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Samstag/Sonntag, 10./II. September 1988.

Wiesbadener Tagblatt

Wertes Bla«. Rr. 212.

Landtechnik Hilst mit.

Die Mechanisierung des landwirtschaftlichen Arbeits- aanges als Frille der Arbeitsschlacht und des Vierjahres­planes mutz mit der Heit zu einer fühlbaren Inten­sivierung der Leistungssteigerung werden. Die menschliche Arbeitskraft ist rar geworden und der Betriebsführer sieht sich vor die Aufgabe gestellt, das zur Verfügung stehende Maschinenmaterial am zweckmähigsten einzusetzen, um die Faust, die früher den Pflug führte, die Kartoffel setzte, die genfe schwang, durch die Technik zu ersetzen.

Wir wunderten uns in diesen Wochen wohl oft darüber, wie unheimlich schnell sich um die Erntezeit das Gesicht der Landschaft verändert. Gestern wogten da und dort noch goldgelbe Kornfelder im warmen Sommerwind, ein paar Tage später gähnte uns an der gleichen Stelle die Leere eines Stoppelfeldes entgegen, auf dem Schulkinder die letzten Ähren zusammenlasen, um den Ertrag der NSV. zur Ver­fügung zu stellen. Und wieder nur wenig später war der tief in die Weite verlaufende Acker schon gestürzt.

Waren hier Heinzelmännchen am 2ßerf? Doch undenk­bar, datz Menschenhand im Verlauf von wenigen Stunden oder Tagen mit Sichel und Pflug, und noch so regem Garbenbinden und unermüdlichem Zusammentragen solche Eigantenarbeit an Halm und Erde bewältigte!

Nein, das alles wäre nicht möglich, wenn nicht in den letzten Jahren die Maschinenverwendung auf dem Lande als unentbehrlicher Faktor für Kräfteersparnis und Be­schleunigung des Arbeitsganges so stark vorgedrungen wäre. Die Vermrnderung des Ernterisiros durch rasche Heim­bringung der Frucht, vermehrte Entlastungsmöglichkeit und damit Energiehaushalt sind Erleichterungen, dir heute der Bauer nicht mehr misten will. Betrachten Sie den Pflug- Schlepper auf dem Bild. Ich sah ihn vor wenigen Tagen auf einem 12 Morgen großen Acker beim Klostergut Klarenthal auf- und abpusten. Der Arbeiter sagte mir, datz er den Acker in etwa 10 Stunden gestürzt hätte. Ein Mann und eine Maschine! Und gerade der gummibereifte Schlepper ist durch seine vielseitige Verwendungsmöglichkeit im Begriff, eine völlige Wandlung bei der Bewirtschaftung auch kleiner bäuerlicher Betriebe herbeizuführen, denn Motorkraft ist billiger als Pferdekraft.

Es ist sicher, datz nicht alle in Betrieb befindlichen Eeiäte den heutigen Anforderungen genügen, weil sie ver­altet sind. Und der Bauer wird sich überlegen, wieweit er den Einsatz zweckmäßiger und vor allem leistungsfähiger Geräte mit größerem Ertrag und größeren Einsparungen in Einklang bringen kann. Tatsache ist, daß der Schlepper­einsatz eine bessere Bodenbearbeitung, die Möglichkeit der Ausdehnung des Hackfruchtanbaues, die Ausnahme des ver­stärkten Zwischenfruchtbaues und, wie schon allgemein an­gedeutet, durch Beschleunigung des Arbeitsganges eine Ver­minderung des Ernterisikos herbeiführt. In arbeitswirt- Ichaftlicher Hinsicht werden in Zukunft alle Maschinen- und Eerätegruppen, zum Beispiel Fräser, Walzen, Drillmaschinen, Kartoffelpflanzloch-, -lege- und -zudeckmaschinen, die Getreide-

IViesbadener Lichtspiele.

