weinten wir Beide wohl über eine Stunde, Er vor Freude über meine Großmuth und ich vor Freude über seine Freude. Ich sage Dir, lieber Michel, cs war ein rührender Moment; ich muß noch jetzt weinen, weinen so oft ich daran denke. Aber eS wurde bald vergnügter. Wir wollen nun Beide hübsch beisammen bleiben, sagte er zu mir. 'Ja! sagte ich zu ihm, küßte ihm die Hand und brachte ihm ein Hurrah. Darauf schlug er mich zärtlich und herablassend auf die Backe und sagte zu mir : komm her lieber Freund , — so wahr ich lebe: He* ber Freund! hat er zu mir gesagt — komm' her, laß' Dich hier an meiner Seite nieder uud hilf mir bei dieser Arbeit. DaS that ich. Wir drehten zusammen sehr starke, dicke Stricke und mir fiel dabei ein Witz ein, daß ich meinem früheren Feinde, so unschicklich es war, geradezu ins' Gesicht lachen mußte. Ja, sagte ich, wenn Du solche Stricke früher gehabt hättest, da wäre eS nicht so leicht geworden! Hahaha, ich muß noch jetzt über den Witz lachen. Und daraus........doch ich bin nicht hierher gekommen, um Dir so interessante Geschichten zu erzählen. Ich habe vom deutschen Kaiser den Auftrag, Dich grob zu behandeln und Dir Deine Sünden vorzuhalten. Und daS will ich, so wahr ich ein Narr bin und der Dreikönigstag mein Geburtstag ist.
Du willst frei sein, Michel? Warum bist Du es nicht? Sieh mich nicht so kalbsâugig an: die Frage ist so gescheidt und statthaft, wie irgend eine Deiner klugen Leute, die Dich durch ihre Bildung so glücklich gemacht haben. Warum bist Du nicht frei? Deine Fürsten, Deine Ercellenzen wollen es nicht? DummeS Zeug! Mit diesen Paar Leuten würdest Tu schon fertig werden, würdest Dich schon auf geeignete Weise mit ihnen verständigen, wenn die Schuld dort läge. Bedenke, wie Dich unsre Nachkommen auSlachen müßten, gäbst Du daS als Ursache Deiner Leiden an! Statt daß sie, wenn Du einst aufgehört hast, Steuern zu zahlen, an Deinem Grabe stünden, wehmüthig den Kopf schüttelten, würden sie' ihre Kinder auf der ersten Ruhestätte Deines Lebens umherspringen und jauchzen, Schule, Soldaten und Räuber spielen lassen. Blamire uns nicht vor unsern Enkeln, such' eine andere Auflösung Deiner ' ' ls. Du findest keine? Gut,
ich will sie Dir nennen: Du b i st n i ch t frei, weilDu nicht frei bist. Schon wieder siehst Du mich so kalbsäugig an, da doch mein AuSspruch so fest steht, daß er eher einen Logiker oder Mathematiker umstoßen würde, als diese ihn. Du bist nicht frei, weilDu nicht frei bist. Verstehst Du, nicht frei bist. Verstehst Du mich nun? Laster und Verbrechen sind Deine Tyrannen, Sünden Deine Schergen. Du knechtest Dich selbst. Du bist nicht frei, weil Du ein Esel, ein Kriecher, ein Selbstling, ein Philister, ein feiger Bube, ein Despot, ein . . . . doch: Alles Hüsch in der Ordnung ! wie mein kaiserlicher Herr zu sagen pflegt, wenn er Todesurtheile unterschreibt. (Forts. folgt.)
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Klage eines Zeitungsschreibers.
O HERR, der du die Kinder Israels trockenen Fußes durch daS rothe Meer leitetest, und den Propheten Elias in einem feurigen Wagen gen Himmel führtest: o Herr Zebaoth, willst du nicht endlich auch die unglückselige Affaire von Rom endigen? Wir armen Zeitungsschreiber sind doch so zu sagen auch Menschen und wüßten manchmal auch etwas Besseres zu thun, als jeden Morgen von Neuem die abgestandenen Mährchen der päpstlichen Wunderhistoriker zu widerlegen. Gerechter Vater! eS soll keine Blasphemie sein, aber wir möchten gar zu gern manchmal etwas anderes essen, als Rüben, und haben doch alle Tage, die du unS schenkest Rüben, — lauter Rüben, immer Rüben, und vollends gar nichts, als alte Rüben ... Herr, erbarme dich unser! —
In gewö hnlichem, unbiblischen Sinke zu reden, erklären wir abermals, ungefähr zum 999sten Male, daß der Papst noch kein Geld hat, und daß er auch am 2. April wieder die Welt in den April schickt. Damit aber doch endlich einmal eine der schrecklichsten Langweilereien aufhören, diese in der Geschichte vorgekommen sind, so wünschten wir dringend, daß der Papst entweder wirklich nach Rom zurückkommen, oder aber (waS auch gut wäre) definitiv und ohne Umscheife draußen bleibe. — Im Interesse der Menschlichkeit stellen wir diesen Antrag. Wenn daS schauerliche geheime Konsistorium zu Portici binnen Monatsfrist nicht darauf eingeht, so suchen wir Schutz bei irgend einem Vereine gegen die Thierquälerei; denn was zu arg ist, ist zu arg, sagt Meyer von Hamburg, und der Meyer hat Recht, und damit Basta! denn wir prästiren'S nicht mehr. — Sollten wir jedoch von den so eben nach Rom gereiften Kirchcnglocken etwas Bestimmtes über diese Angelegenheit erfahren, so werden wir dennoch nicht verfehlen, cS unsern Lesern mitzutheilen.
