Wiesbadener Taablatt
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Nr. 117.
Freitag, 20. Mai 1938.
86. Jahrgang.
M Mstz» MW iinö KM ist ein WWm wW."
Ein neuer Appell Lord Rothermeres an die Engländer.
Gegen falsche Vorstellungen.
London, 20. Mai. (Funkmeldung.) Lord R o t h e r- rncte besaht sich in der „Daily Mail- abermals ausführlich mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Wiederum setzt er sich für eine Verständigung zwischen Deutschland und England ein.
Einleitend führte Rothermere Schuschnigg als Beispiel dafür an, daß außenpolitische Fragen nicht immer leicht zu verstehen seien. Sechs bis sieben Jahre lang habe das englische Außenamt die Bedeutung Mussolinis auch nicht verstehen können. Man habe ihn in England verschiedentlich als Witz angesehen, den eine erzürnte italienische Bevölkerung jederzeit beseitigen könne. Eine ebenso falsche Vorstellung habe man von Hitler gehabt. Die englischen Diplomaten hätten es offensichtlich nicht fassen können, daß hinter diesen beiden nationalen Persönlichkeiten eine Volksmacht und eine Energie stehe, die ein parlamentarischer Premierminister wenn überhaupt, dann nur selten, gehabt habe.
Rothermere befaßt sich dann nochmals mit der P e r - sönlichkeit des Führers. Er schreibt: „Hitler nennt sich mit Stolz ManndesVolkes. Trotzdem habe ich nach ledern Zusammentreffen mit ihm den Eindruck gehabt, daß
„Sieben Tage Weltgeschichte."
Ein Film über den Staatsbesuch des Führers in Italien.
Berlin, 19. Mai. (Funkmeldung.) Ein Filmdokument von größter politischer Bedeutung wurde am Donnerstag von der Tobis-Filmgesellschaft vor Vertretern der deutschen Presse entrollt. Mit vollem Recht trägt der vom Jstituto Nazionale Luce hergestellte Film den Titel „Sieben Tage Weltgeschichte". Das gewaltige Erleben des Staatsbesuches des Führers in Italien, das hier in packenden Bildern festgehalten wurde, hat ja in der Tat die Welt bewegt wie kaum ein politisches Geschehen zuvor.
Mit großem Geschick sind die wichtigsten und eindrucksvollsten Abschnitte dieser festlichen sieben Tage herausgestellt worden. Sie geben dem Beschauer die Möglichkeit, nachzuerleben und nachzuempfinden, was das befreundete italienische Volk mit oftmals überschäumender Freude und herzlicher Begeisterung erfüllt hat. Alle Etappen dieser wirklich unvergeßlichen Fahrt durch ein jubelndes Land, das sich dem Besucher in seinem ganzen Liebreiz erschloß, und die zugleich einen vorzüglichen Einblick gewährte in den kraftvollen Aufbau des faschistischen Italiens sind im Bilde festgehalten. Mit heißem Herzen kann man die Fahrt Adolf Hitlers nach dem herzlichen Empfang am Brenner in die jubelnde Hauptstadt des italienischen Imperiums, die Weiterfahrt nach Neapel und den Abschluß im liebreizenden Florenz verfolgen.
Der Tobis-Film „Sieben Tage Weltgeschichte" hat die Prädikate „staatspolitisch wertvoll, künstlerisch wertvoll, volksbildend, jugendfrei und für alle Feiertage zugelasien" erhalten. ________
Nur noch „Reichsminister".
Berlin, 19. Mai. Nach einer Anordnung des Führers und Reichskanzlers wird künftig für die vereinigten Reichs- und preußischen Ministerien die bisher übliche Bezeichnung „der Reichs- und preußische Minister" durch die Bezeichnung „D e r Reichsmini st er lls w." ersetzt. Dies gilt für die Unterzeichnung der Rechtsnormen des Reiches, für die Beamtenurkunden, die Bezeichnung in Siegeln, Briefköpfen usw. Lediglich in rein preußtzcyen Angelegenheiten wird noch die Bezeichnung „Der Reichs- und preußische Minister" gebraucht.
Baut England 45 OOO-Tonnen-Schlachtschiffe.
London, 20. Mai. (Funkmeldung.) Der Marinekorre- spondent des „Daily Telegraph" hält es für sehr wahrscheinlich, daß die zwei Schlachtschiffe des Programms 1938, die im Herbst auf Kiel gelegt würden, die 35 OOO-Tonnen-Erenze weit überschreiten würden. Nach Ansicht der englischen Sachverständigen würde eine Erhöhung der Tonnage um 7000 Sonnen allen Erfordernissen entsprechen. Da man im Augenblick keine kleineren Schiffe als die >, von anderen Mächten geplanten bauen könne, so würden die Neubauten 40 000 Tonnen überschreiten, vielleicht würde man sogar 45 OOO-Tonnen-Schiffe bauen.
