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Drahtanschrift: lacHett SBicsboOtn.

Nr. 239

84. Jahrgang

Die nationalistische Osfensive auf Jrun

Geschossen Durch Di« rote Miliz festgest: wandfrei Vie französische Herkunft Dies

Die Bermittlungsaktion.

Daily Telegraph" ist skeptisch.

Ausgaben

II nterhaltungsbeilage.

W«rlta,lich aach»itta,a, Samstag, e»t» X. nachmittag» Ferniprecher-Sammel-Rr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

£. Schellender,Ich« bofbnchdrnckerei. ^ragblatt. Ha>m". Sefchüftszeit: 8 Uhr morgen» di» 7 Uhr abend», außer Sonn- und Feiertags,

Llanoam Montagabend u, a. aus. Daß Madrid erneut von Flugzeugen Der Militärgruppe mit Bomben belogt worben fei. Das Kel sei vor allem das Kriegsminisberium, Das Innenministerium unD Der Rordbahnhof gewesen. Die syste­matisch durchgeführten Luftangriff« auf Die HaupkstaDt Hüt­ten -dort eine grosse Panik hervorgerufen. Die nationale Regierung in Burgos habe Die Verwendung von Dumdum- Keschoffen Durch Die rote Miliz festgestelll. Sta-n habe ein-

Wöchentlich

mit einer täglichen

gegenüber recht schweigsam. Nur der Unterrichts­minister erklärte:Wir sind nach Frankreich gekommen, um mit unseren Freunden Fühlung zu nehmen."

DasEcho de Paris" berichtet, Datz diese hervor­ragenden Vertreter der spanischen Marxisten mehrere Stunden in Barcelona von den Anarchisten f e st g e h a l t e n worden seien, die ihre diplomatischen Pässe prüften. Das Blatt fordert,datz Frau Iriburi und die Herren Domings, Lara und Siches gebeten werden mützten, in ihre Heimat zurückzukehren. Man wünsche zu wissen, ob Ministerpräsident Läon Blum zulassen würde, daß die Aktivität dieser Personen sich frei auf französischem Boden entwickeln dürfe.

anjeigewreHe: «in Millimeter Höhe der 32 Millimeter breiten Spalte tm Anzeigenteil Grund, pret» 7 Rps., der 85 SRilUmeter breiten Spalte im Sextteil 60 Spf ionit laut Preisliste Nr. 6, Nachlatzstaffel B. Für die Aufnahme oon Snzetgen an bestimmten Sagen unb Plötzen wird keine Demöhr übernommen. Schluß der Anfeigen.Annahme 9 V» Uhr vormittags. Srötzere Anzeigen müssen spöteften» einen Sag vor dem Lrscheinungsiag« aufgegeben werben.

Die Bombardierung der Stadt hat begonnen.

Henbaye, 1. Sept. (Funkmeldung.) Sonde rbe richt Des DNB.) Am Diensragfrüh um 7.30 Uhr hat Di« Bombardie­rung der Stobt Jrun durch die Rationalisten begonnen. Ihre Flugzeuge überfliegen den Ort in einer Höhe von etwa 2000 Meter und bewerfen ihn in Abständen von 5 bis 10 Minuten mit mittleren und schweren Bomben. Riesige Rauchsäulen zeigen die Einschläge an. Das alte Fort Sein Marcial, in Dem sich die Marxisten besonders stark ver­schanzt haben, wirb von Den Maschinen mit Bomben belegt. Unheimlich schallt Das Echo Der Explosionen aus Den Bergen zurück. Rach Der ersten Überraschung greift nun auch die Artillerie Der Roten in den Kampf ein, ebenso wer­den Die Flugzeuge mit Maschinengewehren beschossen, ohne Das; bisher ein Erfolg erzielt wurde. Di« Artillerie -der Rationalisten beschießt Die Stellungen Der Roten bei dem Fort San Marcial. Die nationalistischen Flugzeuge be­mühen sich di« Bomben nicht zu nah an Der französischen Grenze abzuwerfen. Etwa 15 Bomben, die innerhalb Der ersten halben Stunde über Jrun abgeworfen wurden, liegen am Westrand der Stadt. Bisher könnt« feftgestellt werden, datz Drei Häuser getroffen rourStcn, oon denen eines brennt.

