Verlag Langgasse 27.
„Tagblatt-Hans".
Gchatter-Ha2e geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.
23,000 Abonnenten.
2 Tagcsausgnben.
Fernspreche»«
Serien (Expedition) 2953, Redaktion 52, Druckerei 2266.
Ruszcit von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.
BezugL.Preis für beide Aufgaben: S0P,g m°,ia«ich durch den Verlag Langgasje 27 . ohne Bringer- lohn. 2 MI. all Bffl. vlerteliadrliH durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellaeld - Ksiugs- Bestellungen nehmen austerden, entgegen: in Wiesbaden die h Zweigstellen, sowie die
Ul Ausgabestellen ln allen Teile» der ©tabt; m Biebrich: die dortige» 8» Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten »,,d i,n Rheuigau die betreffenden Tagblatt-Träger. -----..
Anzeigen-Preis für die Zeile: 15 Pfg. für lokale Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform; 20 Pfg. In davon abweichender Satzaussührung, sowie für alle übrigen lokalen Anzeigen; 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Mk. für lokale Reklamen; 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Rabatt.
Anzcigen-Ännahmc: Für die Abend-AuSgabe bis 12 Uhr mittags: für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags.
f ''*9* 1
Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen in die nüchstcrscheinende Ausgabe wird keine Gewähr übernommen.
Nr. 355
Wiesbaden, Samstag, 1. August 1908.
56. Jahrgang.
Morgen - Ausgabe.
1. WLcrtt.
Reise - Abonnements
auf das
„Wiesbadener Tagblatt"
können laglich brgonnrn werden und kosten wöchentlich bei direktem Versand frei an die aufgegebene Adresse
llllch Orten in DeuWM nnö Vc>tmeilh-UnMrn 60 Vsg.
.. .. m AnÄnnü.96 ..
Im MMrinrisungs-NerKchr in DentschiM
für einen Grt und laufenden Monat . 50 ,,
Vrsiellnngen beliebe man genaue wohnungsadreffe beizufügen.
Der Verlag des Wiesbadener Tagblatts.
Ein internationaler Störenfried.
Die südamerikanische „Republik der Vereinigten Staaten von Venezuela" umfaßt einen Flächenrauut von 1067 030 Quadratkilometern, die von nur rund 2% Millionen einer aus Spaniern, Indianern und Negern nicht gerade erfolgreich gemischten Rasse, unter denen sich nur wenig mehr als 20 000 Weiße befinden,' bewohnt werden. Ein Mathematiker könnte mit Leichtigkeit ausrechnen, welcher Anteil der hohen Politik und des internationalen Interesses auf diese 2% Millionen Venezolaner entfiele, aber es würde sich dann Herausstellen, daß die südamerikanische Republik weit über ihren internationalen Etat lebt. Während nach einem ungefähren Überschlag Venezuela etwa alle 22 bis 23 Jahre „drankommen" dürfte, beschäftigt e§ tatsächlich fast alle paar Monate die Diplomatie, und es gibt nicht allzu viel Staaten, die nicht im Laufe des letzten Jahrzehnts irgend einen Konflikt mit diesem verlottertsten aller amerikanischen Staatswesen gehabt hätten.
Im letzten Jahrzehnt oder besser Jahrnennt, denn die Flegeljahre Venezuelas datieren eigentlich vom 23. Oktober 1899, wo Sennor C i p r i a n o Castro als Diktator und Präsident seinen Einzug in Venezuela hielt, indem er seinem Vorgänger, dem General Andrade, die Zügel der Regierung mit Waffengewalt — es ist das der in Venezuela übliche Weg der „Präsidentenwahl" — entriß. Seit dieser Zeit ist die Revolution in Venezuela in Permanenz erklärt. Das könnte nun die anderen Mächte einigermaßen kalt lassen, denn zum Schluß hat jede Republik den Präsidenten, den sie verdient, wenn Herr Castro sich nicht dauernd über seine internationalen Verpflichtungen hinwegsetzte und sich die unerhörtesten Unbotmäßigkeiten gegenüber den anderen Mächten, die Großmächte nicht ausgenommen, leistete.