Arbeitsbeschaffung in Frankreich.
Das Ergebnis der interministerielle« Konferenz.
Paris, 20. Mai. (Funkmeldung.) Die interministerielle Konferenz am Donnerstagnachmittag beschäftigte sich unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Da la di er besonders mit Fragen der nationalen Produktion. Es wurden zwei Maßnahmen ins Auge gefaßt, deren gesetzesmäßige Vorbereitung den zuständigen Abteilungen des Finanzministeriums übertragen wurde. Im ersten Fall handelt es sich um eine mehrere Milliarden Franken betragende Summe, die der Landeskreditkasfc zur Verteilung
er ein großer Gentleman ist. Jeder East fühlt sich sofort wohl. Selbst, wenn man nur fünf Minuten mit ihm zusammen ist, hat man das Gefühl, ihn schon lange zu kennen. Seine Höflichkeit ist kaum zu beschreiben. Männer und Frauen sind gleichermaßen von seinem steten und entwaffnenden Lächeln gefangen. Er ist ein Mann von seltener Kultur, der über ein tiefes Wissen auf den Gebieten der Musik, Malerei und Architektur verfügt."
Lord Rothermere stellt dann fest: „Hitlers Politik ist die des Erfolges ohne Blutvergießen. Er hat die Macht in Deutschland, einem Lande von 68 Millionen Menschen, mit nur geringen Verlusten an Menschenleben erreicht. Ö st e r r e i ch wurde ohne einen einzigen Schuß in das Reich eingegliedert. Bei den Unruhen in Palästina haben in den letzten fünf Jahren mehr Menschen ihr Leben gelassen als in Deutschland und Österreich seit der Errichtung des Hitler-Regimes."
„Ich setze meine Sonder st udien über Deutschland heute aus einem besonderen Grunde fort: Ich glaube nämlich, daß ohne Freundschaft zwischenDeütsch- land und England ein Weltfrieden unmöglich sei. Ich ersuche alle meine Landsleute, einzeln und geschloffen. ihren Einfluß dahin einzusetzen, einen Um- s ch w u n g in der Stimmung und Auffassung herbeizuführen, der die größte Seemacht der Welt in die Lage versetzt, der größten Landmacht die Hand zu reichen."
unter die SeT „rtements und Gemeinden für seit langem verzögerte öffentliche Arbeiten zur Verfügung gestellt werden soll. Bei der zweiten Maßnahme handelt es sich um Kredite von mehreren Milliarden Franken, dir gewissen Zweigen der Privatindustrien als finanzielle Hilfeleistung gewährt werden sollen. _______________________
Bolksratswahlen in Südafrika.
Sieg der Regierungspartei.
Pretoria, 19. Mai. Die Wahlen für den verfassungsmäßig alle fünf Jahre neu zu wählenden Volksrat der südafrikanischen Union, die am Mittwoch stattfanden, haben nach den bisher vorliegenden Ergebnissen einen klaren Sieg der vereinigten Regierungsparteien der Generale Hertzog und Smuts gebracht. Die endgültigen Zahlen werden am Freitag bekannt werden.
Weltgeltung aus der Retorte.
Zu einem Chemiekongreß.
* Nicht erst seit heute legt die Chemie einen Querschnitt durch das Leben der Nationen. Wir brauchen nur Namen wie Liebig oder Bunsen zu nennen; vielleicht erinnert man sich auch der ersten Anilinfarben oder an den chemischen Krieg anno 1916, made in France. Oder wir denken an die unzähligen deutschen Patente, die draußen in der Welt als Lizenzen arbeiteten und die uns im Weltkrieg schlicht und einfach gestohlen wurden, „beschlagnahmt" nannte man das damals. Ausländische chemische Industrien sind auf diese Weise entstanden.
Doch trotz allem erstand noch ein weiteres Mal deutsche Weltgeltung aus der Retorte. Wer sich davon überzeugen möchte, braucht nicht erst die Wunderdinge des Vierjahresplanes zusammenzutragen; er fahre nach Rom, wo in diesem Augenblick einige tausend Chemiker aus allen Kulturländern der Erde die Eittö Universitaria bevölkern, um den sorgsam vorbereiteten Weltkongreß der „Internationalen Chemie-Union" zu begehen, an dem Deutschlands chemische Bedeutung durch 700 Fachleute erster Klasse vertreten wird.
