anzustaunen, aber eben so erfreut der zarte Sinn und die gemüthliche Poesie, welche so manchen,,Art der Feier schmückt und adelt. Man ist saum im Stande, beides mit einander zu vereinigen und kann leicht zu der Ansicht kommen, die alten Sarmaten, von welchen sich solche Gebräuche -rlnver- ändert bis auf die Gegenwart vererbt haben, müssen ein edleres und feiner fühlendes Geschlecht gewesen sein, alö ihre jetzigen Nachkommen. Besonders zahlreich und e schön ist bei allen Festlichkeiten die Menge älter allegorischer Scenen'/ kein Gleiches wird in Deutschland mehr gefunden. Man hält auf diese Scenen, wie die, katholische Kirche auf ihre Ceremonien und würde es für eine Sünde halten, sie zu verfälschen oder zu übergehen. ,
Der Gutsherr hatte sich mit der Hochzeitgesellschaft in daS Schenkhaus begeben und befahl seinem Wirth ein Fäßchen Branntwein. und ,,eine Tonne <- ^Bser unentgeltlich sowohl an die Hochzeitsleute, wie — • §^, die Zuschauer aus dem Orte zu verschenken. .. Darüber entstand ein maßloser Jubel und Alles drängte sich heran, um dem gütigen Gutsherrn zu , Füßen zu fallen und seine Kniee zu umarmen. —
Man sieht aus diesen Schilderungen ungefähr, in welcher Weise sich in Galizien die Verhältnisse zwischen Bauer und Edelmann geändert haben. Manche Ansprüche hat der Grundherr aufgegeben, vornämlich die, welche ihm im Wesentlichen nickt nützlich waren. Dagegen macht er sich den Bauer für die wichtigeren Dienste zurecht, indem er ihm diese durch eine Art Honiganstrich versüßt. Der B^uer aber, zu roh, um den Werth der Servituten. und Gegenleistungen., vergleichen zu können, wird trotz des RobotenentschädigungsdecretS mehr und mehr in das alte Gleis seiner Pflichten zurückgezogen. Ucbrigens möchte ich nicht behaupten, daß das Fortbestehen dieses patriarchalischen Verhältnisses von Dauer und daß der gegenwärtige Zustand mehr sei, als ein Hau.tüberzug . über einer ungeheilten Wunde. Haben doch einzelne Edelleute ,selbst nach dem fürchterlichen Bauernaufstand, ihr auffahrendes Wesen nicht ablegen können und in derselben
Schenke den Branntwein des gastlichen Edelni^ trank,. brannte an der kleinen WiSloka ein Ek nieder, den die Bauern angesteckt hatten. — .
(Grünst
Schloß Vollraths. i
Die Welt, die schöne, nroye Welt -ist krânf, Ach, am Faulsieber liegt sie arg danieder; Man sollte schließen, aus dem Streit und Zank, Sie habe wahrlich ganz gesunde Glieder.
Und diese sind auch sehr gesund. Der Geist, Der sie regieren soll- und kräftig lenke», Nur der iit siech; wenn er auch manchmal schweißt, D rS$« deutsche Frost macht ihn.schnell anders denken.,*
Auch meine Seel' sucht in der Ebb' und Flut Des Menschen - Treibens eine sichre Stelle, Wo sie ihr flottes Schifflein bring in Hut, Daß die Gedankenladuug nicht zerschelle.
Doch nirgends findet sic den sichern Port — Berzweiflungsvoll stürzt sie sich in die Wogen; Der Kahn mag untergeh'n, sie schwimmt fort Und kommt ans Land. Ein Gott war ihr gewogen.
Ein schönes Plätzchen in den deutschen Gau'u Will sie erwählen , wo sie ungestöret Des Volkes Thun jitnb Lassen kann beschau'», - Und wie ein Mensch bén Andern arg bcthöret.
A» lichter Himmelsbahn ein Heller.,Stern ''__ Geleitet sie zum Fuße süßer Reben Ins schmucke. Bergthal, das., vom Rbem nicht fern, Von hohem LandschasUtzaubcr ist umgeben.
Schloß Vollraths fesselt mächtig ihren Blick, Von diesem Reiz kann sie ihn nimmer »enden; Sie möchte hier erliegen dem Geschick Uiit hier die wirren Erdenlage enden.
Ein Kämmerlein will sie beziehen nur Jm hohen, festen Thurm , von da zu schauen Rings auf die paradiesische Natur Uud nach dem Silberstrom mit seinen Auen.
So will sie leben von der Welt getrennt, Die Brücke, die zum Thurm führt, reißt H' nieder, . Und ruft dann Jedem, der da Mensch sich nennt: „Geh' fort, bleib Sklav, sei feig, wie Deine Brüder Ringsum den Thurm bespült ein kleiner See,
• Ju den der Seele heiße Thränen fallen, Das hiitre Eleyd macht ihr^ticfes Weh, Das sich der Mensch geschaffen, sich und Allen,
Die seiner Schwächen reiche Erbe» sind. Und wie die Ahnen nimmermehr genesen.
/, So lgng auf diesem Erdculgbprinth
; Die zweite Sündflut ist noch nicht gewesen. Geiseubeini, den 4. Märzlsö«.
N. Mackar»