* Thalia-Theater. Der lange Sonüerzug des Zirkus Barley wird von der Polizei angehalten und durchsucht,. Man iahndet aus einen Schwerverbrecher, der aus dem Gefängnis entsprungen ist, findet ihn aber nicht. Denn er hat Zuflucht bei seiner ehemaligen Gattin, der berühmten Dompteuse, jetzt Frau Zirkusdirektor, gesucht, die ihn vor den Verfolgern versteckt. Der Sohn dieser ersten Ehe ist Marcel, der die Tochter Spönne des Direktors liebt. Fernand, so Herst der gejuchte Verbrecher, will feinen Sohn vor einem ähnlichen Schicksal bewahren, wie das seine, rettet ihn aus einer ge- iährlichen Lage und führt ihn der Geliebten zu, ohne das

Hans Albers und Franeoike Rosay in dem neuen Tobrs- Film von Jacaues Fesder .Fahrendes Volk". , (M. Tobis.)

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Marcel jemals erfährt, datz er der Vater ist. Bei einer wil­den Jagd über die Dächer wird der Verbrecher, der im Grunde ein tüchtiger Mensch ist. erschossen, und zur gleichen Zeit schenkt Pvonne seinem Sohn Marcel ein Kind. Dies der In­halt des schönen FilmsFahrendes Volk, dessen künst­lerischer Wert aber durch eine Erzählung der. verwickelten Handlung kaum angedeutet werden kann. Gewiß ragen noch stewisse Reste älterer Filmkunst in das von Jacques Key der geschaffene Werk hinein, so die recht verwickelte xzenensolge mit verblüffenden Effekten, der kriminalistische Einschlag und die altbeliebte Jagd hinter dem Sträfling. Aber das Alte wird neu durch seine glänzende Verarbeitung. Der TitelFahrendes Volk' deutet schon an. daß es sich um eine Darstellung des Artistenvolkes in seiner ganzen Romantik handelt. Lasten schleppende Elefanten und brüllende Tiger wechseln ab mit rassigen Pferden und eleganten Reiterinnen. Die blendende Außenseite steht in einem schroffen Gegensatz ?u den Tragödien, die sich hinter den Kulissen abspielen. Unter den Darstellern findet man berühmte Namen. Au erster Stelle wachten wir Franooise Rosay als Tierbändigerin nennen.

An die Stelle des Pferdes ist vielfach schon der gummi­bereifte Schlepper getreten.

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(Photo: Lenhardt K.)

Mäher und -wender, die neuen Dresch- und Sotiermaschinen, die Reihensaatmaschinen usw. mehr und mehr in den Border- grund treten. Zum technischen Einsatz gehört übrigens auch die Bereifung der Ackerwagen mit Pneumatiks, weil sich durch die Luftbereifung der Zugkraftbedarf um etwa 50 % verringert und Tranportkosten spielen bekanntlich in der Landwirtschaft eine große Rolle. Man denke ferner an den technischen Einsatz bei Fragen der künstlichen Beregnung und künstlichen Trockenlegung (als notwendige Folge, des stärkeren Zwischenfruchtbaues, für den noch nicht genügend Gärfutterbehälter zur Verfügung stehen), und man wird er­kennen, daß es heute im Interesse der Erzeugungssteigerung einerseits und der Kräfteersparnis andererseits liegt, datz die Landtechnik den Vormarsch antritt, auch dort, wo im Gegensatz zum Großbetrieb der Bauernhof aus Gründen der Wirtschaftlichkeit noch nicht finanziell in der Lage ist, sich die betreffenden Geräte zu beschaffen. Hier kann durch gemeinschaftlichen Einsatz mehrerer Betriebe das gleiche Ziel erreicht, und auf diese Weise die Leistungs­fähigkeit erhöht und die allgemeine Versorgung aus- gegUchener gestaltet werden. Dann wird die Lartdtechnik im besten Sinne mithelfen, eine Schlacht zu gewinnen. L.

