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Seite 2. Nr. 14.

Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 15. Januar 1936.

ÄgyptenSudan unternommen; vorausgesetzt weiter, es käme zu einer Einkreisung dieses weiten Gebietes oder doch wenigstens zu einer gemeinsamen Operation der beiden italieurschen Heeressäulen, die zahlenmäßig und hinsichtlich der Ausrüstung den englischen Truppen um das Vielfache überlegen wären: was dann? Zum mindesten würde damit die Lage Englands im Ml gebier höchst bedenklich, wenn nicht unhaltbar. Das Weltreich wäre an seiner empfindlichsten Stelle gepackt, der See­weg nach Indien wäre unterbrochen, der Suezkanal unpassierbar, die englische Flotte im Indischen Ozean und die englische Streitmacht in Andien selbst isoliert.

Möglichkeiten, die erschrecken, wenn man ihre Trag­weite ins Auge faßt. Möglichkeiten, die der Unter­suchung durch den militärischen Fachmann bedürfen. Italien hat sein Faschoda nicht erlebt wie es Frankreich tun muhte. Italien ist unbeschwert und es ist in Ge­fahr. Nichts ist unmöglich.

Schwedische Beschwerdenote in Rom überreicht

Meldungen

übergeht.

Japanischer Einspruch gegen Vierer-Konferenz

Eine Erklärung Admiral Naganos.

tadtgebiet wurden

Zur Frage der Befestigung von Flotten st ützpunkten imStillenOzean, einer Frage, die durch den Washing­toner Vertrag geregelt war, erklärte ein Sprecher der Japaner, daß die japanische Abordnung diese Frage nicht gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung aushanüeln könne.

2n Kreisen der amerikanischen Abordnung wird das be­vorstehende Ausscheiden Japans aus der Konferenz mit ge­mischten Gefühlen ausgenommen. Einerseits bedauert man die Tatsache des Ausscheidens, andererseits empfindet man es als eine Erleichterung, daß der Vorschlag auf Festsetzung einer gemeinsamen oberen Rüstungsgrenze endgültig vom Programm der Konferenz verschwunden ist. Preß Affociation stellt fest, ein Ergebnis der japanischen Haltung bestehe darin, daß die. Beziehungen zwischen der britischen und der amerikanischen Abordnung sich enger gestalteten.

vor, ihre Forderungen, die sie für gerechtfertigt hält, später zu unterbreiten.

Aufmarsch an der ägyptisch - libyschen Grenze.

Die gegenwärtige gespannte Lage im Mittelländischen Meer hat sowohl auf italienischer Seite in Libyen als auch auf englischer Seite in Ägypten zu umfangreichen Verkehrsmaßnahmen geführt. Unser Bild zeigt ägyptische Truppen auf einem Übungsmarsch in der Wüste. (Scherls Bilderdienst, M.s

gegen die als Viermächte-

geordnet. Die wichtigsten Punkte im militärisch bcsetzr, um ein

Geringe Erfolgsausfichten eines italienischen Vorstotzes aus dem Süden.

Addis Abeba, 14. Jan. Ein zusammenfassender Über­blick über die militärische Lage auf dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz ergibt nach abessinischer Auffassung folgen­des Bild:

Nach den in Addis Abeba einlaufenden Frontberichten wird die militärische Lage der Italiener sowohl im Norden als auch im Süden von Tag zu Tag schwieriger. An der Nordfront haben die in der letzten Zeit aufgetretenen großen Regenfälle auf italienischer Seite nahezu jede Rückzugsbewegung unmöglich ge-

Blutige Studenten-Zusammenslötze in Kanton.

Schanghai, 13. Jan. In Kanton kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen mehreren tausend Stuoenten ver­schiedener politischer Richtungen. Es gab eine Reihe von Schwerverletzten, darunter auch Studentinnen. Die Stadt- behörde hat darauf den Belagerungszustand verhängt sowie eine eintägige Schließung üer Hochschulen an-

Wie Abessinien die militärische Lage sieht

Die Regenzeit als Verbündeter.

macht. Ebensowenig könne belangreichere Truppenverschie- bungen stattfinden.

Die Italiener haben sich in ihre stark ausgebau­ten, betonierten Verteidigungsstellungen und in befestigte Blockhäuser zurückgezogen, die st a r k rn i t Maschinengewehren bestückt sind. Um unnötige Verluste zu vermeiden, greift die abessinische Armee die ita­lienischen Stellungen wicht mehr in großen Truppenverbän­den an. Man ist in abessinischen Militärkreisen der Auf­fassung, daß sich diese italienischen Verteidigungs­nester über kurz oder lang werden ergeben müssen, da der Nachschub ebenso wie d e r R ü ck - z u g f a st ausgeschlossen ist. Sämtliche Straßen sind in'einen grundlosen Morast verwandelt, in dessen Schlamm alle Fahrzeuge stecken bleiben. Alle Versuche der italienischen Truppen, unterstützt von Artillerie und Flugzeugen, sich aus dieser schwierigen Lage zu retten, Haben wenig Aussicht aus Erfolg, da das überhastete Vorgehen zahlreiche F-tler ver­ursacht hat.

