Wiesbadener Tagblatt
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Montag, 3. Juli 1939.
Nr. 152.
87. Jahrgang.
inneren
• altfax von der sowjetrussischen Presse an n d e r Stelle und in, großer AusMrlich-
• in
Japanisch-mandschurische Gegenaktion
Grenzbedrohung durch außenmongolische Truppen.
in Tokio nicht unbemerkt bleiben, daß sich der Kommunismus unter Ausnützung der für seine Ziele günstigen inner:", chinesischen Uneinigkeit gerade China zum Ausgangsseld für die Weltrevolution auf dem fernöstlichen Kontinent aus-
aus Jerusalem lakonisch heißt, um Araber. Von britischen Soldaten und Polizeibeamten sind 2p in Ge- fechtengetötetund59verletzt morden, während bei „Straßenunfällen" 20 britische Soldaten getötet und 8 verletzt wurden. In der Meldung wird weiter heroor- gehoben, daß in dem in Frage stehenden Zeitraum viele Sabotageakte an Regierungs- und Privateigentum verübt worden seien, insbesondere' sei die Ölleitung in 21 Fällen beschädigt worden.
Hervorragei-------— — ... ------ -------------
feit veröffentlicht wurde. Es sei jedoch unmöglich, mit
Zwei Jahre femö stliches Beben
* Zwei Jahre sind in diesen Tagen vergangen, seitdem aus dem fernen ostasiatischen Raum die große und wohl auch Annexion Koreas selbst erfolgte im Jahre 1910. Länger als chinesischen Reich und der jungen Großmacht Japan begann. Der Beobachter dieser kriegerischen Auseinandersetzung, der von Europa aus trotz aller Mitte! der modernen Nachrichtentechnik nur einen unvollständigen Überblick über das Geschehen vor allem in Zentralchina gewinnen kann, hat den Eindruck eines Bebens, das zeitweilig anschwellt und mitunter wieder verebbt. Aber eines ist in diesen beiden Jahren fernöstlichen Bebens dennoch offenbar geworden: Das Vorgehen der Japaner erfolgt zielstrebig und mit einer Konsequenz, die von der Lebensnotwendigkeit eines übervölkerten Staates diktiert wird. Wenn man nach den Gründen des japanischen Vorgehens fragt, steht an erster Stelle die Antwort, daß das Kaisereich im Fernen Osten mehr Lebensraum braucht, als es hat und sich vor die Notwendigkeit gestellt sieht, jede Bedrohung seiner Lebensinteressen vom asiatischen Festland her auszuschalten. Es konnte
Und London ist glücklich!
über die gnädige Haltung der Sowjets.
Moskau, 2. Juli. Wie von unterrichteter Seite verlautet, empfing der sowjetische Regierungschef und Außenminister Molotow am Samstag im Kreml die Botschafter Englands und Frankreichs, die wiederum von William Strang begleitet waren. Die Unterredung, die schon seit einigen Tagen fällig war. dauerte fast zwei Stunden. Es heißt, daß die Besprechungen in einigen Tagen fortgesetzt werden sollen.
Die Londoner Morgenblätter berichten über einen im Foreign Office eingegangenen Bericht des britischen Botschafters in Moskau. Der Bericht bezieht sich auf die letzten
Stolze Zuverncht erfüllt das deutsche Danzig
Gauleiter Forster sprach aus einer machtvollen Kundgebung.
Besprechungen, die der britische und der französische Botschafter in Moskau mit Molotow gehabt hätten. Das Kabinett soll diesen Bericht am heutigen Montag prüfen und man erwarte, daß eine weitere Besprechung stattfinden werde.
Hierzu stellt der Moskauer Korrespondent der „Times" fest, daß in dem sowjetrussischen Kommentar über die Samstag- besorechungen von neuen britisch-sranzöstschcn Vorschlägen die Rede sei und daß im Gegensatz zu sonst das Wort neu nicht in „Anführungszeichen" gesetzt sei. Das sei ein günstiges Zeichen! Ein weiteres, wenn auch schwaches Vorzeichen sei darin zu erblicken, daß die letzte Rebe von Lord Halifax von der sowjetrussischen Presse an
Sicherheit den baldigen Abschluß eines Paktes vorauszusagen. Jedenfalls würde die schriftliche Fixierung eines so umfassenden Abkommens noch weitere Schwierigkeiten bereiten.
Marxistische Provokation.
.Deutsche Militärtransporte auf schweizerischem Gebiet." — Wieder eine LLgenmelduug der marxistischen Presse zu- sammengebrochen.
