Knieen zu uns gekrochen und baten flehendlich um ihr Leben. Wir sprachen ihnen Muth zu und geleiteten sie zu den übrigen Gefangenen.
Das ältere Weib, welches die Mutter des Kindes zu sein schien, unterschied sich von den übrigen Beduinen nur durch eine reinlichere und bessere Kleidung ; das jüngere aber war nicht nur durch seinen geordneten, hübschen Anzug sondern auch durch seine wollüstige Gestalt, seine blendend weiße', zarte, mit einem leichten Rothe übergossene Haut und Gesichtsfarbe, welche durch einige sternförmige Tättowirungen aufs Vortheilhafteste gehoben wurde, durch das schwarze, funkelnde Augenpaar, durch einen schongelockten Haarwuchs und die niedliche Hand - und Fußbildung das schönste Weib, welches ich je im Inneren Afrikas gesehen habe.
In der fröhlichsten Stimmung traten wir unsere Rückkehr an, welche sich jedoch bald in eine ernste umwandelte, indem die entronnenen Beduinen mit Hilfe ihrer Nachbarn uns das erbeutete Gut abzujageu versuchten. Die meisten Soldaten mußten ihre Hab- seligkeiten wegwerfen, um sich mit Vortheil schützen und die Feinde von den schwachbewachten Gefangenen und Viehheerden abhalten zu können.
Gegen Mittag erreichten wir sehr ermüdet und abgemattet unsern Camp, in welchem wir nach Abzahlung erfuhren, daß wir 6000 Schafe und Ziegen, 360 Ochsen, 24 Esel, 8 Maulesel und 12 Pferde erbeutet hatten. Die Gefangenen, welche aus Weibern und Kindern nebst einigen abgelebten Greisen bestanden, zählten 54 Köpfe, wurden in einen geräumigen Behälter gesperrt. Tags darauf erzählte unser Spion, daß 68 Todte in dem Tribute gezählt wurden, welcher somit für seinen Abfall und seine Ergebung an Bou-Maza auf das Wirksamste gezüchtigt worden war. Wir hatten an diesem lustigen Tage blos drei Verwundete und den Verlust zweier Pferde zu bedauern.
Der unvorsichtige Gewehrschuß konnte für beide Theile als ein günstiger Zufall gelten; denn dadurch wurde den Beduinen die Flucht und vielen Soldaten vielleicht das Leben gesichert. Jedenfalls würden die eingeschlossenen Feinde ihren Tod durch einen verzweiflungsvollen ^Widerstand gerächt nnd uns so eine empfindliche Niederlage verursacht haben.
Die Lage der gefangenen Beduinen unter Frank
reichs Obhut ist aus dem Gesichtspunkte eines Soldaten betrachtet eine höchst milde und sorgenfreie zu nennen. Den Tag über wurden sie in den freien Hofraum des Blockhauses gelassen; man verabreichte ihnen Brot oder Zwieback , Reis und Hammelfleisch nach militärischen Rationen berechnet; selbst Kaffee und Zucker, was den Beduinen als die größte Delikatesse gilt, wurde ihnen gegeben, und Soldaten waren bestimmt, ihnen das nöthige Wasser auS dem Flusse und das Holz von den Bergen zu holen. Denn so leicht wird der Araber nicht von einer durch Christenhände zubereiteten Mahlzeit kosten, mit Ausnahme des Brotes, welches sie sehr lieben.' Täglich führte man sie an daS Flüßchen, um sich baden und waschen zu können, sowie überhaupt der Araber die Bäder sehr hoch schätzt und daS hellste âuèllwasser, wenn er es haben kann, benutzt, um Hände und Füße reinigen zu können. Auf sein Gesicht verwendet er nicht so viele Mühe und begnügt sich, mit der rechten flachen Hand den Erdboden zu berühren und dann sein Gesicht zu überfahren, um die bei dem Morgengebete erforderliche Waschhandlung zu vollstrecken.
Sehr unangenehm und lästig wurden uns bald diese Gefangenen, welchen bei ihrer wirklich guten Behandlung nichts zu wünschen blieb, als ihre Freiheit in den wilden Gebirgen, welche dem Beduinen überaus theuer sind. — (Forts, f.)
Die Kammer der Weine.
Sendet man doch -aller Orten,
Vertreter in die Kammer ein, Oeffnet drum die Kellerpforten,
Auf, nun in die Kellerei'» :
Vorwärts roth' und weiße Weine! —
Meint ihr denn, daß ihr alleine
Vorwärts nimmer braucht zu gehn? —
Huldigt doch den Zeitideen.
Enrcn König wir euch lassen, Euren Wein von RüdeSheim l Doch cs will sich nicht mehr passen, Daß er herrschet so allein, Wisset: Constitutionen Gibt man jetzt als Zier den Thronen; Drum, ihre Weine, drauf und dran! Schaffet euch zwei Jammern an:
