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Wiesbadener Tagblatt

Sette 12. Nr. 235.

Freitag. 7. Oktober 1838.

Vermischtes.

Tie SOS.-Rufe eines Zahnkranke«. Es ist durchaus kein Seemannsgarn, das hier gesponnen wird, sondern eine wahre Begebenheit die sich mitten auf dem Atlantik auf einem englischen Frachtdampfer zutrug. Dort bekam ein Matrose wahnsinnige Zahnschmerzen. Ein Kamerad erbot sich, den kranken Zahn zu ziehen. Es stellte sich aber danach eine heftige Blutung ein, die nicht gestillt werden konnte. Da die Gefahr bestand, daß der Matrose verblutete, sandte, der Kapitän einen SOS.-Niuf um ärztlichen Beistand aus. Etwa 120 Seemeilen vom Frachter entfernt befand sich ein amerikanischer Passagier­dampfer mit einem Arzt an Bord. Er vernahm die SOS.- Rufe und änderte sofort den Kurs in Richtung auf den Frachter. Es war nicht leicht, den Arzt auszubooten, denn die See befand sich in großer Bewegung, und es mußte ziemlich viel Öl gelassen werden, um die Meeresoberfläche einiger­maßen zu beruhigen. So gelangte der Arzt schließlich zum Frachtdampfer, wo er den bereits ziemlich erschöpften Matrosen behandeln konnte. Es stellte sich heraus, daß die Rettung fast im letzten Augenblick kam. Die SOS.-Rufe wurden zwar wegen eines Zahnkranken ausgesandt, aber sie hatten zur Folge, daß ein gefährdetes Menschenleben auf hoher See gerettet wurde.

Mit oder ohne Bart — das ist die Frage! Die Bartmode hat schon immer seit dem Tage, da Alexander der Große ver­ordnete, daß seine Krieger bartlos sein müßten, weil „es keinen besseren Griff gibt, einen Mann anzupacken, als seinen Bart", von einem Extrem ins andere gewechselt. Bald waren Voll­bärte große Mode, bald gingen die Männer, die etwas auf sich hielten, glatt rasiert. Zwei englische Monarchen, Heinrich VII. und Königin Elisabeth, haben übrigens sogar aus der Bartmode Nutzen für den Staatssäckel gezogen: Voll­bärte wurden besteuert! Aus der jüngsten Geschichte des Bartes seien zwei Tatsachen erwähnt, aus denen jeder herauslesen mag, was ihm zusagt. Einmal sind die 63 Diener des ungarischen Unterhauses zu Budapest angewiesen worden, Bärte zu tragen. Zum anderen hat der englische König den bekannten Heomen of the Guard, den Wächtern im Tower von London, offiziell die Genehmigung erteilt, im Gegensatz zu pen früheren strengen Bestimmungen glattrasiert gehen zu dürfen.

Gegen Liebe versichert. Gegen Amors Pfeile kann sich niemand schützen — wohl aber kann man sich dagegen versichern. Es gibt ja bereits Versicherungen gegen Examensdurchfall und Verlust der Schönheit — warum sollte es nicht auch eine Ver­sicherung gegen Liebe geben? Der Grund wäre gar nicht einzusehen — um so mehr, als es sich doch um eine so schöne Reklame handelt! Es ist daher auch eine amerikanische Film­

schauspielerin, die zum ersten Male auf die Idee gekommen ist sich von einem Filmproduzenten kontraktlich gegen Liebe versichern zu lassen. Sn dem Vertrag, den die Filmschau­spielerin abgeschlossen hat, wurde eine Versicherung mit aus­genommen, aus der der Filmgesellschaft 13 000 RM. zufließen sollen, wenn sich ein Liebesverhältnis der Schauspielerin irgendwie zum Nachteil der Filmaufnahme auswirken sollte.

e ■ — _ _ ■ • ■ -des Rekhswefter-

Wetterbench tea-*-

Witteruugsaussichte» bis Samstagabend:

Noch weiter unbeständig mit Negenfällen, wieder wechselnd bewölkt und einzelne Schauer, bei zeitweise aussrischenden Winden aus westlichen Richtungen kühler.