Bern, 2. Juli. Die marxistischen Blätter hatten dieser Tage in großer Aufmachung die Nachricht gebracht, daß am Donnerstagabend ein aus etwa 20 Wagen bestehender mit deutschen Soldaten vollbesetzter Eisenbahnzug beim badischen Bahnhof in Bafel über Schweizer Gebiet gefahren sei. Daran waren Kommentare des Inhalts geknüpft worden, daß die schweizerischen Behörden durch Zulassung deutscher Militärtransporte, die „vielleicht nach Polen bestimmt seien", ihre Neutralitätsverpflichtung in bedenklicher Weise verletzten. Auf diese ebenso sensationelle wie unwahrscheinliche Nachricht hin hat sich das „Journal de Eönsve" bei den zuständigen Stellen in Bern erkundigt und die Auskunft erhalten, daß diese Geschichte von einem deutschen Militärtransport über schweizerisches Gebiet „völlig erlogen" ist. Das Blatt erinnert daran, daß die marxistische Presse schon vor einigen Monaten ähnliche Gerüchte anzubringen suchte. Dieses Pressemanöver, so erklärt das Blatt, laufe auf eine Provokation hinaus, die bei der gegenwärtigen internationalen Spannung einfach verbrecherisch sei.
Rudolf Heh warnt die Einkreiser.
as. Berlin, 3. Juli. Auf dem großen Treffen der NSDAP, in der Saarpfalz.'dem Gautag am Westwall, hat der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, gestern scharf mit den Kriegstreibern in den demokratischen Ländern abgerechne't. Er hat allen denen, die die Soldaten der Entente gegen uns in Marsch setzen möchten, noch einmal die Stärke des Westwalls, an dem jeder Angriff zerschellen muß, vor Augen geführt. Er hat mit klaren Worten diesen Kriegshetzern' zu verstehen gegeben, daß ein solcher Angriff dem Selbstmord des an greifenden Volkes gleichkomme. Der Stellvertreter des Führers hat ebenso noch einmal aufdieMachtundKraftderAchse und auf die enge Verbundenheit der Achsenmächte mit Japan, also auf das Dreieck Berlin —Rom- Tokio hingewiesen und hat der Nervosität und der Unruhe im gegnerischen Lager die unerschütterliche Ruhe Deutschlands entgegengestellt.
Dem stehen auf der Seite der Demokratien auch am Wochenende nur wieder Äußerungen gegenüber, die das Ziel verfolgen, die P a n i k z u st e l g e r n. Diese Panikmache und Kriegshetze wird allerdings aus recht durchsichtigen Gründen betrieben. Man will auf Moskau einwirken und es durch die „grimmigen Reden" von der Entschlossenheit der Demokratien, die die Sowjets anzweifeln, üherzeugen. Auch aus innenpolitischen Gründen glaubt man diese Kriegshetze nicht entbehren zu können. D a l a d i e r braucht neue Gelder für die Aufrüstung Frankreichs. Um diese Gelder flüssig zu machen, ist den Franzosen in dem amtlichen Bericht, der übet die Kabinettssitzung am Samstag ausgegeben wurde^ erneut erzählt worden, daß d i e L a g e „s e h r e r n st" sei. Chamberlain will die Organisationen des Luftschutzes und der zivilen Verteidigung aussüllen und so hat auch der englische Ministerpräsident in seiner gestrigen Rundfunkansprache von den „gefährlichen Z e i t e n" gesprochen. Kein Wunder also, wenn bei einer solchen gewissermaßen amtlichen Panikmache die demokratische Presse die gleichen Töne anschlägt und sich in der wildesten Kriegshetze ergeht. Die Rede H e ß ' hat den Demokratien erneut gezeigt, daß man mit einer solchen Hetze und solchen Panikmache keinen Eindruck auf uns machen kann und daß wir im Gegenteil diese Stimmungsmache nur als ein Zeichen der Nervosität und Unsicherheit im demokratischen Lager betrachten.
Zu einem Teil dient ja auch diese ganze Hetze und diese Flut falscher Nachrichten nur dazu, sich im demokratischen Lager selbst Mut zu machen. So wußten die englischen und französischen Blätter zu berichten, daß es am Wochenende „große Demonstrationen der Danziger Nationalsozialisten" oder daß es sogar einen „Puts ch" in
gesucht hatte. Zweifellos haben die Einigungsbestrebungen des Marschalls Tschiangkaischek manche Erfolge gezeitigt, ober die widerstrebenden Interessen vieler Provinzgouverneure in Nord- und Südchina und ehrgeizige Absichten chinesischer Generäle haben der Zusammenfassung des ungeheuren chinesischen Raumes zur nationalen Einheit immer wieder einen Riegel vorgeschoben.
