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unserm Dorfe Arbeit fand. Der Bursche war flei­ßig und brav, und nachdem er mehrere Jahre lang bei einem Meister treu und ehrlich gearbeitet hatte, nahm er ein braveS Mädchen im Dorfe zur Frau und ward selbst Meister. Damals verfuhr man noch nicht so strenge besser Aufnahme in die Gemeinde, als jetzt.'.Paß "Md Wanderbuch wurde es nicht so genau genondmm. x Es waren Kriegszeiten, und GescAew selten, weil man der Soldaten so viele brauchte. U^ PiÜr Aahre fang lebte Meister Wil­helm, man Mur sagen', M häuslichen Glück; denn er hatte dur^ seineselbst in der Stadt gesuchte Ar­beit ein hinreichendes Auskommen. Auch seine Frau hatte ihm ein paar Aeckerchen und eine schone Wiese zugebracht. Er zog seine Kinder in der Furcht und Vermahnung des Herrn auf und ward selbst, weil er in der ganzen Gemeinde geachtet war, zum Kir­chenvorsteher gewählt. Nur Eins fiel den Leuten auf: Meister Wilhelm konnte in der fröhlichsten Ge­sellschaft still für sich dasitzen, ohne auch nur eine Miene zum Lachen zu verziehen, Sonntags nach der Mittagskirche ging er gewöhnlich allein in das Feld oder in den Wald spazieren, und ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich ihm als Knabe von zehn bis zwölf Jahren in der Einsamkeit begegnete und vor dem ernsten blassen Gesichte wahrhaft erschrok- ken bin.

Meister Wilhelm drückt Etwas auf dem Herzen, was es auch sein mag!" sagte meine Mutter, der ich meine Begebenheit erzählt hatte.Jeder hat sein Bündlein, aber doppelt drückend muß es sein, wenn man es allein zu tragen hat. Bewahr' unS, lieber Gott, vor geheimem Seelenkummer!"

Ich sah den Meister Wilhelm alt werden; aber er blieb üch immer gleich. Ernst und mild, ruhig und besonnen trieb er sein Geschäft, erzog er seine Kinder, war er im Rath, in Freud und Leid. Ob­gleich sonst die Leute im Dorfe am liebsten mit den redseligen Leuten verkehren, so war doch Meister Wilhelm gerade seines stillen Wesens wegen allge­mein geliebt; und auch ich war jedesmal froh, wenn er Etwas im Hause zu leimen oder zu hobeln hatte, An Niemand anders, als an Meister Wilhelm wur­den unsre Nußbäume verkauft, und mancher Rath in der Stadt schläft in einer Bettlade, deren Holz in unserer Gemarkung gewachsen ist. Als mein Va­ter, selig in seine letzte Lade gelegt werden sollte, da war' xs.gu^ Meister Wilhelm, der mir die theure

Leiche auf die krausen Federn legen und den ^gut- alten Mann beweinen half. Die Schreiner fin* sonst die Gewohnheit stumpft ab in den Trau- erhäujern, wie die Todtengräber auf den Friedhöfen, harte Naturen; aber Meister Wilhelm war weig wie ein Kind und tröstend wie eine Mutter. Da­rum hatte ich ihn auch recht lieb gewonnen und hab' ihn heute noch so lieb, obgleich er längst nicht weit von dem Grabe meines Vaters in kühler Erde ruht.

Meister Wilhelm war schon ein Sechziger, als ihn ein nicht zu stillendes Nasenbluten befiel..."

Fortsetzung folgt.

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Der Schlachter und der Advocat.

Ein Schlachter besuchte dieser Tage seinen Freund' den Advocaten, um ihn wegen folgender Sache um Rath zu fragen. Eine Dame betrat gestern, so er­zählte der Schlachter, meinen Laden, um ein recht schönes Stück Ochsenfleisch zu kaufen, bestimmt für ihres Ehegemahls Mittagstisch. Ihr Lieblingshund, der sie begleitete, vergessend Recht und Schicklichkeit, zog von dem Tisch ein Stück Fleisch herab, und es auf den Dielen umherschleifend, beschmutzte er es mit Sand. Die Frage ist nun: Ist die Dame ge­halten, mir das Fleisch zu bezahlen und wenn so, wie viel kann ich fordern? Der Advocat fragte, ob, die Dame eine gute Kunde sei, und als der Schlach­ter dies bejahte, fuhr er fort: Ich würde Euch als Freund rathen, die Zahlung von 1 fl. 30kr., welche düs Fleisch kostet, nicht zu erzwingen, weil, wenn Ihr darauf beständet, Ihr nicht allein die Kundschaft der Dame, sondern auch vielleicht die ihrer Freunde verlieren könntet; wenn Euch aber einmal der Mann dieser Dame in den Weg kommt, so könnt Ihr diese Gelegenheit benutzen und in höflicher Weise ihm die Sache erzählen; gewiß, er wird Euch Euren Scha­den ersetzen.Wahrhaftig, Sie haben Recht. Ich will sogleich Ihren Rath befolgen und nehme mir die Freiheit, Ihnen mitzutheilen, daß Ihre eigene werthe Frau Gemahlin es war." Der Advocat obgleich sichtbar auf diesen Ausgang nicht gefaßt, machte gute Miene zu bösem Spiel und zahlte la­chend 1 fl 30 fr. Der Schlachter ging schmunzelnd nach Hause, stolz darauf, dem Advocaten eine Nase ge­dreht zu' haben. Er erzählte seinen pfiffigen Streich