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Wiesbadener Taablatt

Druck und »erlag: (tffe

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Erfcheinungszett:

Nr. 229.

Freitag, 30. September 1938.

86. Jahrgang.

Beginn des deutschen Einmarsches am 1. Oktober

6 Ausgaben

Unterhaltungsbeilage.

Wöchentlich mit einer täglichen

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L. ScheNenberg'Iche Hofbuchdruckerei, .I-gblatt, Haus'. F-rnsvrech-r.S-mmeI.Nr 59631. Drahtanschrift- Tagblatt Wiesbadeu. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7465.

Drns87,Sfe:hre«KamnS^^^u ^Millimeter breiten Spalt« im Anz-igentell Grund. ®ra6erc Zeigen müssen spLt-st-n- eineno? SsfenX'«

Werktäglich nachmittags.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. autzerSonn-u. Feiertags.

Berliner Büro: Berlm-Wilmersdorf. 8

Die vier anwesenden Regierungschefs sind sich darüber einig, daß der in dem heutigen Abkommen vorgesehene Aus- schuh sich ans dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, den in Berlin beglaubigten Botschaftern Englands, Frank­reichs und Italiens und einem von der tschecho-slowakische« Regierung zu ernennenden Mitglied zusammensetzt.

München, 29. September 1938.

Bückebergfeier fällt aus.

(Letzte Funkmeldung.)

Berlin, 30. Sevt. Der Reichsminister fiit Volksausklärung und Provaganda gibt bekannt.

Durch die verständliche Inaukvruchuahme aller Trans- vortmittel ist es notwendig geworden, die Feier des Ernte- danktages auf dem Bückeberg und die damit verbundenen Empfänge in Hannover und Eoslar ausfallen zu lallen.

Prag nimmt an.

Eine amtliche Reutermeldung.

Nähere Verlautbarung noch zu erwarten.

(Letzte Funkmeldung.)

London, 30. Sept. Wie das Reuterbüro aus Prag amtlich meldet, soll die tschecho-slowakische Regierung den Münchener Plan angenommen haben. Eine amtliche Prager Verlautbarung, deren Inhalt abzuwarten ist, soll folgen.

ir danken unserem Führer!"

Münchener Abkommen schasst Klarheit gtamwdfe Räumung und Besetzung durch deutsche Truppen bis 10. Oktober, - En»° November mutz Zolksabstimmung beendet sein. - Drei-Monatsfrist zur Bereinigung der polnischen und ungarischen Fragen. ^folg der deutschen Methode der direkten Aussprache. - Erleichterung in den europäischen Hauptstädten. Hetze aus Moskau. - Wahnwitzig« Prager Zerstörungspläne. - Stündlich wachsende Blutschuld Beneschs.

Das Schluhkommuniqus.

München, 30. Sept. Die B e f p r e ch u n g e n, die die Re­gierungschefs von Deutschland, Italien, Frankreich und Ena- begonnen haben, haben am späten Abend chren Abschluh gefunden. Die gefaßten Beschlüsse, Dokumenten niedergelegt sind, sind der tschechischen Regierung sofort übermittelt worden.

Der Wortlaut des Abkommens

Zwischen Deutschland, dem Bereinigten Königreich von Groß- britannien, Frankreich und Italien.

Getroffen in München am 29. Sept. 1938. .... Deutschland, das Bereinigte Königreich von Eroß- britanmen, Frankreich und Italien sind unter Berücksichtigung des Abkommens, das hinsichtlich der Abtretung des sudeten- deutschen Gebietes bereits grundsätzlich erzielt wurde, über folgende Bedingungen und Modalitäten dieser Abtretung und die danach zu ergreifende« Mahnahmen Lbereingekommen und erklären, sich durch dieses Abkommen einzeln verant- Schritte' $ 6ie Sidctuns seiner Erfüllung notwendigen

1. Die Räumung beginnt am 1. Oktober.

2. Das Bereinigte Königreich von Grohbritaanien, Fmnk- reich und Italien vereinbare», dah die Räumung des Gebietes bis zum 10. Oktober vollzogen wird, und zwar ohne Zer - 0 r«J* irgendwelcher bestehender Einrichtungen, und dah die tichecho-flowakische Regierung die Verantwortung dafür nagt, dah die Räumung ohne die Schädigung der bezeichneten Einrichtungen durchgesührt wird.

81 .Die Modalitäten der Räumung werden im einzelnen durch eine« internationalen Ausschuh festgelegt, der sich aus Ver­treter« Deutschlands, des Bereinigten Königreiches von Eroh- brrtannren, Frankreich, Italien und der Tschecho-SIowakei zn- sammensetzt.