London, 1. Sept. (Funkmeldung.) Nach Mitteilungen der Londoner Morgenpresse sind die Gerüchte über di« Ein­leitung einer Vermittlungsaktion zwischen der Madrider Linksregierung und den spanischen Rationalisten auf Veran­lassung von Mitgliedern Des zur Zeit in Hendaye befind­lichen Diplomatischen Korps vorerst vorsichtig aufzunehmen. Ein diplomatischer Mitarbeiter DesDaily Telegraph" mel­det, Datz der argentinische Botschafter M a n s i l l a , der Friedensverhandlungen" eingeleitel habe, nicht für alle feine Diplomatischen Kollegen spreche. So habe der -britische Botschafter feine Amveifungen in dieser Angelegenheit er­halten. In London fei -man Der Ansicht, datz ein derartiger Vermittlungsversuch gegenwärtig kaum erfolgreich sein könne und wahrscheinlich di« Aussichten auf einen späteren Frie- 'densschrttt abschwächen würde. Im Falle eines Rückschlages könnte möglicherweise^ auch Die Bemühung um Humanifie- rung Des Kampfes -Schiffbruch erleiden. Auch auf fran- zöstscher Seile vertrete man Diese Anschauung.

Neue Einmischung Sowjetruhlands.

London, 1. Sept. (Funkmeldung.) WieDaily Mail" meldet, lieferte die Moskauer Rundfunksendung des spani­schen Sprechers einen neuen Beweis für die "Einmischung Sowjetrusslands in Den spanischen Bürgerkrieg. Der Sprecher erklärte, datz Sowjetrutzland bisher über 5 0 0 0 0 0 Pfund an die spanischen Marxisten gesandt habe und datz es seine Intervention weiter verstärke (!). Er for­derte dieArbeiter" der Welt auf. ihr« Sympathie für die Marxisten in aktive Hilfe umzuwandeln. In Sowjetrutz- land würden die kollektiven Bemühungen, Der Madrider Regierung gegen Die Rationalisten beizustehen, fortgesestt. SZosfau stehe in Fühlung mit den internation ilen Dele- galioneii. Die Madrid besucht hätten, und werde sich an jeder internationalen Massnahme zur Vernichtung der Militär­gruppe beteiligen. (!)

Die Ossoaoiachim lmbe beschlossen, eine zwangsweise Geldsammlung zur Unterstützung der spanischen Marxisten zu veranstalten.

Stxueiprdf«: Für «ne »ezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf für einen Monat RM. 2., em. jchltetzitch Sraglohn. Durch die Poft bezogen RM. 2.35. zuzüglich 42 Rps. Bestellgeld, Einzel, nummern 10 Rps. IBqugsbefteUungen nehmen an: der Illerlag, bie Ausgabestellen, die Tröger und alle Postanstalien. In Fallen höherer Gewalt ober Betriebsstörungen haben bie Bezieher fernen Anspruch auf Lieferung bes Bla tes ober auf Rüchzahlung de» Bezugspreises.

Sturmangriff im Morgengrauen.

London, 1. Sept. (Funkmeldung.) Rach einer Meldung desDaily Telegraph" besetzten die Rationa listen Den Berg Buruntea. -Das letzte natürliche Hindernis zwischen den Linien Der Militärgruppe und San Sebastian. 3n einem überraschenden Bajonertangri-ff -bei Morgengrauen erstürm­ten Die Nationalisten Den Gipfel. Di« Gefangenen, darunter «in« Anzahl von Franzosen, seien erschossen worden. Die vordersten Stellungen -der Rationalisten seien nach Dies«>m Erfolg nur noch 8 Kilometer von San Sebastian entfernt.'

Erneuter Fliegerangriff auf Madrid.

Lissabon, 1. Sept. (Funkmeldung.) In seiner Rund- funtertlärung über Den Sender Sevilla führte General de

gtanhtcttft brich! die Mtoliläl.

Das hart umkämpfte Jrun. Die Verbindung zwischen den beiden Volksfronten. Nur unpolitische Humanität?

