Samstag /Qfautfefr Roemlet 1988.
Wiesbadener Tagblatt
Dritte» Blatt. 9b. 286.
Der „Fliegende Rheinländer" und seine Vorläufer.
Luxuriös« Reise« am Rhein. — Die Eleganz der ersten Dampsboote.
(von unserem rheinischen Mitarbeiter.)
m. Köln, Anfang November.
Die Deutsche Reichsbahn wird demnächst auf der Strecke Dortmund—Basel neue Schnelltriebwagen einsetzen, die den vielsagenden Namen „Fliegende Rheinländer" tragen werden. Sie sind etwas ähnliches wie der luxuriös ausgestattete Rheingoldzug", mit dem schon so viele In- und Ausländer im Laufe des letzten Jahrzchnts ihren Traum von einer Ferien- fahrt durchs Rheinland verwirklicht haben. Dieser Zug be- qinnt seine tausend Kilometer lange Fahrt in Hoek van Holland und fährt über Basel bis Zürich bzw. Luzern. Seine Wagen enthalten Saalräume und Einzelzimmer und sind gleichzeitig als Speisesalons eingerichtet. Der Rheingoldzug ist schneller als sein französischer Konkurrent, der ebenso luxuriös eingerichtete „Edelweißexpreß", der fast zur gleichen Zeit wie der „Rheingold" in Amsterdam abfährt und durch Belgien, Luxemburg und Frankreich den kürzeren Weg nach Basel nimmt, wo seine Wagen mit denen des Rheingoldzuges für die weitere Strecke durch die Schweiz zusammengekoppelt werden.
Vor nunmehr 80 Jahren, am 11. November 1858, wurde die erste rheinische Eisenbahnlinie Köln—Koblenz durch die damalige Prinzessin Wilhelm von Preußen, die spätere deutsche Kaiserin, eingeweiht. Die Schienen dieser Bann lagen noch in Straßenhöhe, und auf seiner Fahrt kam der Zug über nicht weniger als achtzig Straßenkreuzungen, die ledes- mal sorgsam für den übrigen Verkehr gesperrt werden mußten. Die Einrichtung des Eisenbahnverkehrs auf der Rheinstrecke bedeutete gegenüber dem früheren Zustand nur insofern einen Vorteil, als man schneller an sein Ziel gelangen konnte. Dafür mußten aber in der ersten Zeit Unannehmlichkeiten mit in Kauf genommen werden, die bei der bis dahin bevorzugten Fahrt zu Schiff unbekannt waren.
Auf den eleganten Dampfschiffen jedoch bestand schon damals eine ähnliche Reisekultur, wie sie heute im Rhemgold- zuq und im Schnelltriebwagen anzutreffen ist. Das erste Boot dieser Art bewältigte im Juni 1816 die Strecke Rotterdam— Köln in fünf Tagen. Zwanzig Jahre später errang das
Düsseldorfer Schiff „Kronprinzessin" das Blaue Band des Rheins mit einer erstaunlichen Leistung. Es brauchte für die Strecke Düsseldorf—Mainz hin und zurück nämlich nur 24 Stunden. Im allgemeinen fuhren die Schiffe damals stündlich etwa sechs Kilometer gegen den Strom. Eine Fahrt mit ihnen war etwa viermal so teuer wie heute. Dafür wurde aber auch an Eleganz und Aufwand in der Schiffseinrichtung nicht gespart. Ein Reisender schrieb seinerzeit: „Man kann sich nichts Eleganteres und Bequemeres denken als dieses Dampfschiff. Für alles ist gesorgt. Auch eine kleine Bibliothek steht dem Reisenden zur Verfügung. Die Möbel sind so zierlich, wie man sie nur in Palästen zu sehen gewohnt ist. Angenehmer sich durch die Welt bewegen als auf einem solchen Dampfschiff, mag auch der lebhaftesten Phantasie kaum erträumbar sein."
In der ersten Klasse gab es Wachslichter auf kupfernen Leuchtern, Tafelbestecke mutzten von Silber, Sens-, Pfeffer- und Salzgefätze von Kristall sein. In den Vorschriften liest man: „Zum Speiseöl darf nie anderes Öl an Bord sein als bas feinste Olivenöl. Die Tischtücher und Servietten für die beiden ersten Tische, so wie die Handtücher müssen von feinem Leinen, ohne alle Beimischung von Baumwolle bestehen und täglich srisch, vollkommen weiß, trocken, ganz sauber und frei von Seifengeruch aufgelegt werden. Es sollen die Reisenden keine gewohnte Bequemlichkeit entbehren, keinen Genuß, der dem Gebildeten zum Bedürfnis geworden. Die Reisen auf dem Dampfschiff sind auszuschmücken mit allen Reizen einer ebenso reichen und vorzüglichen, als eleganten Bewirthung."