Ägypten dementiert italienischen Bombenabwurf.

Rom, 14. Jan. In großer Ausmachung veröffentlicht heute die italienische Preße ein vor einigen Tagen vom Prä­sidenten des ägyptischen Roten Kreuzes, Prinz Ismael D au d, nach Addis Abeba gesandtes Telegramm, durch das der von italienischer Seite immer wieder bestrittene Bom­benabwurf auf ein ägyptisches Rotkreuz- Lazarett nun auch von ägyptischer Seite dementiert wird. Das Telegramm hebt hervor, daß italienische Flugzeuge am 4. Januar auf abessinische Truppen bei Bullale Bomben abwarsen, jedoch ohne das 43 Kilometer davon entfernte ägyptische Lazarett zu treffen. In Dagabur gebe es kein ägyptisches Lazarett, sondern nur eine äbessi- nische Station.

Wie die hiesigen Zeitungen hervorheben, wird durch diese ägyptische Klarstellung auch das mit größter Hart- näckigkeit sich behauptende Gerücht entkräftet, daß die ägyp­tische Regierung in Rom wegen Bombardierung ihrer Laza­rette protestiert habe.

Abessinische Verordnung für ausländische Ärzte.

Addis Abeba, 14. Jan. Die abessinische Regierung hat eine Verordnung erlassen, wonach ausländische Ärzte und Apotheker das Recht zur Berufsausübung ver­lieren, wenn sie bas Land verlassen, ohne der Regierung die Dauer ihrer Abwesenheit mitzuteilen. Das Gesetz ijt allen Beteiligten einzeln zur Kenntnis gebracht worden.

Die Verteidigung der britischen Kolonie Kenia.

London, 14. Jan. Nach einer Reuter-Meldung aus Nairobi wird auf Veranlassung des britischen Reichsvertei­digungsausschusses die Frage der Verteidigung der britischen Kolonie! Kenia, die bekanntlich an Abessinien und Jtalienisch- Somalttand angrenzt, überprüft werden

Der japanische Admiral Nagano erklärte einem eng­lischen Presievertreter gegenüber, Japan habe den ernsten Wunsch, die internationale Lage nicht zu verschlechtern. Nach japanischer Auffasiung bedeute ein Ausscheiden Japans nicht ein Rüstungswettrennen. Japan beabsichtige nicht, seine Flotte bis zur Größe der Flotte Englands oder Amerikas aufzurüsten, obgleich das derzeitige amerikanische Bauprogramm, das den gegenwärtigen Flottenvertrag voll ausnutze, in Japan Beunruhigung ver­ursache. So lange nicht die anderen ein Flottenwettrennen hervorriefen, würde sich auch Japan zurückhalten. Gleich­zeitig muffe betont werden, daß sich die Flottenverträge von Washington und London für die Verteidigungbedürfniffe Japans als unbefriedigend erwiesen hätten. Das in Washing­ton gegründete Verhältnissystem lasse Japan keine Gerechtig­keit widerfahren. Die Japaner seien der Ansicht, daß es zwecklos sein würde, an Besprechungen über eine stärken­mäßige Begrenzung teilzunehmcn, so lange kein Abkom­men auj menzenmäßigem Gebiete erreicht sei.

Auf abessinischer Seite war es bisher möglich, die Trup­pen der Kampflinie stets durch ausgeruhte Reserven abzulösen. Trotz der im allgemeinen festzustellenden Stockungen des Bewegungskrieges wird vor allem nordwest­lich von Makalle und im'Gebiet von Akfum noch immer hef­tig und für beide Seiten äußerst verlustreich gekämpft.

Die von der S ü d f r o n t einlaufenden Meldungen lassen darauf schlichen, daß die Italiener nach der Räumung der Ogaden-Prooinz ihren geplanten Vormarsch auf die Provinz Bali weiter fieberhaft vorbe- r ei len. Bei der Beurteilung der Aussichten dieses Unter­nehmens muß man sich vergegenwärtigen, daß die Entfer­nung von Dolo, dem Ausgangspunkt einer italienischen Offensive, nach Addis Abeba in der Luftlinie rund 600 Kilometer beträgt. Ein Angriff müßte anfangs über eine Strecke von fast 250 Kilometer durch fieber- ver feuchte Gebiete und Wüsten - und Steppen­gegenden vorgetragen werden. Dann würde er auf hohe Gebirgszüge stoßen, in denen gegen 160 000 Mann abessi­nischer Truppen in gut verschanzten Stellungen bereitstehen, um dem italienischen Angriff stärksten Widerstand entgegen­zusetzen. Bon ausländischen Militärfachleuten wird stark be­zweifelt, ob es der italienischen Armee gelingen kann, bis zum Beginn der großen Regenzeit an der Südfront 250 Kilometer schwierigsten Geländes kämpfend zu überwinden. Dazu kommt, daß RasDesta bereits fetzt mit seiner Armee im Gebiet von Dolo zeitweilig zu Gegenangriffen

£>aupild?riftletter: Fritz Güntder.