Die Rolle Marokkos.

as. Berlin, 1. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Abt ilung.) Die Kämpfe dauern noch immer an. Die angreifende Militärpartei hat Verstärkung herangezogen und schwere Artillerie eingebaut, um sich endlich in den Besitz der Stadt setzen zu können. Die Verteidiger haben, gewitz kein Zeichen der Schwäche, die Zivilbevölkerung abge­schoben und bis gestern abend hatten etwa 6000 Frauen, Greise und Kinder aus Jrun die französische Grenze überschritten. Die Verteidiger halten aber alle wehrfähigen Männer zurück, die auf Seiten der Roten kämpfen müssen. Um den Besitz von Jrun würde wohl kaum mit dem Aufwand so starker Kräfte gerungen werden, wenn Jrun nicht mehrwieeinespanische Provinz st adt wäre, nämlich der K n o t e n p u n k t, an dem offen und geheim die Verbindungs­fäden zwischenderVolksfront in Spanien und in Frankreich zusammensliehen. Nach wie vor wird über Waffenlieferungen für die Roten in Spanien berichtet, nach wie vor verlassen Flugzeuge Die französischen Flughäfen mit einem Ziel, das nur den französischen Behörden unbekannt ist, das aber sonst jeder kennt. Ja, es verlautet, datz auf französischem Ge­biet Beobachter der Roten sitzen, Die durch Vlinkverbin- dung den Verteidigern Jruns Anweisungen zugehen lassen. Wenn auch hier und da einmal irgend eine kleine Einzelheit solcher Meldungen nicht voll Den Tat­sachen entspricht, so ist doch eins sicher, datz gerade dasjenige Land, von dem die Neutrali- tätsaktion ausging, nach wie vor Waffen an Spanien liefert, d. h. eine Politik b e - treibt, die der Forderung nach strikter Neutralität ins Gesicht schlägt. Eine fran­zösische Zeitung hat in diesen Tagen die Neutralitäts­politik in den höchsten Tönen gefeiert. Wer aber bricht tagtäglich die Neutralität? Niemand anders als das »gleiche Frankreich, in dem diese hochtönenden Worte ge­schrieben und gedruckt wurden. Gerade aus diesem Grunde ist es aber auch verständlich, datz die Militär­partei alles daran fetzt, die Verbindung zwischen den Roten zu zerstören oder zu erschweren dadurch, datz sie den Roten Jrun zu entreißen versuchen.

Nicht weit von Jrun sitzen auf französischem Gebiet in einem Badeort einige der sonst in Madrid beglau­bigten Diplomaten. Sie haben Vorschläge zur Humani- Ifierung des Bürgerkrieges ausgearbeitet. Es scheint aber, als ob diese Diplomaten darüber hinaus ge­willt seien, einen Waffenstillstand zwischen den beiden Parteien in Spanien zu­stande zu bringen. Nach einer römischen Mel­dung soll auch der Vatikan eine solche Friedensaktion eingeleitet haben. Irgend ein Erfolg ist diesen Be­mühungen bisher nicht beschieden gewesen.' In London steht man den Bestrebungen ziemlich skeptisch gegenüber und in englischen Regierungskreisen wird die Aus­dehnung der Botschafteraktion aus das Gebiet der Friedensvermittlung abgelehnt.

Im Zusammenhang mit dem Kampf in Spanien verdient noch die Meldung Beachtung, datz die fran­zösische Regierung angesichts der schwierigen Lage in Spanisch-Marokko und angesichts der Tatsache, datz die Erregung auch auf Französisch-Marokko über­greift, Verstärkung nach Marokko ent- ' a n d t hat. Das lägt Die Gerüchte wieder aufleben, nch welchen von Marokko aus ein Stotz in n Rücken der spanischen Militärpartei plant sein soll. Nur wird mamsich wohl auf nzösischer Seite auch fragen, ob sich die Geister. Die erzu mobilisiert werben sollen, nicht eines Tages auch egen Die Franzosen wenden könnten. NiemanD oer- aag zu garantieren, ob beispielsweise Add e l Krim, I Dem eine führenDe Rolle zugedacht sein soll, seine Aktion zgerade Dann abstoppt, wenn Die französischen Auftrag­geber es wünschen.

Regierung ohne Macht.

Deutsche Botschaft verlieh Madrid.

Berlin, 31. Ang. Nachdem die Angehörigen der deutschen Kolonie in Madrid, deren Sicherheit durch die Entwicklung der dortigen Zustände aus das schwerste bedroht war, während der letzten Wochen nach der Heimat zurückbefördert worden sind, ist nunmehr auch die deutsche Botschaft oon Madrid verlegt und bis auf weiteres in der Küsten­stadt Alicante eingerichtet worden. Diese Mass- nahme hat sich als notwendig erwiesen, da die Madrider Regierung trotz wiederholter dringender Borstellungen des deutschen Geschäftsträgers der Botschaft ausreichenden Schutz versagt hat.

