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Volks - Bötin.

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Wöchentliche Begleiterin des Rheingauer Volksboten.

M 3.

Sonntag, den 20. Januar

1850.

Die schöne Beduinin.

(Scene aus meinem Militairleben in Algerien ) Von Bapti st M a ck a u er.

(Fortsetzung.)

Unter diesen Gefangenen erregte das schöne Be­duinenweib, Fatmeh genannt, das Wohlgefallen, die Bewunderung und Aufmerksamkeit sowohl der Soldaten, als der Offizire. Diese suchten aus alle mögliche, zuvorkommende Art ihre Lage durch Ge­schenke zu mildern und ihr durch ein galantes Be­nehmen die traurigen Stunden zu versüßen. Anfäng­lich schienen diese Höflichkeitsbezeugungen keinen gro­ßen Eindruck auf sie zu machen, denn immer blieb ihr klares Auge wie von einem geheimnißvollen Schlli- er umflort. Allmählig aber schien sie aus ihrem lethargischen Zustande zu erwachen; ihre holde Ge­sichtszüge heiterten sich in ein wehmüthiges Lächeln auf, ihr durchdringender Blick schweifte mit einer selbst­gefälligen Zufriedenheit über ihre Umgebung, ein neu erwachtes, niegefühltes Bewußtsein stieg aus ihrem empfindsamen Innern und belebte zauberisch ihre von Thränen gebleichten Wangen mit einer sanften Scham- röthe.Jn allen Handlungen, in welchen sich das Be­duinenweib als ein sehr vernachläßigtes, ungebildetes, scheuvolles, abergläubisches und knechtisches Wesen kund gibt, zeigte sich Fatmeh als ein von der Na­

tur reizenvoll gebildetes, mit höherer Denkungskraft begabtes, die äusseren Gegenstände rasch auffassendes und die weibliche Würde fühlendes Geschöpf. Mit einiger Laune unterhielt sie sich mit uns, fragte nach der französischen Benennung verschiedener Gegenstände, zeigte eine tiefe Auffassungsgabe und wußte dabei stets durch ihren persönlichen Stolz auf Frauenwürde die Neugierde Aller in einer ehrfurchtsvollen Ferne zu halten.

So oft eS mir Zeit und Umstände erlaubten suchte ich die Nähe dieses bemitleioswerthen Weibes, welches, wie man erfuhr, an demselben Tage unseres Aus­falles mit dem Tribut-Chef Bcn - Kanih verehligt worden war.

Nie konnte ich mich von Fatmeh trennen, ohne ihr trauriges Geschick zu beweinen, das sie an einen despotischen Gebieter band , welcher den glückseligen Besitz eines solchen Weibes nur durch den Genuß zu schätzen weiß und durch seinen unsinnigen Glauben, der dem Weibe eine unsterbliche Seele abspricht, sich genöthtigt fühlt, es zu verachten und zu den härtes­ten Arbeiten eines mißhandelten Sklaven zu verdam­men. Unwillkührlich drängte sich mir oft, wenn ich ihr in das liebesprechende Auge sah, die bittere Frage auf, wie sehr sie daS sorgenvolle Leben eines Man­nes verschönern und versüßen könnte, wenn, in den Schoß der christlichen Kirche ausgenommen, von den göttlichen Hoffnungen des Jenseits belehrt, sich in