M 17. Sonntag, den 2$. April 1850.
Die Geheimnisse des Palastes.
(Bruchstück aus einem noch »»gedruckte» Mannscript.)
(Fortsetzung.)
„Um Gottes Willen, was willst Du beginnen, Sophie?"
„Zitterst Du? Ich zittere nicht. Leg' Dich ruhig schlafen, ich will Dich wecken, wenn es gethan ist."
„Was hast Du vor?" frug der Erzherzog bestürzt.
„Dich will ich auf den Thron heben, Dich, Franz."
„Du weißt nicht, waS Du unternimmst," entgegnete der Erzherzog.
„Genug der Worte!" gebot die Erzherzogin mit einem strengen wilden Blick auf ihren Gemahl; „ich will cö so und cS bleibt dabei!"
Der Erzherzog wagte keinen Widerspruch mehr, denn er kannte die Bedeutung des wilden Blickes, er warf sich auf ein Sopha und blieb da schweigend, den Kopf auf die Hand gestützt, sitzen.
Die Erzherzogin aber kehrte ihrem Gemahl ärgerlich den Rücken, ging an das Fenster und blickte starr in die Dämmerung hinein, keineswegs mit dem Anblick, sondern mit rastlos arbeitenden Gedanken beschäftigt, die ohne Aufhör Pläne schmiedeten, hochragende Schlösser bauten, aber nicht etwa in der
Luft, sondern auf festerem Grund. „Ich habe einen Herrscherstamm geboren und ich soll mich vor einem Diener der Familie oder vor einem bewußtlosen stumpfen Gliede derselben beugen? Nimmer mehr!" sagte sie wiederholt zu sich selbst, um ihren Muth und ihre Entschlossenheit zu beleben.
Das Dunkel nahm zu. Das Schweigen, die Siille in dem Zimmer dauerte so^ lange fort, bis sie durch einen Diener, der Licht brachte, unterbrochen wurde. Die Erzherzogin kehrte sich um und befahl dem Diener, ihren ältesten Sohn in ihr Gemach bringen zu lassen und zog sich, ihren Gemahl nach der Forderung des Anstandes grüßend, dah'n zurück.
Ein Kammerdiener brachte den kaum 7jährigen Erbprinzen. Die Muttter umarmte das Kind mit heißer, flammender Zärtlichkeit; zu dem wartenden Kammerdiener sprach sie: „Geh'! hole den Prinzen in einer Viertelstunde ab." Dieser gehorchte.
„Wirst Du Deine Mutter stets vor allen Anderen hoch in Ehren halten, Joseph?" frug sie das Kind, welches die Frage kaum begriff.
„Ja, Mutter!" antwortete der Knabe.
„Weh' Dir!" fuhr die Mutter auf unb stierte das Kind mit feuersprühenden Augen an, „wenn Du das jemals zu thun unterlaßest." Das Kind erschrakt und sing zu weinen an, als eS seine Mutter sich so geberden sah.