Sie ist nicht mehr jung, und doch von Mgendlrcher Elastizität in ihrem gestrafften Körper, ganz wilde Zirkusnummer mit der gesträubten Perücke, und ganz Mutter, ganz brngebende Frau, wenn sie die falsche Sülle abstreift und sich nut dem ver- ehrungswürdißen Weiß der Haare zeigt. Der französische Akzent gibt ihrer Aussprache eine leicht exotische Färbung. Hans Albers als entsprungener Strailing Fernand ist die uns längst bekannte Kraftnatur von urwüchsigem Humor, die aber diesmal durch tragische Schatten überdeckt wird: ehrlich, polternd, draufgängerisch, ein Prachtkerl, bei einem leid tun kann. Ergreifend besonders die Szene, wo der Vater uner­kannt neben dem Sohne sitzt, der sich in bei Veizwerslung bem Trunk ergeben hat. Diesen, den Marcel, spielt Hannes Stelzer als einen unerfahrenen guten Jungen. Irene von Magenborff ist eine innig zarte Bvonne. bereu echte Weiblichkeit im schroffen Gegensatz zu der verführerischen Art bei Camilla Hoin sieht, bie bei Rivalin Pepita alle koketten Reize eines kaltheizigen Geschöpfes verleiht. Unter ben Nebeniollen seien bie bet falschen Susanne.(Ulla Guglitz) unb des ziemlich konventionellen Zitkusdiiekiots (Herbert Hübnet) besondets hetvoigehoben. Da das Zelt mit Per- sonal, Tieren und Inventar von einem bekannten Zirkus ge­stellt wurde, läßt sich der Eindruck der Echtheit kaum über­bieten. Ein schöner Kulturfilm macht uns mit den Werken des großen deutschen Plastikers Tilman Riemen- schneider bekannt. In der tonenden Wochenschau sehen wir die ersten Bildberichte vom Reichsparteitag.

Dr. Wolfram W a l d s ch m i d t.

* Walhalla-Theater. Da hat Johannes Meyer nach einem Roman einen äußerst spritzigen Film gedreht unter dem TitelDiskretion Ehrensache". Die süße, kleine Mary soll auf Kommando einen Lord aus uraltem Adel heiraten. Fällt ihr natürlich im Traum nicht ein. Sie engagiert einenHerrn auf Bestellung", der sie zu entführen unb zu kompromittieren hat, dazu auch gleich zwei Detektive, die Seiner Lordschaft das belastende Material unterbreiten sollen. Der Zufall will es, daß an die Stelle des Stroh­mannes ein hübscher, junger Ingenieur tritt, der bie Rolle in einer für alle Beteiligten, nicht zum minbeften ber kleinen Mary, überraschenden Weise durchführt, bie man sich trotzbem denken kann. Die unzähligen, sich aus dieser Situation er­gebenden Verwicklungen und Verwechslungen im ein­zelnen zu beschreiben, müssen wir uns versagen, da wir uns eine Sonderausgabe desWiesbadener Tag­blatts" nicht leisten können. Es genüge die Feststellung, daß es am Schluß zwei glückliche Pärchen gibt. Auf bem Theater­zettel prangen lauter berühmte Namen. Helt F i n len­ze l l e r spielt die Mary Hopkins als ein eigensinniges, ver­wöhntes Mädel, das sich gegen Liebe und Ehe mit jungfräu­lichem Trotz sträubt, bis ber Richtige kommt und ber Wider­spenstigen Zähmung vollzieht. Allerliebst die kleinen Schmollereien, durch die immer stärker die uneingestandene Leidenschaft hindurchbricht. Hans Holt ist der unbeschwerte, alle Schwierigkeiten mit Lächeln überwindende Bursche voll Energie, wie ihn sich die Frauen wünschen. Das zweite Pärchen ist fast noch ergötzlicher. Fita B e n k b o f s verleiht der Lilian ihre pikanten Reize, und Theo Lingen ist ein Lord in Steifleinen, von einem märchenhaften Phlegma. Ida Wüst, die Tante Carola, bleibt die schöne, alte Dame von jugendlicher Frische unb liebenswürdigem Humor, unb Paul Henckels wirb als alter Schwerenöter trotz seiner onkel­haften Würde entlarvt. Vor allem weiß aber Ralph Arthur Roberts bet; alten Herrn Hopkins so zu zeichnen, wie wir es von ibm gewohnt Und, ewig nervös, und stets bemüht, sich mit schief gezogenem Mund den ihm vom Schicksal tückisch be-

Der Spielplan der Woche.

3*5 Theater

Whenz-Theater

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Sonntag.

11. Sept.

14.80 bis 16.45 Martha" Außer St.-Reibe 19.30 bis 21.45 Tosca" S1.-R. C. 2 Vst.

20 bis 22.15 Flitterwochen"

11.30 Frübkonz. in d. Brunnenk. 16 bis 18:

Rundf.-Konzeri

20 Sinfonie- Konzert

Montag.