Um von den zahlreichen Konflikten Venezuelas mit den verschiedenen amerikanischen Staaten ganz zu schweigen, erinnern wir nur daran, daß Deutschland, England und Italien sich im Jahre 1902 genötigt sahen, die venezolanischen Hasen zu blockieren und die kleine Flotte zu konfiszieren, um den widerspenstigen Präsidenten zur Befriedigung der Forderungen deutscher, englischer und italienischer StaatzDangehöriger zu zwingen. Es war damals nicht leicht, Herrn Castro zahm zu machen, und es bedurfte zum Schluß sogar noch des Eingreifens der Vereinigten Staaten . von Amerika und der Tätigkeit des Haager Schiedsgerichts, bis am 15. Februar 1903 die Blockade aufgehoben werden konnte. In frischer Erinnerung ist ferner noch der Konflikt mit Frankreich, den Venezuela im Januar 1906 dadurch herbeiführte, daß es den Betrieb der französischen Kabelgesellschaft an der venezolanischen Küste plötzlich hinderte. Im April dieses Jahres brach Herr Castro einen Streit mit England vom Zaune, indem er durch den Pachtvertrag einer englischen Gesellschaft zur Ausbeutung des Salz-, Tabaks- und Beleuchtungsmonopols einen kräftigen Federstrich machte. Unmittelbar darauf folgte der Konflikt mit dem „großen amerikanischen Bruder", indem die venezolanische Regierung mehrere Konzessionen amerikanischer Gesellschaften annullierte und sich sogar herausnahm, amerikanische Postsäcke zu öffnen. Zum Schluß gab Herr Castro hier freilich klein bei. aber unterdessen hat er bereits Gelegenheit zu nckuen Taten gefunden, die sich diesmal gegen das Königreich der Niederlande richten.
Den Holländern gegenüber hat Herr Castro eine ganze Leporelloliste von Missetaten auf dem Gewissen. Die venezolanische Regierung hat holländische Schiffe überfallen und auf ihnen Regierungsbriefe konfiszieren lassen, holländische Staatsangehörige wurden schikaniert und geschädigt, und endlich wurde sogar der diplomatische Vertreter der Niederlande, de Rens, aus dem Lande verwiesen. Herr Castro glaubt allerdings besonderen Anlaß zum Mißmut über Holland zu haben, und zwar aus folgendem Grunde: Die westindischen
Besitzungen der Niederlande, besonders die Insel Curaxao, liegen sehr nahe der venezolanischen Küste. Wenn nun in Venezuela die landesübliche Revolution ausbricht und zu einer Niederlage der Aufständischen führt, so machen diese alsbald ihre Promenade nach Curaeao, nicht um dort den Likör zu trinken, der die Insel Curagao berühmt gemacht hat, sondern um sich in Sicherheit zu bringen und von diesem holländischen Gebiet aus die nächste Revolution vorzubereiten.
Das ist der Hauptgrund von Castros neuesten Heldentaten, denen gegenüber sich „Holland in Not" befindet. Denn die Holländer verlangen im Parlament wie in der Presse ein entschiedenes Vorgehen gegen Venezuela, während die holländische Regierung wenig Neigung dazu hat. Nicht als ob sie die aus drei Kanonenbooten, einem Transportschiff, einem Schleppschiff und einem Torpedoboot bestehende venezolanische „Flotte" fürchtete, und auch das mit der Miliz angeb-
lich 100 000 Mann starke venezolanische Heer würde die Holländer nicht schrecken, denn es besteht hauptsächlich aus jenen Freiwilligen, über die ein venezolanischer General dem anderen schrieb: „Anbei eine Anzahl Freiwilliger, bitte jedoch Stricke und sonstiges ^Bindematerial zurückzuschicken." Aber der Grund dafür, daß die holländische Regierung mit einem Vorgehen gegen Venezuela noch immer zögert, liegt darin, daß die Herren Venezolaner angesichts der ihnen angedrohten Flottendemonstration hohnlächelnd zu sagen pflegen: „Kommt nur mit euren Schiffen die Berge herauf!" Jedenfalls ist es ein höchst unerfreulicher Zustand, daß die Mächte sich in dieser Weise von der kleinen venezolanischen Republik auf der Nase herumtanzen lassen müssen, und wir werden es zum Schluß noch erleben, daß die dritte Friedenskonferenz mit der lakonischen Tagesordnung einberufen wird: Castro!
Politische Uversrcht.
Polnische Bekenntnisse.