Mit der gewaltsamen Öffnung der japanischen Häfen durch ein amerikanisches Geschwader unter der Führung des Admirals Perry im Jahre 1854 wurde Japan gezwungen, seine seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bewahrte Beschränkung auf den Raum der Stamminsel aufzugeben. Um der damit drohenden Gefahr, zum Ausbeutungsland der Kolonialmächte zu werden, begegnen zu können, mußte der Japaner die wirtschaftlich-industriellen Werkzeuge des Westens beherrschen lernen. Dieser Prozeß der Anvasiung an das Zeitalter der Maschine vollzog sich in Japan mit unvergleichlichem Tempo. Aber mit der Industrialisierung schritt eine gewaltige Bevölkerungszunahme einher, die die Ernährungsgrundlage immer weiter schmälerte. Zählte man im Jahre'1846 noch 26,9 Millionen Japaner, so leben heute mehr als 70 Millionen unter dem Banner der aufgehenden Sonne. Diese kurzbefristete Stärkung bei Volkskraft drängte selbstverständlich zu einer Expansion schon deshalb, weil der Völkerkesfel ein Ventil brauchte. 1895 wurde Formosa besetzt. 1905 gelang es, den Russen den Süden von Sachalin zu entreißen und die Durchdringung Koreas zu beginnen. Die Annektion Koreas selbst erfolgte im Jahre 1910. Länger als zwei Jahrhunderte versuchte die Führung der japanischen Nation, durch die Ausdehnung und Vervollkommnung seiner Industrien, die von gelehrigen Schülern des Westens gebaut und geleitet wurden, seine immer stärker anschwellenden Volksmassen zu ernähren. Gerade wir Deutsche haben als Bewohner eines beschränkten Lebensraumes Verständnis dafür, daß der Lebenswille nicht durch formale Grenzen niedergehalten werden kann. So sah Japan sich im Jahre 1931 gezwungen, seine Ausdehnungspolitik auf dem Festland fortzusetzen, die im Jahre darauf mit der Gründung des souveränen Staates Mandschukuo, der ober japanischer Kontrolle unterstellt ist, einen beachtlichen Erfolg erzielte. Es zeigte sich freilich sehr bald, daß Mandschukuo vor allem im Hinblick auf seine für die Japaner schwer erträglichen klimatischen Verhältnisse, nur in einem geringen Ausmaß zur Befriedigung der javanischen Bedürfnisse nach Märkten und Rohstoffen für seine Industrie beitragen konnte. Im Juli 1937 begann deshalb der große Vorstoß nach China mit dem Ziel, den Markt des chinesischen 400-Millionen-Volkes und die noch ungehobenen Rohstoffschätze des Riesenreiches endgültig für Japan sicherzustellen. Zwei Jahre wird nun also um dieses Ziel gekämpft, und wenn man auf die E r - folge der Japaner zurückblickt, muß man ihnen mit Hochachtung vor ihren'großen Leistungen der Strategie und aber auch der Energie bescheinigen, daß sie ihrem Endziel schon sehr nahegekommen sind.
Tokio, 3. Juli. (Funkmeldung.! Die Kwantung-Armee Hsinking meldet, daß die _ Bereinigten japanisch-mandschurischen Streitkräfte am Sonntag außenmongo- lische Truppen angriffen, die die mandschurische Grenze am Buir-See überschritten hatten. Die Gegenaktion sei notwendig geworden, weil Außenmongolen seit nunmehr vier Wochen ständig die Grenzen bedrohten.
Danzig geben werde. Nun, da das Wochenende auch in Danzig vollkommen ruhig verlausen ist, gibt man natürlich um keinen Preis der Welt zu, daß man gelogen hat, sondern stellt die Dinge so dar, als ob es nur der grimmigen Entschlossenheit der Demokratien zu verdanken sei, daß nichts geschah. So zieht eine Lüge die andere nach sich. Dann aher versucht man auch, mit solchen Lügen und mit solchen „entschlossenen Reden" sich über die Niederlage hinwegzutrösten, die Roosevelt bei der Abstimmung über das Neutralitätsgesetz erlitt und die man zugleich als Schlag gegen bte Einkreisungspolitik betrachtet. Ist auch bie vom amerikanischen Repräsentantenhaus angenommene Form bes Neutralitätsgesetzes noch immer weit entfernt von einer wahren Neutralität, so erschwert sie boch bie Versorgung ber Demokratien mit amerikanischen Waffen. Do bas letzte Wort über bas Gesetz noch nicht gesprochen ist, so hofft man auch wohl «große Alarmmeibungen Einbruck auf Amerika machen )ort bie Partei ber Kriegshetzer stärken zu können. Daß wir biete Vorgänge aufmerksam verfolgen, ist selbstverftänd- lich. Nur lasten wir uns baburch nicht im minbesten beein« brücken unb nicht von unserem Wege abbringen.