Die etappenweise Besetzung des vorwiegend deutschen Gebietes durch deutfche Truppen beginnt am 1. Oktober. Die vier auf der anliegenden Karte bezeichneten Gebietsabschnitte werden in folgender Reihenfolge durch deutsche Truppen besetzt: .Der mit I bezeichnete Gebietsabschnitt am 1. und Z. Oktober;

3 Oktober^ 11 bezeichnete Gebietsebschaitt am 2. und

der mit III bezeichnete Gebietsabschnitt am 3., 4. und 5. Oktober;

der mit iv bezeichnete Eebietsabschnitt am 6. und 7. Oktober.

Das r e st l i ch c Gebiet vorwiegend deutsche« Charakters wird unverzüglich von dem oben erwähnten *" i" al en Ausschuh sestgestellt und bis zum 10. Oktober durch deutsche Truppen besetzt werden. '

5. Der in § 3 erwähnte internationale Ausschuh wird die Gebiete bestimmen, in denen eine Volksabstimmung stattfmden soll. Diese Gebiete werden bis zum Abschluh der Volksabstimmung durch internationale Formationen besetzt werden. Der gleiche Ansschuh wird die Modalitäten festleaen, unter denen die Volksabstimmung durchgesührt werden soll, wöbe, die Modalitäten der Saarabstimmung als Ernndlaae zu betrachten find. Der Ausschuh wird ebenfalls den Taq fest setze«, a« dem die Volksabstimmung stattfindet: dieser Tag darf jedoch nicht später als Ende November liegen.

6. Die endgültige Festlegung der Grenzen wird durch den internationalen Ausschuh oorgenommen werden. Dreser Ansschuh ist berechtigt, den vier Mächten Deutschland, dem Vereinigten Königreich von Grohbritaanien, Frankreich und Italien in bestimmten Ausnahmesällen geringfügige Abweichungen von der streng ethnographischen Bestimmung ott, Volksabstimmung zu übertragenden Zone« zu empfehlen.

7. Es wird ei«Optionsrechtfürdenübertritt in dre abgetretenen Gebiete und für den Austritt aus ihnen vorgesehen. Die Optio« muh innerhalb von s e ch s Monate«, »om Zeitpunkt des Abschlusses dieses Abkommens an, bus- geübt werden. Ei« deutsch-tichccho-slowakischer Ausschuh wird me Einzelheiten der Optio« bestimmen, Verfahren zur Er- leichternny des Austausches der Bevölkerung erwägen und gruEtzliche Fragen klären, die fich aus diesem Austausch ergeben.

8. Die tschecho-slowakische Regierung wird innerhalb Nuer Frist von »»er Wochen vom Tage des Abschlusses

dieses Abkommens an, alle Sudetendeutsche aus ihren undpolizeilichen Verbänden entlassen, die diese 5"ilassung wünsche». Innerhalb derselben Frist wird die tschecho-slowakische Regierung sudetendeutsche E e f a n g e n e v "rbiihen °b,t toeflen politischer Delikte Freiheitsstrafen

München, den 29. September 1938.

Zusätzliche Erklärungen.

Regierungschefs der vier Mächte erklären, dah das Problem der polnischen und ungarischen Minder- ? c" der Tschecho-SIowakei, sofern es nicht innerhalb von drei Monate» durch eine Vereinbarung unter den betreffen­de» Regierungen geregelt wird, den Gegenstand einer «eiteren ^isammenkunst der hier anwesenden Regierungschefs der vier Machte bilden wirb.

Ain" Majestät Regierung im Vereinigten Königreich Kroßbritanmen und die französische Regierung haben sich dem vorstehenden Abkomme» angeschlossen auf der Gruad- l°se, dahfiezu dem Angebot stehen, welches in § 6 der e«g- Illch-französtscheu Borschlage vom 19. September enthalten ist, betreffend eine internationale Garantie der « e u e n Grenzen des tschecho-slowakische» Staates gegen einen unprovozierten Angriff.

Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minder­heiten in der Tschecho-SIowakei geregelt ist, werden Deutsch- im und Italien ihrerseits der Tschecho-SIowakei eine Garantie geben.

München, 29. September 1938.

Spruchbänder: .Wir danke« uuserem Führer Wir sind wieder frei.-Ein Volk, em Reich, ei« Fahrer."

Besonders in jene« Orte«, i« denen noch vor wenigen Tage« kommunistische Banden im Verein mit tschechischen Soldaten ihr Unwesen getrieben habe«, erreichte die Begeiste­rung unbeschreibliche Höhepunkte. Alle beseelt nur ein Ge­danke: .Wir werden de» Soldaten der deutschen Wehrmacht einen festliche« Empfang bereite«!"

Ergreifende Szenen im Grenzgebiet.