12. Sevt.

19 bis 23 Zum erst. Male: Faust H Von Goethe. St.-R. B. 2 Vst.

20 bis 22.15 In Neuinszenier. Ewige Worte" (Ich liebe dich) Lustsp. i. 3 Akten v. Niewiarowicz

20 Uhr: Konzert d. Eau- musikzugs 25 des R.-Arbeitsdienst.

Dienstag.

13. Sevt.

19.30 bis n. 21.30 Orpheus und Eurydike"

St.-R. A. 2 Vst.

20 bis 22.15 Flitterwochen"

11 Frübkonzert v. d. Brunnenk.

16.30 und 20: Konzert

Mittwoch.

14. Sevt.

19.30 bis 22.30 Der fliegende Holländer" St.-R. D. 2 Vst.

20 bis 22.15 Flitterwochen" St.-R. I. 1. Vst.

11 Frühkonzert v. d. Brunnenk. 16 Großer Saal: Große verbst- Modenfchau 16.30 und 20: Konzert

Donnerstag 15. Sevt.

19.30 bis n. 21.30 Die Boheme"

St.-R G. 3. Vst.

20 bis 22.15 Ewige Worte"

11 Frübkonzert in d. Brunnenk.

16.30 Kaffee- Konzert

20 Großer Saal: Sonder-Konzert d. Kmnmersäng. Maria Cebotari.

Freitag.

16. Sevt.

19.30 bis B. 22.15 Zum erst. Male! Die hellblauen Schwestern" Operette

in 3 Akten von Eduard Künnecke St.-R. E. 3. Vst.

Geschlossen.

11 Frübkonzert in d. Brunnenk.

16.30 und 20: Konzert

Samstag.

17. Sevt.

19.30 bis 21.45

Verwandte sind auch Menschen"

St.-R. F. 2. Vst.

20 bis 22.15 Flitterwochen"

11 Frübkonzert v. d. Brunnenk. 16.30 Brunnenk. und Kurgarten: Konzert

20 Großer Saal: Wir singen und spielen

mit Will Meisel. Elisa Jlliard u. Gita Mebrmann Ansage: Heinz Eoedecke.

Sonntag.

18 Sevt.

14.30 bis a. 17.45 Frasauita"

Außer St.-Reibe

19.30 bis geg. 22 Tiefland"

St.-R. A. 3. Vst.

20 bis 22.15 Flitterwochen"

11 Großer Saal: Morgenfeier der NSDAP.

11.30 Frübkonz.

v. d. Brunnenk.

16.30 Konzert

20 Ubr: Klastisch. Abend

Eine Leistung höchsten Grades

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Grosse Burqsfrosse gegenübertder.Kurppst

reiteten Ltzgen zu entziehen. Das drollige Detektivvaar Hermann Schaufuß und Kurt Seifert hat keinen ge­ringen Anteil an der Lustigkeit, die immer wieder im Zu­schauerraum ousflackert. Im Beiprogramm läuft der sehr lehrreiche FilmElektrische Brücken, der die (geheim»

Heli Finkenzeller als Mary Hopkins und Hans Holt als Peter Parker. (Tobis. K.)

nisse des Telephons und der Bildübertragung in lebendiger Weise erläutert. Aus der Bühne tritt die Tänzerin Kali­nowa auf und erfreut mit Darbietungen, die durch eine elegante Linie und nationalrassige Färbung gekennzeichnet sind. Dr. Wolfram Waldschmidt.

Trennschärfe.

Mehr als 200.000 WENDE

wurden 1937 verkauft. Das ist der sicherste Beweis dafür, wie sehr MENDE-Geräte beliebt und geschätzt sind.

Wer einen MENDE wählt, weiß von vornherein, daß er ein Gerät erhält, das dem Ziel:Edel in Form und Klang" so nahe als nur irgend möglich ist. MENDE kennt auf Grund seiner großen Erfahrungen genau alle Wünsche der Käufer und hat sie in den neuen Geräten des Baujahres 1938 in jeder Beziehung verwirklicht.

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Bezugsquellen weist nachi Generalvertretung und Kundendienststelle PAUL VOLLMERS, Frankfurt am Main, Weserstraße 31.