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, Schellenberg'sche Hofbuchdruckerei, -Tagblatt-Haus". Wöchentlich 7 Ausgaben .....

Ausgaben

Wöchentlich

8, Schellenberg'Iche Hoftmchdruckerei, „lagblatt-Hau»".

W-rliäglich nachmittag», Samstags vor- #. nachmittags

mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage.

Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Poftfchecklonto: Frankfurt a. M. Rr. 7405.

Nk. 233

Dienstag, 27. August 1935

83. Jahrgang«

AuWilmegM WWenW bei bm omerilonil^n Nmern

Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-WUmersdorf.

Eeschüftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, anher Sonn- und Feiertags.

Paris und die Sanktionen.

as. Berlin, 27. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Welt kann heute einen Gedenktag feiern. Am 27. August 1928 wurde der Kriegs­ächtungspakt, meist Kelloggpakt genannt, unter­zeichnet. In diesem Vertrag erklären bekanntlich die - Unterzeichner, „daß sie den Krieg als Mittel für die , Lösung internationaler Streitfälle verurteilen und auf ihn als Werkzeug der nationalen Politik in ihren gegenseitigen Beziehungen verzichten." Vriand hielt damals bei der feierlichen Unterzeichnung in Paris eine Rede, in der er mit Genugtuung erklärte, ,chatz das Er- eingnis dieses Tages ein neues Datum in der Geschichte der Menschheit darstelle." Heute, genau sieben Jahre später, ist der Krieg in Ostafrika unvermeidlich. Das Interview, das Mussolini dem Vertreter der „Daily Mail" gegeben hat, beseitigt jeden Zweifel und be­stätigt, was hier schon wiederholt gesagt wurde, daß Italien nicht mehr zurück kann, daß vielmehr die zwei­hunderttausend Gewehre von selbst losgehen würden.

In Frankreich ist man über diese Erklärungen Mussolinis nicht gerade sehr beglückt. Man kommt in Paris mehr und mehr zu der Überzeugung, daß eine Vermittlungsaktion vor der Ratstagung vollkommen aussichtslos ist. So wird auch versichert, Laval habe endgültig die Absicht aufgegeben, irgend etwas vor der Genfer Tagung zu unternehmen. Aber auch in Genf wird Frankreich nichts tun, um Italien von einem Krieg in Abessinien abzuhalten, sondern es wird ihm darauf ankommen, den Krieg auf Ostafrika zu beschrän­ken und jedes weitere Umsichgreifen des Kriegsfeuers zu verhindern. Deshalb wird man auch in Paris reich­lich nervös, sobald man das Wort hört, das sonst, zum mindesten, wenn es gegen Deutschland geht, in Frankreich so beliebt ist, das Wort Sanktionen. Die französischen Blätter lassen ganz besonders, nachdem Mussolini erklärt hat, daß er selbst einen moralischen Vorwurf in Genf mit dem Austritt aus dem Völker­bund beantworten werde, immer wieder durchblicken, daß sich in Genf nicht die nötige Einigkeit erzielen lassen würde, wenn England Sanktionen

Bor sieben Jahren und heute.

Auch ein Gedenktag. — Meine französische Vermittlung vor der Bölkerbundsratstagung.

Demonstration in Malta.

gegen Italien beantragen wollte. Mit anderen Worten heißt das, daß Frankreich dem nicht zustimmen würde. Man beruft sich darauf, daß der englische Außenminister Sir Samuel Hoare seinerzeit ausdrücklich erklärte, daß die englische Regierung nur dann zu Gegenmaß­nahmen und Sanktionen greifen würde, wenn sie kollektivster Natur seien, das heißt, gemeinsam verhängt würden. Daran wird man also die Engländer er­innern, wenn sie noch Gelüste zeigen sollten, das Sanktionsthema zu erörtern. Auf diese Weise wird man den Austritt Italiens aus dem Völkerbund zu ver­hindern trachten. Nebenbei sei noch bemerkt, daß man den Engländern vorwirft, sie seien jetzt für Sanktionen, hätten sich aber gegen Sanktionen ausgesprochen, als Deutschland seine Aufrüstung durchzuführen begann, wie es überhaupt in der französischen Presse nicht an Seitenhieben gegen Deutschland fehlt, wobei wir ja mit den Dingen, die jetzt zur De­batte stehen, nicht das Mindeste zu tun haben.