Diese Vorschriften wurden, wie auch die Wein- und Speisekarten dieser Zeit sowie die Inventarverzeichnisse beweisen, mit großem Bedacht eingehalten. Auch für die Zerstreuung der Gäste war bestens gesorgt. Es gab allerlei Unterhaltungsspiele an Bord, und autzerdem durften an den Anlegestellen Musikanten aufs Schiff kommen, jedoch nicht mitfahren. Könige und Fürsten sowie die Geldaristokraten der damaligen Gesellschaft haben diese Rheindampfer oft zu Vergnügungsfahrten auf dem herrlichen Strom benutzt.
wir Deuten Wiesbadener Familiennamen.
Breid er. Breiter. Die vorliegende Schreibung dieses Familiennamens weift auf das nieder!, hrerden - stricken hin: die breinaalde ist die Stricknadel, und Brerder (Breiter) ist nieder!, der Strumpfwirker. Bei der Schreib- weife Vreidter dagegen ist die Herleitung von dem Orte Breidt wahrscheinlich^___________________
Klingenhösle. Die Klinge abd. chlniga, zeichnet sowohl einen rauschenden Gebirge Talenge. durch die er fließt. Danach würd'
K l i n g e l h ö f e r. Es wäre interessant festzustellen,, ob dieser Familienname bei seinem, ersten Auftreten schon diese Form besaß oder ob er etwa Klingebofer oder Klingenhofer lautete. Auch dieser Name ist eine Serkunftsbezeichnung. und zwar gebildet nach einem der 7 Dtte Klingenhofen bzw. Klingenhösle. Die Klinge abd. Klinga. mhd. .klinge, bezeichnet sowohl einen rauschenden Gebirgsbach rote auch die Talenge. durch die er fließt. Danach wurde auch die Klingenmühle im Walluftal genannt und.zwar mit Recht, denn hier war das Tal durch eine vorspringende yelsnafe. die der Straßenbau wegrasiert bat, ziemlich eng. (Vergl auch den Ort Klingelbach am Eingang zum Jammertal.) In der Pfalz führen mehrere Bäche den Namen Klingel, wonach der Sredlungsname Klingelbos auch fui etn alleinstehendes Anwesen gebildet worden sein kann. Ob es einen solchen Sos gibt und ob er Ausgangspunkt dieses Familiennamens wurde, kann nur durch familiengeschichtliche Forschung nachgewiesen werden.
Sees. Der Versuch, Ihren Namen mit Safe in Verbindung zu bringen, liegt außerordentlich nahe.: aber er wurde ergebnislos bleiben. Es gibt am Niederrhein in. der -lante- ner Gegend zwei Orte Sees, und bei. dem gleichlautenden Familiennamen handelt es sich um eine HAst^dbezelch- nung, wie audfber Name Seef en nach dem Orte Seesen m der Nähe der Wesermündung gebildet wurde. Der Ortsname Sees geht wohl auf das altdeutsche heifi zuruck. das soviel als Buschwald bedeutet, also einen Ort meint, der in oder an einem solchen Walde liegt. Daß der Familienname Sees auch unmittelbar aus der Lage des Wohnhauses am Sees, wie im Niederdeutschen heute noch der Buschwald heißt, gebildet wurde, ist nicht ausgeschlosien.
Seuzeroth. Ihr Familienname ist zweisellos em Serkunstsname. den einer ihrer Vorfahren erhielt, als er sich irgendwo ansiedelte, nachdem er von Seuzerod oder Hetzerode oder Hetzerath ausaewandert war. Nun ist allerdings das Dorf Seuzerod im Oberwesterwaldkreis zu Heuzert abgeschliffen worben, aber noch Kehrein benutzt die Form Heuze- rod. Gleicher Herkunft sind die Ortsnamen Hetzerath (ic ein Ort im Kreise Erkelenz und einer an der Mosel) und Hetzerode (Kreis Eschwege). Diese Hinweise können vielleicht Fingerzeige für die Herkunst Ihrer Familie geben. Wie schon gesagt, ist der Sinn dieser Ortsnamen gleich. Es bandelt sich in jedem Falle, einerlei ob -rod. -rotb oder -ratb. um eine Rodung von Neuland, die durch einen Heinz. Heuz, Seitz oder Setz. — alles Kurzformen für den Namen Heinrich — betrieben oder ausgefübrt wurde, also Seuzeroth — Hein- richsrodung.