Der bekannte Künstler Paderewski, der sich schon wiederholt als Großpole schärfster Observanz erwiesen hat, ist neuerdings, wie das „Posener Tageblatt" erfährt, in einer Versammlung in Buffalo als polnischer Sendbote ausgetreten, indem er den Polen in Amerika Grüße von ihren Landsleuten „an dem Sau und dem podolischen Dnjester, an der schlesischen Oder und der Königin der Flüsse, unserer Weichsel, von den Bewohnern des Tatragebirges und den Kassuben an der Ostsee überbrachte und dann fortfuhr: „Ich bin berechtigt, so zu sprechen, denn ich glaube daran, daß in naher Zukunft alle diese Landesteile ein einziges, freies, unabhängiges Vaterland bilden werden und daß die Polen in Amerika durch ihre Arbeit, Betriebsamkeit, warme Liebe zu dem Heimatlande, durch ihre sittliche und materielle Hilfe zur baldigen Verwirklichung unserer Träume und Ideale beitragen werden." Nun mag wohl mancher geneigt sein, Herrn Paderewski nicht ernst zu nehmen und ihm zuzutrauen, er habe durch diese Ansprache nichts anderes bezweckt, als seine polnischen Zuhörer für seine künstlerischen Darbietungen zu erwärmen. Daß er das nebenbei bezweckt habe, ist ja nicht unwahrscheinlich. Jedenfalls aber steht er mit seiner Verkündigung der Nähe des großen Jahres, das die polnischen Träume verwirklichen werde, nicht allein. Das „Posener Tagblatt" nennt denn auch noch einige andere Polen, die sich im Sinne Paderewskis neuerdings geäußert haben. Es verdient hinzugefügt zu werden, daß vor nicht langer Zeit in einem in Warschau erschienenen Polenblatte frank und frei erklärt wurde, „im Posenschen" erwarte man allgemein, daß im Jahre 1913 die Stunde der Befreiung schlagen werde. Zweifellos hat auch Paderewski von dieser Erklärung gehört, die überhaupt in weite polnische Kreise gedrungen zu sein scheint. Hieraus erklärt es sich wohl auch, daß in neuester Zeit
Feuilleton.
Nachdruck verboten.)
Himinelsrrschernungen im August.
Mit der Abnahme der nördlichen Deklination der Sonne non 18° 4' 43".7 am 1. August bis auf 8° 43' 0".6 am 31. August vermindert sich auch die Höhe ihres Tagbogens, im mittleren Deutschland von 55% auf 4614 Grade. Demgemäß büßen die Tage während des Monats mehr und mehr an Länge ein,' in Norddeutschland nehmen sie von 15% auf 13% Stunden, in Mitteldeutschland von 15% auf 13% und in Süddeutschland von 15 auf 18% Stunden ab.
Am 23. August, an dem die Sonne aus dem Zeichen des „Löwen" in das der „Jungsran" tritt, erreicht die genau einen Monat währende Zeit der Hundstage ihr Ende.
Der Phasenwechsel des Mondes vollzieht sich i>m August in nachstehender Weise: Erstes Viertel am 5. um 10 Uhr 40 Min. vormittags, Vollmond am 12. um 6 Uhr 59 Min. vormittags, letztes Viertel am 18. um 10 Uhr 25 Min. nachmittags und Neumond am 26. mn 11 Uhr 59 Min. nachmittags. Der Mond befindet sich am 12. August um 10 Uhr vormittags in Erdnähe bei einem Abstande von 55.98 Erdhalbmessern und am 26. August um 7 Uhr in Erdferne bei einem Abstande von 63.75 Evd- halbmessern L 6878 Kilometer.
