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Bolks - Bötin.

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Wöchentliche Kegleiterin -es Nheingauer Volksboten.

Jo 8. Sonntag, den 24. Februar 1850,

Eine Bauernhochzeit in Galizien.

Vor dem Schlosse tönt Musik. Drei jüdische Musikanten spielen dem Brautzuge auf, welcher vor den Palast des Gutsherrn gezogen ist.

In keinem Lande Europa's sieht es so traurig mit der Musikkunst aus, als in dem Gebiet des alten polnischen Reichs. In den größeren Städten findet man zwar sehr tüchtige Musikchöre, die übrigens meist aus Deutschen bestehen, und manches Forte­piano klingt auf die Straße hinab, zum Beweis, daß es auch hier kunstfertige Hände und feinhörende Ohren gebe. Aber in den meisten der kleinen gali­zischen Städte, in denen keine Militärbesatzung liegt, ist nur ein einziges Instrument, der Leierkasten des SchenkwirtheS, nach welchem die Bürgerschaft tanzt. Die Dörfer sind noch traurigere Wüsten. Ein Mu­sikus findet sich allerdings in jedem, aber dieser ist fast immer eine groteske Karrikatur, ein Bauer oder Knecht, der von den gütigen Göttern mit einigem Kunsttriebe gesegnet ist, sich im Drang der Leiden­schaft eine Geige auf dem Jahrmarkt gekauft hat und auf dieser einige Töne nach dem bestimmten dreischlâgigen Tanzakt herauszubringen lernt. Er kann gewöhnlich nur einen einzigen Gang von einem vollständigen Stück ist die Rede nicht er

geigt ihn aber ohne Unterbrechung wiederholt, so lange der Tanz dauern soll, und beim zweiten Tanze von Neuem. Dieser begabte Mensch thut sich ge­wöhnlich auch in anderer Weise hervor, betreibt die Kunst des Rasirenö und HaarabschneidenS und kurirt Vieh, ja selbst Menschen. Der schönen Kunst ver­dankt er den Titel Musikant, auf welchen sich der Armselige gewöhnlich nicht wenig zu gute thut. Er hat aber auch das Glück, seine einzige eigene Com- position von 8 Takten immer und immer wieder vor­zutragen.

Dafür wird er zu jedem Feste, auch wo er nicht zu geigen hat, eingeladen, und sollte ein Bauer es irgend einmal aus Gründen vorziehen, den Mu­sikanten eines anderen Dorfes in Dienst zu nehmen, so versäumt er gewiß nicht, den einheimischen zu entschädigen.

Den Juden ist die musikalische Verwahrlosung des Landes, in welchem sie leben, nicht entgangen und eine sehr richtige Spekulation hat sie hier und dort veranlaßt, die Musik zu ihrem Erwerbsgeschäst zu machen. Gewöhnlich bilden drei Personen, von denen zwei mit Violinen, eine mit einem Violon­cello versehen, eine Gesellschaft. Sie spielen nach Noten und haben ihre Instrumente schulgerecht er­lernt, wenngleich wohl den wenigsten von ihnen