Bechler. In mittelalterlichen Zunftordnungen begegnet uns häufig der Bechler und damit ist dort entweder das jüngste Mitglied der Zunft oder überhaupt ein Jungmann gemeint. Blieb er lange Zeit über jüngste in der Zunft, dann prägte sich der Name allmählich so fest ein. daß er auch dann dem Träger noch anbaftete. wenn längst andere Bechler geworden waren. Der Name geht zurück auf mhd. bachelaere (lat Baccelaureus, frz. bachelier, engl. bachelor), bezeichnete ursprünglich den untersten Grad der akademischen Würden und wurde sväter auch im Zunftwesen gebraucht. In Oberdeutschland wird der Pechsieder zum Pechler. woraus verderbt ebenfalls Bechler hervorgegangen ist.
Zur gef. Beachtung! Wir weifen nochmals darauf hin. daß es geradezu unmöglich ist, Namendeutungen den Anfrayenden brieflich zugehen zu lassen. Man fei doch nicht empfindlich, wenn man glaubt annehmen zu müden, daß der eigene Name auf einen Übernamen. Scherz- oder Spottnamen zurückgeht. Sehr häufig ist das nämlich gar nicht der Fall, und wenn auch, dann charakterisiert er doch nicht den lebigen Träger, sondern einen längst verstorbenen Ahnen und noch mehr den Geist jener Zeit. —n.
Holzpferdchen für den Weihnachtstisch.
I« der Werkstatt der Odeuwälder Holzschnitzer.
Wie bald wird Weihnachten fein! Schon werden überall die Vobereitungen für den Gabentisch getroffen.
Ein beliebtes Kindersvielzeug für Knaben ist nach wie vor das schöne Solzvferd. auf dem man durch die Stube traben und. wenn es etwas größer ausgefallen ist. sogar schaukeln kann. Wo der Weihnachtsmann diese Solzpferdchen einfauft? Das weiß er schon lange Jahre. Im vorderen
Odenwälder Holzschnitzer bei der Arbeit für den Weihnachtsmann. (Ausnahme: Jacobi, DNB.-M.)
Odenwald, besonders in der Licht e n b erger Eegen.d, ist die Herstellung von Solzpferden seit Generationen eine Spezialität der Holzschnitzer. Der Sohn erbt die Kenntnisse vom Vater und stellt wie dieser in der.H er m industr ie Holzvferöe aller Größen nach altem Muster her.
Mit Holzklötzen verschiedener Große gebt die Arbeit an. Aus ihnen entsteht zunächst der Rumpf des Pferdes. Auf einer Drehbank bekommt das Rurnvfstuck die erforderliche Form, wobei schon SBruft uni) Hinterteil des Pferdes herausgearbeitet werden. Wahrend des Drehens an der Drehbank wird auch der Meißel gebraucht, der ebenfalls an der Formgebung mithilft. Dann muffen die aus einem runden Holzklotz gewonnenen Beine bearbeitet werden. Dies geschieht in erster Linie an der Hobelbank, wobei ine Beinhölzer ihre Form erhalten. Nun setzt aber die eigentliche Schnitzarbeit und Kunst ein. .Sm weiteren Verkam des Arbeitsganges werden die Verne, angesetzt und der Kopf aufgeleimt. Auch der Schwanz, bei kleineren Pferdchen aus Holz gedreht und bei größeren aus einem Haarbüschel be- stehend, wird angefugt. Damit ist das Pferd tm „Rohbau fertig. Jetzt müssen sich Dreher und Holzschnitzer auch als Maler betätigen. Das, Pferdchen, kommt gewöhnlich als bunter Apfelschimmel heraus. Vielfach sind die. Pferdchen auch mit kleinen Wagen verbunden, die auf Schelbenro^ern laufen. Größere Pferde werden zu Schaukelpferden. Wenn auch heute Drehbank und Hobelbank benutzt werden, so handelt es sich doch in der Hauptsache um eine große handwerkliche Kunstfertigkeit, die alle Anerkennung verdient.
Der Erfolg der 2. Reichsstratzensaminlung.
Nicht nur die erste Reichsstraßensammluntz für das diesjährige Winterhilfswerk brachte eine erhebliche Steigerung der Sammelbeträge, sondern auch die zweite Reichsstraßensammlung ergab gegen die des Vorjahres einen beträchtlich erhöhten Betrag. Insgesamt sammelten die Männer der Kampfformationen im Gau Heflen-Nassau 184 477.21 RM. für das WHW. _____________________
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