Man ist in Paris auch nicht sehr erfreut darüber, daß di« Engländer ihre Garnisonen in Malta und Aden verstärken und das Flugzeug-Mutterschiff „Glorious", das an Bord je ein Geschwader Kampf­flugzeuge, Erkundungsflugzeuge und Torpedo-Bomben- flug,zeuge hat, nach Malta entsenden. Aber ganz offen­sichtlich will gerade angesichts gewisser italienischer Drohungen England den 5. September den Tag, an dem vor 135 Jahren Nelson nach zweijähriger Blockade Malta französischen Händen entriß, benutzen, um der Welt zu zeigen, daß Malta britisch ist und britisch bleibt. So werden also Flotte und Luft­flotte für den britischen Selbstbehauptungswillen auf Malta demonstrieren.

Das ist die gegenwärtige Lage und wir glau­ben, daß sie sich bis zum Zusammentritt des Rates nicht wesentlich ändern wird. Zwar werden an den kurzen Besuch Balbos in Paris mancherlei Kombinationen ge­knüpft und das Gleiche gilt auch für den von Mussolini nach Bozen einberufenen Ministerrat. Nachdem aber der Duce sich so oft und so eindeutig über die Politik Italiens geäußert hat, sind auch hier wohl keine sen­sationellen Beschlüsse zu erwarten.

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Flugzeug wirft kommunistisches Propaganda­material ab.

New 9)ort, 26. Aug. Bei den M a n ö n e r n des 3. Armeekorps in Pennsylvanien, über die vor einigen Tagen berichtet wurde, hat sich ein Zwischen) ill er­eignet, der die D r e i st i g k e i t beweist, mit der die Kommu­nisten in den Vereinigten Staaten neuerdings ihre Hetz­propaganda durchführen.

Ein Flugzeug, das zwar die Farben, aber nicht die Ab­zeichen der amerikanischen Heeresflugzeuge trug, warf über dem Lager des 3. Armeekorps in der Nähe von Jndiantown Cap (Pennsylvanien) Flugschriften ab, deren Inhalt von Offizieren als kommunistisch bezeichnet wurde.

Der Sowjetbotschafter zitiert die Bibel.

New York, 27. Aug. (Eig. Drahtmeldung.) Die amerika­nische Presse veröffentlicht zahlreiche Äußerungen aus poli­tischen Kreisen, namentlich von Senatoren, die dem amerika­nischen Protest in Moskau zustimmen.

Gleichzeitig berichten die Blätter über eine Erklä­rung des Botschafters der Sowjetunion in Washing­ton, T r o j a n o w s k i, der äußerte, daß er sich nicht mit dem amerikanischen Protest befassen wolle. Die Note der Ver­einigten Staaten werde eine zufriedenstellende Erwiderung durch die Sowjetregierung finden. Er wolle aber daraus Hin­weisen, daß von einigen Kreisen in den Vereinigten Staaten ein Propagandafeldzug gegen di« Sowjetregierung geführt werde. 2m Hinblick auf diesen dürfe er wohl an das Bibel-- wort vom Splitter und vom Balkon erinnern.

„Daily Mail" zum Schritt Washingtons.

London, 27. Aug. Die amerikanische Note an Moskau wird von der „Daily Mail" als neuer Beweis für die Wertlosigkeit von Sowjetversprechungen bezeichnet. Das Blatt sagt, Sowjetrußland habe seine Zuge­hörigkeit zum Völkerbund nur für Propagandazwecke benutzt. Hader und Blutvergießen auf der ganzen Welt könne auf die rote Hand zurückge-führt werden. Kommunisten hätten den Rifkrieg 1925 und die mandschurischen Unruhen von 1931 ge­schürt. ’2n China seien ganze Provinzen jahrelang von kom- . munistischen Armeen verwüstet worden. Die teuflischen Grausamkeiten, die letztes Jahr in Asturien verübt worden

Die Wett wehrt sich.