Deutschland hat trotz Wirtschaftskrieges, trotz Boykotts und Zollmauern und trotz aller Devifennöte wieder einen Anteil von 20 v. H. der gesamten chemischen Weltproduftion erreicht und führt für 578 Millionen RM. chemische Waren aus. Das sind, auch ungeachet der wiederum zahllosen Lizenzen und Patente, die in anderen Ländern das Rückgrat der dortigen chemischen Fabriken bilden und im stillen mitverdienen helfen, erstaunliche Ziffern. Der nüchtern rechnende Kaufmann liebt trockene Vergleichszahlen, an denen er kontinentale Bedeutung zu messen pflegt: nun, ein Fünftel der Welt-Chemie, das läßt sich hören!
Seit dem letzten Kongreß der Union in Madrid find einige sehr vielsagende Jahre vergangen. Es hat sich mehreres in der Welt und vor allem in Europa gewandelt. Madrid ist ein Trümmerhaufen. Mer daß beispielsweise die Genfer Sanktionen gegen Italien so jämmerlich versagten und alle Daumenschrauben, gegen Deutschland angewandt, in Stücke sprangen: das müßte als Hohes Lied der Chemie gepriesen werden. Sie ist es, die vor allem die Freiheit der beiden mitteleuropäischen Machtstaaten untermauerte. Vierjahresplan und Erzeugungsschlacht, Aufrüstung und Außen-
Sütschau völlig in der Hand der Japaner.
Panikartige Flucht der Chinesen.
Schanghai, 19. Mai. (Ostasiendienst des DNB.) Sut- schau war in den Abendstunden des Donnerstags restlos in der Hand der Japaner. Die Sonnenflaggen wehen auf allen Türmen der Stadt und auf den Amts- gebäuden.
Der RückzugderChinefenhat stellenweise bereits panikartige Formen angenommen. In langen Kolonnen wälzten sich die geschlagenen Truppen nach Südosten, in Richtung auf die Provinz Anhwei. Alle nur denkbaren Fahrzeuge werden mttgeführt: Autos, Rikschas, Panzerwagen, Vauernkarren und andere dienen zum Forttransport der Habseligkeiten. Immer wieder werden sie angegriffen von tieffliegenden japanischen Geschwadern, die mit ihren Maschinengewehren in die Massen der Flüchtenden hineinschießen. Nach Südosten führt der einzige Rückzugweg, aber die Japaner Bereiten in der Provinz Anhwei bereits Maßnahmen vor, um den Chinesen den Weg zu verlegen. — Die Beute der Japaner in Sütschan ist sehr groß. Auf der Lunghai-Vahn standen Dutzende voll beladener Transportzuge mit Kriegsmaterial und Lebensrnittel. Der Flugplatz von Sütschau wurde bereits als neue japanische Flugbasis für die Fortsetzung der Operationen in Richtung Kaifdng und Hankau in Betrieb genommen.
„Sieg über einen vierfach überlegenen Gegner"
Tokio, 19. Mai. (Ostasiendienst des DNB.) Die V e - beutung der Eroberung von Sütschau wird in der japanischen Presse eingehend erörtert. Die Blätter sind allgemein der Ansicht, daß die Einnahme dieses überaus wichtigen chinesischen Stützpunktes den Zerfall des gesamten Befeftigungssystems im Lunghai-Abschmtt einleite, womit der Weg nach Hankau frei werde. Japan überschätze keineswegs die Rückwirkungen dieses neuen Erfolges auf die Eesamtlage, aber auch das Ausland könne die Tatsache nicht totschweigen, daß die Japaner bei Sütschau einen Sieg über einen vierfach überlegenen Gegner errungen haben. Tschiangkaischek müsse nunmehr jede Hoffnung auf einen wirkungsvollen Widerstand aufgeben. Man werde ihm nicht viel Zeit lassen, denn das japanische Volk erwarte allgemein, daß der jetzige günstige Augenblick zur endgültigen Entscheidung ausgenutzt werde. Das japanische Volk wünsche, daß die Regierung rasch handele, nicht nur gegen Hankau, sondern auch gegen Südchina.
Die Agentur Domei bemertt hierzu, daß die kürzlich erfolgte Besetzung von Amoy die operative Voraussetzung für
eine Aktion gegen Kanton geschaffen habe. Auch die Besetzung der südchinesischen Insel Hainan werde viel erörtert.
Tokio feiert die Eroberung Sütschaus.
Tokio, 20. Mai. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DNB.) Die Eroberung von Sütschau wurde in Tokio mit ungeheurem Jubel begrüßt. Das bedeutsame Ereignis wird am Freitag von der ganzen Stadt in zahllosen Versammlungen und Umzügen gefeiert werden. Sämtliche Häuser haben reichen Flaggensch'muck angelegt.
INHV/E/
Gelbes .Meer
Eine Übersichtskarte zu der Eroberung von Sütschau.
(Eisner-Wagenborg. M.j