Schlnckenan, 30. Sept. (Letzte Funkmeldung.) Nach den Tagen der Unterdrückung und der Unsicherheit bemächtigte sich der Bevölkerung der von den Tschechen kürzlich geräumten sudetendeutiche Bezirke (Heilspach, Schluckenau und Rum- burg) in de« Morgenstunden des Freitag eine unbe- 1$ Sl « 1 f " ?8 e Stimmung. Kaum hatte der

deutsche Rundfunk dos Ergebnis der Besprechungen in München mitgeteilt, und die einzelnen Punkte des Abkom- mens bekanntgegeben, da eilte die Bevölkerung der Städte auf Straßen und Plätze, wo fich ergreifende Szenen der Freude und der Begeisterung abspielten.

Bereits in den ersten Vormittagsstunden prangten die Straheu und Platze der Städte und Dörfer des sudetendeut­schen Niederlandes in reichem Schmuck unzähliger Hakenkreuzfahnen. An den Rathäusern und Stadt- amtern wurden Bilder des Führers und Symbole des Reiches angebracht, überall schmückt die Bevölkerung die Häuser­fronten mit Fahnen und Girlanden. Allenthalben leuchten

Ehrenvolle Lösung für alle.

Von unserem Berliner Schriftleiter W. Ahmus.

, Genau 14 Tage nach dem ersten Besuch Chamberlains auf dem Oberialzberg ist in dieser Nacht in München in den Besprechungen der vier Staatsmänner eine Lösung der tschechischen Frage erreicht und damit der europäische Friede gesichert worden. Wenn dieTimes" unlängst davon sprach, dah diesmal im Gegensatz zum Weltkrieg die Frredensb e sprechungen vor dem Krieg und nicht nach den Schlachten stattfinden sollte, so ist dieses Wort zur Tatsache geworden. DasdanktdasdeutscheVolkunddas dankt die Welt dem Führer, der mit allerstärkstsr Energie der Welt immer wieder den Weg wies, der allein die Aufrechterhaltung des Friedens garantieren könnte, der aber mit der gleichen Energie auch immer wieder darauf ver­wies, dah die Lösung keinen Aufschub dulde. Die zahlreichen Kundgebungen im ganzen Reich lassen der Welt keinen Zweifel daran, dah das ganze deutsche Volt geschlossen und entschlossen hinter dem Führer stcht. Heute dankt das ganze deutsche Volk aufrechten Herzens dem Führer, der das grohe Werk ohne Blutvergießen vollendet hat. Wir wissen aber auch, daß Benito Mussolini mit dem gleichen Nachdruck immer wieder auf den Wog hinwies, der in ein neues und glücklicheres Europa führt und sich i n den kritischen Tagen immer wieder zur Achse Berlin Rom bekannte. Auf der anderen Seite hatte der englische Ministerpräsident Neville Chamber­lain durch seine Besuche in Berchtesgaden und Godesberg bewiesen, daß er, der einem ganz anderen völkischen und poli­tischen Milieu entstammt, die Gröhe der Stunde erkannte und sich klar darüber war, dah für die bisherige Politik u n - gewöhnliche Wege beschritten werden muhten, um Europa den Frieden zu sichern. Chamberlain ist den einmal eingeschlagenen Weg mutig weitergeganqen, auch als in Eng­land die Opposition wuchs und dieChamberlain-Gruppe" zusammen zuschmelzen drohte. Als vierter gesellte sichrer französische Ministerpräsident Da lädier hinzu, der die allzu ausgefahrenen Gleise der Politik seiner Amtsvorgänger verließ und sich dem Gebot der Stunde nicht ver­schloß. So kamen vier Staatsmänner in München zusam­men, die die wirkliche europäische Macht repräsentieren, vier Staatsmänner, die entschlossen waren, schnell zu arbeiten, denn es galt ja, den Wettlauf gegen den Zeitablauf zu ge­winnen und eineehrenvolle Lösung für alle" zu finden, wie sich ein Franzose ausdrückte. Das ist gelungen, womit sich die vom Führer immer und immer wieder empfohlene Methode der Aussprache von Mann zu Mann vorzüglich bewährt hat.

Die Modalitäten für die Heimkehr der Sudetendeutschen in das Reich sind nunmehr eindeutig festgelegt. Morgen, am 1. Oktober, werden die deutschen Truppen den ersten Abschnitt des Sudetenlandes besetzen und schnell werden die weiteren Abschnitte ' folgen. Das Sudetenland ist frei. Mit vollem Herzen empfinden wir die Freude unserer bis jetzt unterdrückten sudetendtut- schen Brüder. Sie wissen, daß nun die Knechtschaft ein Ende hat, daß ebenso aber auch diewirtschaftliche 9t o t ein Ende findet und daß sie nun teilhaben an dem gewal-

Alle Fragen, die sich ans der Gebietsübergabe ergeben, gelten als zur ZnstSndigIeit des inter­nationale« Ausschusses gehörig.

München, 29. September 1938.