Ein Einlirdungsbrief des Präsidenten der Ver­einigten Staaten an das offizielle Staatsoberhaupt der Union der Sowjetrepubliken — das war im Herbst vor zwei Jahren der Auftakt zu normalen Staatsbe- ziehungen zwischen Moskau und Washington. Wird in diesem Herbst eine scharfe Protestnote der Ver­einigten Staaten gegen die Methoden des Kommunis­mus der Auftakt zum Wiederabbruch dieser Beziehungen sein? 16 Jahre lang, vom Ausbruch der bolschewistischen Revolution bis zum Herbst 1933 hatten die Vereinigten Staaten von Nordamerika es auf das entschiedenste abgelehnt, die Moskauer Regierung als eine normale Regierung des russischen Volkes anzuer­kennen, 16 Jahre lang gab es keinen sowjetrussffchen Diplomaten in USA., keinen amerikanischen Botschafter in Moskau. Das Verhalten der Sowjetunion in der Frage des Privateigentums, die Weigerung der bolsche­wistischen Regierung, die etwa 600 Millionen Dollar Kriegsschulden, die das Zarenreich in den Vereinigten Staaten ausgenommen hatte, als Staatsschuld anzuer­kennen, waren der sine Grund, die kommunistische Pro­paganda, die jedes nichtbolschewistische Regierungs- und Wirtschaftssystem zu unterhöhlen sucht, der zweite Grund für diese Haltung Amerikas.

Dieser zweite Grund, die Abwehr kommu­tt i st ischer Propaganda, der zeitweilig ausge- schaltet schien, wird jetzt von neuem zum Streitpunkt, wie es bei genauer Kenntnis der bolschewistischen Be­strebungen in der ganzen Welt eigentlich selbstverständ­lich sein müßte. Im Jahre 1933 fanden Sowjetrußland und IlSA. Gründe für eine Annäherung. Die Sowjets glaubten, in den Vereinigten Staaten einen Helfer 'gegen Japan finden zu können, und sie waren eventuell sogar bereit, sich das etwas kosten zu lassen. In den Ver­einigten Staaten, die damals den schwersten Abschnitt ihrer Wirtschaftskrise durchmachten, glaubte man in der Sowjetunion ein Land gefunden zu haben, das ameri­kanische Waren in großem Maßstab aufnehmen und so indirekt amerikanische Arbeiter wieder in Beschäftigung bringen könnte. So kam es dazu, daß Präsident Roose­velt den Sowjet-Außenkommissar einlud, daß dieser Washington besuchte, und daß im November 1933 die diplomatischen Beziehungen ausgenommen wurden. Die Grundlage dafür war ein Abkommen, in dem die Sowjetunion versprach, keine Unterwühlung des politi­schen Systems der Vereinigten Staaten zu dulden oder zu fördern, auf söwjetrussischem Gebiet keine Organisation zuzulassen, die solche Ziele haben sollte.