Die Planctenbeobachtnng gestaltet sich im August nicht wesentlich besser als im Juli, obwohl die Nächte schon beträchtlich länger sind,' die meisten der großen Wandelsterne stehen bei Tage am Himmel und bleiben deshalb verborgen. Merkur, der am 20. August um 4 Uhr nachmittags in obere Sonnenkonjunktion kommt, also hinter der Sonne weilt, bleibt unsichtbar. Am 19. um
7 Uhr früh hat er mit dem Planeten Jupiter Konjunktion und steht dann 1° 2' nördlich von diesem, am 20. um 9 Uhr abends nähert er sich den, Mars nördlich vis auf 40' und am 21. um 3 Uhr früh dem Regulus (Alpha des „Löwen") nördlich bis auf 1 ° 28'. — Venus, in den „Zwillingen", steigt morgens beständig höher am Ost- himmel empor und ist anfänglich eine, zuletzt mehr als drei Stunden zu beobachten. Ihre mit der konvexen Seite der Sonne zu, d. h. nach links unten, gekehrte zunehmende Sichel erreicht am 11. August den größten Glanz. — Mars ist im August unsichtbar, weil er am 22. um 7 Uhr früh in Sonnenkonjunktion tritt: er bleibt auch noch im September verborgen und taucht erst im Oktober wieder am Morgenhimmel auf. Konjunktionen hat er am 14. August, 2 Uhr morgens, mit Jupiter, von dem er nur 24' nördlich absteht, am 20., wie schon erwähnt, mit Merkur, und am 21. um 3 Uhr nachmittags mit „Regulus", an dem Mars 44' südlich vorübergeht. — Jupiter, der am 17. August um 9 Uhr abends in Sonnenkonjunktion kommt, kann ebenfalls nicht gesehen werden. Seiner Konjunktion mit Mars am 14. und mit Merkur am 19. haben wir bereits gedacht. — Saturn macht eine erfreuliche Ausnahme, er erscheint im Sternbild der „Fische" zu Anfang August schon vor 10 Uhr abends im Osten und strahlt dann in seinem ruhigen Lichte während der ganzen Nacht am östlichen, südlichen und südwestlichen Himmel. Saturn ist sehr leicht zu finden, da er als Gestirn 2. Größe in einer von helleren Sternen freien Gegend sich aufhält. Wer im Besitze eines besseren Fernrohres ist, das mindestens eine SOfache Vergrößerung verträgt — ein gutes zweizölliges Objektiv genügt bereits hierzu —, wird jetzt das stetig in seiner scheinbaren Breite wachsende Ringsystem erkennen. Noch volle sechs Fahre (im ganzen sieben) nimmt die Öffnung der Ringellipse, die sich im vorigen Jahre bei ihrer Kantenansicht völlig geschlossen hatte, zu, um erst dann,
wieder sieben Jahre lang, ihre Öffnung zu verringern. — Uranus, im Sternbilde des „Schützen", kulminiert zwar anfangs August schon um 10 Uhr abends, besitzt aber bei mehr 23 0 südlicher Deklination einen so tiefen Stand, daß sich seine Beobachtung ungünstig gestaltet. Sein Standort ist am 14. August: Rektaszension 18 b 59 m, Deklination — 23 ° 11'. — Neptun, in den „Zwillingen", kann mit größeren Instrumenten am Morgenhimmel einige Zeit beobachtet werden: seine ' Position ist am 14. August: Rektaszension 7 b 8 m 50 s, Deklination
% 21 0 41' 44".
An Sternschnuppen hat der August keinen Mangel, er nimmt in dieser Beziehung mit dein November die erste Stelle unter den Monaten ein. Die hauptsächlisten der Erde begegnenden Meteorschwärme umfassen nach E. Weiß folgende Zeiten: 27. Juli bis 4. August, 7. bis 11., 7. bis 12., 8. vis 9., 9. bis 14., 12. bis 13., 12. bis 16., 20. bis 25., 21. bis 28., 28. August bis 1. September und 25. bis 30. August. Von allen diesen Schwärmen, deren Ausstrahlungspunkte natürlich eine sehr verschiedene Lage haben, zeichnen sich besonders die vom 9. bis 14. August durch Meteorreichtum aus. Die Körperchen strahlen hierbei vorwiegend bei dem Sterne Gamma des „Perseus" aus, der abends im Nordosten sich erhebt: sie heißen deshalb „Perselöen" oder auch, weil sie am 10. August, dem Laurentiustage, am' zahlreichsten auf- treten, „Tränen des hl. Laurentius". Ihre Häufigkeit steigert sich gegen Morgen.
Für die Beobachtung am Fixsternhimmel eignen sich der Anfang und die zweite Hälfte des August am meisten, da der Mondschein vom 6. bis 17., wenigstens in der bequemer liegenden Nachtzeit, störend wirkt. Abends gegen 10 Uhr gewahren wir im Osten den „Widder", darüber die „Andromeda" mit dem berühmten Spiralnebel, rechts daneben den „Pegasus" und darüber in der Milchstraße nahe dem Zenith den ,-Schwan", im Zenith selbst die
