheingauer Volksboten
Vs. 18. Sonntag, den 3. Mai 1830.
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Die Geheimnisse des Palastes.
(Bruchstück aus einem noch »»gedruckten Mauuscript.)
(Fortsetzung.)
„Es muß so sein, Josephine," versetzte die Gc- neterin sanft, „sage Sr. königlichen Hoheit, daß ich ieute unwohl, mißvergnügt, zerstört sei, daß ich sie norgen sicher erwarte, sicher, hörst Du?" Die Kammerfrau ging langsamen Schrittes den Befehl ;u voll führen. Wenige Minuten später trat Pater Justinian in das Geinach der Erherzo- gin. Die Dame saß angegriffen, fast erschöpft auf dem grünsammtnen Divan, in ihrem bläulichen Auge loderte ein unheimliches wildes Feuer, ihre Brust hob und senkte sich in raschem Wechsel, die rothen Flecke in dem Gesichte der Erzherzogin waren entflammt und röther geworden, und wer die Dame in dieser Verfassung sah, mußte gestehen, daß viel Abschreckendes aber auch Großartiges in diesem Bilde ausgeprägt sei. Ein Weib von Glanz und Glück umgeben und so zernagt und zerfresse» von einer zügellosen Gier, die ihr den süßesten Trank vergällen, den herrlichsten Besitz verleiden, und über alles Wünschenswerthcste und Erlangte einen schwarzen Strich ziehen und sagen: das gilt nicht, so gab sich dieses Weib in diesem Moment beim ersten Anblick zu erkennen. Der fromme Mann, der eintrat, ohne
von der Dame sogleich bemerkt zu werden, blieb an der Thüre stehen und betrachtete mit großer Aufmerksamkeit sein Beichtkind, ohne daß er sich eines geheimen Grauens erwehren konnte. Dieser Diener der Kirche war in der gewöhnlichen Tracht der Weltgeistlichen, er trug einen schwarzen Frack, schwarze kurze Beinkleider, die sich in hohen Stieseln verliefen, eben so eine schwarze weißverbremte Halsbinde, sein Gesicht war ein gewöhnliches unbedcudentes bis auf Stirn und Augen, die dem prüfenden Kennerblick die beträchtlichen Geistesfähigkeiten dieses Mannes anzeigen mochten. Die Gesichtsfarbe war blaß und gelblich, die bei dem Hellen Lampenlichte zu einer unheimlichen Todtenfarbe wurde, dichte, dunkle Haare ließen eine sorgfältig gepflegte Tonsur sehen und wirkten verkleinernd auf das kleine Gesicht; die Gestalt war klein und schmüchrig zusammengedrückt, unansehnlich im eigentlichen Sinne des Wortes. Vermöge seiner äußeren Erscheinung war dieser Mann niemals unter dem Haufen besonders bemerkt worden. Sobald die Erzherzogin seiner gewahr wurde, verneigte sich der fromme Mann ehrerbietig und trat einige Schritte vor. Die vornehme Dame nickte grüßend mit dem Kopfe und sprach:
„Guten Abend Vater Justinian. Kommen Sie, ich habe heute sehr viel mit Ihnen zu reden."
„Ich bin bereit zu hören und das Beste nach meiner schwachen Einsicht zu rathen, kaiserliche Ho-