Aber ununterbrochen bestand die Organisation der kommunistischen Internationale fort. Diese kommunistische Internationale, die ihre Zentrale in Moskau hat, ist ein seltsames Instrument. Sie btt angeblich nicht das geringste mit der sowjetrussischen Regierung zu tun, denn sie ist ja keine Amtsstelle, sondern nur eine Einrichtung der kommunistischen Partei. Freilich sind die maßgebenden Regierungsmit- glieder, die Minister, oder formell gesprochen, die Volks­kommissare der Moskauer Regierung sämtlich führende Inhaber hoher Ämter in der Zentrale der kommunisti­schen Internationale. Das ist, sagt die Sowjetregierung ihre Prioatangelegettheit, da sie ja nun einmal kommunistische Parteimitglieder seien. So hat jahrelang für die Moskauer Regierung Herr X oder Herr P Be­schwerden fremder Regierungen in seiner Eigenschaft als Volkskommissar mit der Begründung abgslehnt, daß der gleiche Herr 1 oder Herr 3) nur in seiner Eigenschaft als Funktionär einer Parteiorganisation gehandelt habe, die die Regierung nicht beeinflussen könnte^ Die Vereinigten Staaten suchten sich von vornherein gegen dieses Doppelspiel zu schützen, das nun vor einem größeren Teil der Welt explodiert ist. Wenn sie ver­traglich abmachten, daß die Sowjetunion auf ihrem Ge­biet keine Organisation dulden sollte, die gegen das politische System der Vereinigten Staaten arbeitet, so lag darin praktisch die Abmachung, daß die kommunisti­sche Internationale ihre Existenz und Tätigkeit in Nordamerika aufgeben sollte. Aber die Sowjetregierung vie einige Zeit hindurch versucht hatte, in den bürger­lichen Ländern Beruhigung über ihre politischen Absich­ten zu schaffen, enthüllte diese Absicht in voller Klarheit auf dem Kongreß der kommunistischen Internationale, der vor kurzem statffand. Hier sprachen Kommunisten aus allen Ländern der Welt unter dem offiziellen Schutz der Sowjetregierung und entwickelten das Pro­gramm, mit dessen Hilfe sie unter solchem Schutz ihr Heimatland revolutionieren wollen. Es waren Kommu­nisten aus den Vereinigten Staaten, wie aus Frankreich, aus England, aus Japan und so fort. Zwei der be- rroffenen Staaten, Nordamerika und Japan, haben nun gegen diese Einmischung protestiert, nachdem in Deutschland der Reichsminister Dr. Frank schon auf dem Internationalen Strafrechtskougreß einen Appell

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeler breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Minimerer breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., fönst laut Preisliste Nr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr Übernommen. — Schlutz der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Erötzere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungsiage aufgegeben werden.

seien, hätten ebenfalls ihr« Urheber in Moskau.^ In Frank­reich sorgten di« Roten ständig für Unruhe. 3n Deutsch­land habe nur das Erstehen des jetzigen Regimes das Land und vielleicht Europa vor den Schrecknissen des Kommunis­mus bewahrt.

Zustimmung der französischen Rechtspresse zur amerikanischen Protestnote.

Paris, 27. Aug. Die amerikanische Protestnote an die sowjetrussische Regierung wegen Vorkommnisse auf der Mos­kauer Tagung der Komintern wird von der fran­zösischen Rechtspresse mit ganz besonderer Genugtuung ausgenommen. „Journal" sieht in ihr die Absicht Roosevelts, die Umstürzler in Schach zu halten.. Der amerikanische Staatspräsident, der ein sozialer Präsident sein wolle, werde keinen demagogischen Forderungen nach- geben, die sein« großen Reformplän« schädigen könnten. Erste Vorbedingung für eine allgemeine Wiedergesundung sei die Ausschaltung aller kommuni st ischen Ele­mente. Auch der „Matin" ist begeistert über die Nore Roosevelts. Endlich, so schreibt das Blatt, sind« man ein­mal ein« demokratische Republik, die noch nicht zum Vasallentum herabgesunken sei. Amerika habe die Mos­kauer Revolutionäre aufgefordert, sich über die widerliche Tagung der Komintern näher zu äußern. Man könne --iesen Schritt nur gut heißen, denn er beweise, daß die amerika­nische Regierung nicht lange rede, sondern sofort handele, wenn man ihr zu nahe trete.

Auch ein japanischer Protest in Moskau bevorstehend.

Tokio, 26. Aug. Der japanische Botschafter in Moskau, Ohta, hat der japanischen Regierung von der vertrags­widrigen Sowjetpropaganda Mitteilung gemacht, di« durch di« Rundfunkrede eines japanischen Kommunisten in Moskau begangen wurde.

Wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Kongo mit­teilt, hat di« japanische Regierung auf Grund des Berichtes ihres Botschafters die Absicht, in Moskau in ähnlicher Weise Protest einzulegen, wie dies die Vereinigten Staaten in ihrer Note gegen die sowjetruffifche Einmischung in inter­amerikanische Angelegenheiten bereits getan haben.