Unsre Heil'ge deutsche Sache Grünt durch Rußlands Kniffe auf, Jedes deutsche Herz hält Wache In der Zeiten kühnem Lauf.
Nach den Kniffen kommt die Rache, Furchtbar wird die Sühnung sein; Und für unsre heil'ge Sache Stehet Mann für Mann dann ein.
Noch verhüllt das Schwert die Scheide, Schleswig-Holstein kämpft allein, Bald, doch bald, wird im Geleite Es mit vielen Brüdern sein.
Denn der großen deutschen Eiche Ew'ges Recht cs bricht sich Bahn, Und sie leget ihre Zweige Ueber Schleswig-Holstein an.
Schon wirft sie als Freundschaftsgabe Manche Frucht den Söhnen zu, Daß die Kämpfenden sie labe Und die Wunden decke zu.
Wachet unter dieser Eiche Deutsche! aus den Gauen all, Und verseht die stritt'gen Zweige Mit den Gaben überall.
Bald, ja bald, wird aus der Eiche Treten eine Kriegerschaar, Wenn es klar wird jedem Zweige,' ' Was ihm Schleswig-Holstein war.
Und — was deutsches Volk erkannte, Wirft vereinter Feind nicht um, Wenn im deutschen Vaterlande Einheit das Palladium.
Der Kladderadatsch-Kalender für
1831.
Kladderadatsch, dieser kleine Kobold mit dem großen Kopf, der spirituosen Nase und den lachenden Augen, der jeden Sonnabend aus dem Reiche der Geister erscheint, um den Kindern der Erde den Kopf zu waschen; Kladderadatsch hat auch in diesem Jahr wieder, wie im vorigen, einen „humoristisch-satyrischen Volkskalender" mit Beiträgen von Kalisch, Dohm und K o f fa ck, und mit vielen Bildern von W. Scholz, dem Kladderadatsch des Kriffels, für den civilen Preis von 10 Sgr. auf dem Altar des Vaterlandes nieder- gelegt. Er hat damit ein Problem gelöj't, über welches sich vor wenigen Tagen ein verrückter Hofrath in den Steppen der Kreuzzeitung den Kopf zerbrochen
hat, nämlich: wer eigentlich das Volk sei? Das Volk ist offenbar die Gesammtsumme derjenigen, welche den Volkskalender, den Kladderadatsch, lesen. Diese Definition schließt von dem Begriffe „Volk" nur eine Klasse von Menschen auS, nämlich die vor dem Erscheinen deS Kalenders Verstorbenen. Vollkommen ist indessen keine Definition. Was den Inhalt anbetrifft, so steht Kladderadatsch als Kalendermacher offenbar hoch über der Kalender-Deputation, indem er die Zeit und die Zeitläufe entschieden besser kennt, als sie. Er hat die Heiligen aus seinem Kalender verbannt, mit Ausnahme der Juden, ohne welche einmal Nichts zu Staude kommen kann, am wenigsten ein Kladderadatsch-Kalender. Diejenigen, welche gern lachen, daß ihnen der Bauch wackelt, werden sich halb todt lachen, wenn sie den unter dem Haupttert fortlaufenden „Jüdischen Kalender" lesen; wogegen denjenigen, welche sich lieber halbtodt lachen, der Bauch wackeln wird, wenn sie den Haupttert lesen. Im Allgemeinen ist der Inhalt allerdings ernster Natur. So finden wir namentlich sehr scharfsinnige Reflekio- nen übes psychologische- chemische, medicinische und technische Gegenstände: z. B. den Satz:
„die reactionäre Gesinnung vieler Berliner ist nur plattirt, bei der ersten ordentlichen Reibung wird sie roth."
Diese Ansicht ist von einigen, als tüchtige Sachkenner bewährten Geheimräthen vom Gewerbe-Institut als richtig anerkannt worden; auch die politechnische Gesellschaft soll sich zustimmend ausgesprochen haben. Man vermuthet, daß in Folge dessen das Königs. Leihamt angewiesen werden wird, auf die reactionäre Gesinnung der Berliner nichts mehr zu geben. — Für diejenigen, welche der Gemüthszustand des Kaisers von Rußland intereffirt, bringt der Kladderadatsch-Kalender die erfreuliche Nachricht:
„daß der Kaiser für jetzt mit Deutschland Mitleid hat, in der Folge aber vielleicht sogar theilnehmend werden wird,"
was allen wahrhast patriotischen Finländern gewiß zur Beruhigung dienen muß. —-
Wie sehr Kladderadatsch den Namen eines „G e- lehrten" verdient, beweist er durch die Uninersali- tât sejnes Wissens. Auch in der Medizin ist er Meister und hat dieselbe durch die Erfindung einer neuen Heilmethode bereichert, die er in folgender medicinischen Abhandluug mittheilty
„Womit kurirt man einen kranken Fürfirn am besten? Wenn man ihn N i ch t s einnehmen läßt."
Diese Methode, die billiger ist, als die Wasserkur, und noch wirksamer, als die Schmierkur, hat nur den Nachtheil, daß die Medicin, obgleich sie an sich geschmacklos ist, doch dem hohen Patienten schlecht- schmeckt. Sie ist kürzlich bei einem sehr hartnäckigen Uebel in Kassel angewendet worden, und eö hat sich