Die Verlegung Der Deutschen Botschaft aus MaDriD nach Dem Mittelmeerhafen Alicante, über Die eine amtliche Meldung berichtet, ist ungemein charakteristisch für Die Verhältnisse, Die in Der spanischen Hauptstadt herrschen. WährenD jeDe Regierung stets bemüht sein wird, Den bei ihr beglaubigten Diploma­tischen Vertretern jeDen nur möglichen Schutz zu ge­währen, mutz Die MadriDer Regierung zugeben, Datz sie autzerstande ist, Der Deutschen Botschaft einen ausreichen- Den Schutz zu gewähren. Es bestätigt sich Damit erneut, Datz Die MaDriDer Regierung eine Regie­rung ohne Macht ist, ein Kabinett, Dem längst Die Zügel aus Der Hand glitten. Zunächst hatte Die Ma­drider Regierung der deutschen Botschaft, als Diese bald nach Dem Ausbruch Der Revolution aus San Sebastian, wo im Sommer alle diplomatischen Vertretungen resi­dieren. nach Madrid zurückkehrte, reguläre Polizei- truppen gestellt. Diese Polizei truppen wurden nun vor einiger Zeit durch die rote Miliz ersetzt. Diese roten Milizsoldaten aber können weder ihrer Ausbil­dung nach, noch ihrer ganzen Einstellung nach als aus­reichender Schutz für die Botschaft angesehen werden. Deutscherseits wurden deshalb bei Der Regierung Vor­stellungen erhoben und es wurde Die Erwar­tung ausgesprochen. Datz ein ausreichender Schutz zur Verfügung gestellt werDe. Alle Diese Vorstellungen blieben erfolglos. Die Madrider Regierung erklärte vielmehr, datz sie keine anderen Truppen zur Verfügung habe. So entschloss man sich, zumal es auch Die meisten anDeien Staaten vorgezogen haben wegen Der anarchi­schen ZustänDe in Der spanischen HauptstaDt ihre Ver­tretungen zu verlegen, die deutsche Botschaft aus Ma­drid herauszunehmen. Ausdrücklich ist festzustellen, datz Der Grund zur Verlegung der deutschen Botschaft ledig­lich in dem völligenVersageneinesSchutzes Durch Die spanische Regierung zu suchen ist.

Die Verlegung ist auch nicht eher beschlossen worden, ehe nicht alle Deutschen Madrid verlassen hatten. Es find jetzt nur wenige Deutsche in Madrid zurückgeblieben, meist jüngere Leute, die es vorgezogen haben, von Der Möglichkeit eines Ahtransportes keinen Gebrauch zu machen, meist um ihr Eigentum zu be­wahren. Sie haben Der deutschen Botschaft Die schrift­liche Erklärung abgegeben, datz sie auf ihren eigenen Wunsch und aus ihre eigene Gefahr in Madrid bleiben Es ist schwer zu sagen, wieviel Deutsche sich heute noch insgesamt in Spanien befinden, doch dürfte die Zahl

roaitbfrei ine französische Herkunft Liefer Dumdum-Geschosse festgestellt.

Der General teilte schlietzlich noch mit, Dag es gelungen sei, bei Pu«nie (Senil di« marxistischen Streitkräfte oernich- t«nd zu schlagen. Die für die Niederlage -bei Oropesa ver- anrworrlichen Anführer der roten Miliz feien von ihren eigenen Leuten ermordet worden.

Spanische Marxisten in Paris.

Paris, 1 Sept. (Funkmeldung.) Die spanische Kommunistin Iriburi, genannt Passionaria, ist am Montag in Begleitung des spanischen llnterrichts- ministers Domingo, des ehemaligen Justizministers Antonio Lara und des spanischen Ünterstaatssekrelärs für Handel und Industrie, Siches, in Paris einge­troffen. Sie verhielten sich bei Der Ankunft den zahl­reichen am Bahnhof erschienenen Pressevertretern

Postlcheckronto: graetfort a. M. Sr. 7405.

Dienstag, 1. September 1936. ?ü