Wasserftaud des Rheins am 7. Okt. 1938. Biebrich: Pegel 1,58 gegen 1,60 xn gestern; Mainz: 0,83 gegen 0,72 m gestern; Bingen: 1,88 gegen 1,78 m gestern; Kaub: 2,03 gegen 2,00 m gestern; Köln: 1,65 gegen 1,76 m gestern; Kehl: 2,76 gegen 2,67 m gestern.

Zorah Leander

in

nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Sudermann

Ab heute Freitag der O> Großfilm

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Wo 4.0°, 6.15, 8.30 - Bitte beachten Sie die bpielanfangszeifen - Pr. 50, 75, 1.. 1.25, 1.50 Frei~ und Ehrenkarten zur letzten Abend- " Vorstellung keine Gültigkeit -

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Wiesbadener Tagblatt 178

Der Arzt als Helfer

Blutung.

Jeder Gefäßverletzung folgt eine Blutung. Nach der Art der Gefäße, aus denen das Blut austritt, unterscheidet man eine arte­rielle, eine venöse und eine kapillare Blutung. B«, der arte- riellen Blutung spritzt das Blut in hellrotem Strahl rhyth- misch im Tempo der Pulsschläge aus der Wunde. Ein dunkel- roter Strom kennzeichnet die venöse Blutung, während bei der kapillaren Blutung ein sanftes Sickern zu bemerken ist. Bei jeder Blutung geht natürlich Blut dem Kreislauf ver­loren, ganz gleich, ob das Blut aus einer Arterie, einer Vene oder aus den Kapillaren stammt. Je stärker die Blutung, desto größer wird natürlich der Blutverlust. Am raschesten kommt es bei arteriellen Blutungen zu bedrohlichen Zuständen, weil aus den Arterien das Blut mit starkem Druck herausspritzt.

Nicht immer sicht man die Blutung. Bei inneren Der- letzungen kommt es zu Blutungen in die Bauchhöhle. Erst die immer größer werbende Schwäche und Blässe weisen auf den Blut- Verlust hin. Schr kleine Blutungen aus Magen und Darm werben nicht immer bemerkt, erst eine zunehmende Anämie erweckt den Verdacht auf solche Blutungen. Erst eine genaue Untersuchung des Stuhles mit feinen Methoden läßt dieses „okkulte" Blut entdecken. Bei Quetschungen kommt es häufig ja Blutungen unter der Haut, zu sog. Beulen.

Brntuntersuchunge«.

JBlut ist ein besonderer Saft", das weiß auch die medizinische Wissenschaft. Es gelingt, aus der Untersuchung des Blutes gar manche Krankheit festzustelleu. Besonders bekannt ist die Fest­stellung einer etwaigen Syphilis aus dem Blutserum mit Hilfe der Wassermannschen Reaktion. Schon manche unklaren Beschwer­den, die jeder Behandlung trotzten, konnten auf Grund einer Blut- Untersuchung als syphilitisch erkannt und auch geheilt werden.

Daß Blutkrancheiten durch eine Untersuchung des Blutes erkannt werden können, erscheint selbstverständlich. Wunderbar aber ist, daß nur ein einziger Tropfen Blut nötig ist, um solche Feststellungen machen zu können. Kennzeichnend sind die Blutbilder für Anämie, für pern^iöse Anämie, dann für Leukämie usw.

Auch für die Beurteilung von Stoffwechselkrankhei­ten leistet eine Blutuntersuchung, die dafür natürlich wieder nach einem anderen besonderen Verfahren ausgeführt werden muß. wert­volle Dienste. So rottö z. B. bei Zuckerkrankheit der Zuckerspiegel im Blute festgestellt, bei Nierenerkrankungen kann gefunden werden, wieviel Stickstoff mt Blute enthalten ist. Diese Untersuchungen dienen dazu, Krankheiten zu erkennen und zu heilen.

Gehe rechtzeitig zum Arzt__

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ist ein herrlicher Gegenwartsfilm, den — nach dem Welterfolg „Heimat“ — Carl Froelichs künstlerische Schöpferkraft zu einem glänzend unterhaltenden und gleichzeitig tief besinnlichen Meisterwerk wahrer Zeit- und Menschenschilderung gestaltet hat!

Erstaufführung

morgen 4.00, 6.15, 8.30

Ufa-Palast

Heute 4.00, 6.15, 8.30 letztmals: „Der Fall Deruga“