Angriff gleich Selbstmord!
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
„Garantie", aber kein Geld.
Polnische Anleiheverhandlungen in Loudon bisher ohne Erfolg.
Warschau, 3. Juli. (Funkmeldung.) Der frühere Präsident der Bank von Polen, Oberst Koc, der längere Zeit in London weilte, um bie Gewährung einer Anleihe für Polen nachzusuchen, ist jetzt wieher nach Warschau zurückgekehrt; die amtliche Verlautbarung besagt, „um ber Regierung über ben bisherigen Verlauf ber Verhandlungen Bericht zu erstatten", bie also bis jetzt zu keinem positiven Ergebnis für Polen geführt haben.
643 Tote im ersten Halbjahr.
Traurige Bilanz englischer Mandatspolitik in Palästina.
London, 2. Juli. In Jerusalem wurden die bisherigen offiziellen Derlustziffern dieses Jahres bekannt gegeben. Danach sind im ersten Halbjahr 1939 insgesamt 643 Per- Ionen getötet und 700 verletzt worden. In der Hauptsache handele es sich dabei, wie es in der Reuter-Meldung
Danzig, 2. Juli. Gauleiter Forster sprach auf einer Kundgebung in dem Danziger Städtchen Tiegenhof zum Abschluß des Kreistages der NSDAP, im Kreise Danziger Werder zur Bevölkerung des Danziger Landes. Aus allen Dörfern, von allen Höfen waren die Danziger zu dieser von vielen Tausenden besuchten Kundgebung nach Tiegenhof gekommen. Der Gauleiter stellte in seiner Rede der aus M i ß - gunstundFurcht geborenen Einkreisungspolitik die Idee Oes ewigen Deutschlands entgegen.' Die Einkreisungsmächte seien eher bereit, Danzig an Polen auszuliefern, als der Erfüllung des Wunsches ber geschlossenen Danziger Bevölkerung noch der ersehnten Heimkehr ins Reich zuzustimmen. „Wir in Danzig stellen fest", so rief der Gauleiter unter dem brausenden Beifall seiner Zuhörer aus, ,wir wollen zu Deutschland
In Danzig brauche sich kein Mensch aus der Ruhe bringen zu lasten, so versicherte ber Gauleiter unter ber zuversichtlichen Zustimmung ber deutschen Grenzbauern im Danziger Land. Keine Drohung Polens könne Danzig schrecken Die Männer im braunen Hemd, die aus den Dörfern des Danziger Werders versammelt waren, die Männer und Frauen, die dicht gedrängt den Aufmarschplatz umsäumten, die tausende Festteilnehmer, die aus der Stadt Danzig selbst zu dieser Kundgebung im Danziger Land
herausgekvmmen waren — sie alle gaben mit stolzen, leuchtenden Augen begeistert ihrer Zustimmung Ausdruck.
übte Sensationsmache.
London, 2. Juli. Genau rote die französische Presse, Jo stehen auch die englischen Sonntags- blätter im Zeichen wilder Gerüchte. Alle Zeitungen höben als Kernpunkt ihrer üblen Sensationsmache nur ein Thema — Danzig. Schon in den Überschriften wird berichtet, daß Frankreich noch einmal bie Achsenmächte „gewarnt hab e", und sich die englische Regierung in Bereitschaft halten würde.
Um die Polen erneut aufzustacheln, unterstreicht man immer wieder, eine einheitliche Regie von Höherer Stelle ist hier unverkennbar, bie englische „Garantie" gegenüber Polen, von ber man bei einer „Aggression Deutschlanbs" Gebrauch machen werde. Das Bestreben aller Blätter, das ganz eindeutig zum Ausdruck kommt, ist, etnerseiis Deutschland einzuschüchtern unb andererseits Polen aufzuhetzen. Man scheut sich dabei nicht, die böswilligsten und gemeinsten Verleumdungen in die Welt zu setzen in der Hoffnung, die französische Sonntagspreste hat hierin London bereits nicht enttäuscht, daß diese eifrig kolpor- tiert werden.