Stellvertreter des 6<mptfd?riftleiters: Kari Heinz Knnj.

Verantwortlich *ür Politik, Kulturrolitif und Kunst: Fritz Gunther; für den politischen Nochrichrend'enst Karl Heinz Kunz; für unpolitische Beiträge und Vermischtes Dr. ßt-inr-d? Re ' chert; für Stabmacbricbten, wirtschaft, handel und Gewerbe IPiIIi p^mpel; für Umgebung, Provinznachrichten und den Sportteil - helnz tenbarbt; für die Anzeigen: Otto Kaiser, sämtlich in Wiesbaden.

Prcishfte Hr. 4. Durchschnitts-Auflage Dez. 1935: 19054, Sonntags allein: 2165L Druck und Verlag des Wiesbadener Tagblatts:

f. Schellen berg''che Losbuchdruckerei, Wiesbaden, (anggaffc 2\, JEagblatbßaiuT (Sefamtleitung:

Ur. phb. Gustav Scheltenberg und verlggsdireNor Heinrich Pabst.

Ausnutzung der Studenten­bewegung gcgon die nordchin ch- Selbständigkeitsbewegung durch rote Elemente zu verhindern.

Brand- und Gasbomben auf Sokota

Addis Abeba, 15. Jan. Meldungen von der Nordfront, die sich im einzelnen selbstverständlich nicht nachprüfen lassen, besagen, daß die südwestlich von Makalle gelegene Stadt Sokota und das umliegende Gebiet seit dem italienischen Rückzug täglich durch italienische Bombenflugzeuge heimge- fucht würden. Die Stadt Sokota soll bereits gänzlich von Brandbomben vernichtet worden sein. Außer­dem sollen dort drei große Gasbomben abgeworfen worden sein, was für die ahnungslose Bevölkerung, die sich später zu den Einschlagtrichtern begeben Habe, furcht­bare Folgen gehabt habe. Zehn Personen hätten durch das Gas das Augenlicht verloren, während viele anoere schwere Brandwunden am Körper daoongettagen hätten. Die Kirche der Heiligen Maria in Sokota fei von Bomben getroffen worden', gerade als in ihr zahlreiche Betende weil­ten. Don ihnen sollen zehn in Stücke gerissen worden sein, während acht schwer verletzt wurden.

Der amtliche italienische Heeresbericht.

Rom, 14. Jan. Die amtliche Mitteilung Nr. 96 enthält folgenden italienischen Heeresbericht vom Dienstag:

Im Laufe des 13. Januars entwickelten in den Abschnit­ten des Takasse und südlich und südwestlich von Makalle unsere nationalen und eritreaischen Verbände eine rege Erkundungstätigkeit. Von den übrigen Abschnitten der Front nichts Bemerkenswertes."

Der britische Verteidigungs-Ausschuß

erörtert das Ausrüstungsprogramm.

, London, 15. San. Der Verteidiqunasausschuß des br>- ttfchen Kabinetts hat sich nach Blättermeldungen in seinen Sitzungen am Montag und Dienstag unter anderem auch mtt Aufrüstungsprogramm befaßt.

finanziellen Zuwendungen an die verschie- denen Waffengattungen werden, wie der politische Korreivon- dent derMorning Post" meldet, in einem umiaffenden Plan verarbeitet, der sich auf mehrere Jahre ausdehnt ....."Daily Telegraph" schreibt, daß die Haushaltsvoran- Armee und Luftstreitmacht beträcht- ttche Erhöhungen aufweisen werden. Die genaue Betteiluna der zusätzlichen Ausgaben an die einzelnen Waffengattungen werde zurzeit eingehend untersucht. Das Kabinett werde 'd? ferner mit der Frage befassen müssen ob die

,Rustungsausgaben aus den Staatseinkünften oder durch Auflegung einer Berteidigungsanleihe . aufgebracht

p,nbC°n Cinem Kroven

Untersuchung der Schuldfrage gefordert.

s . Stockholm, 15. Jan. Der Außenminister gab bekannt Sag der schwedische Gesandte in Rom am Dienstag der italie- nrichen Regierung eine Note wegen des italienischen aus die schwedische Rote-Kreuz-Abteilung " Abeffmren überreicht habe. Darin heißt es a. a.' Die Regierung ist der Überzeugung, daß die schwe- n^^??sn"E«nabteilung Gegenstand eines UsiMlitelbaren Angrizzs durch die italie- ? h11 8?chordeu ist. Da es sich hierbei um äSOT* dAatsangehorige handelt, die in Ausübung eines Werkes der Menschlichkeit gemäß dem Abkommen von 1929 u »ie ^libesserung der Lage von im Krieg Verwundeten H"?, S?tt italienischen Fliegern angegriffen wurden, sieht sich die schwedische Regierung verpflichtet bei der ita­lienischen Regierung gegen dieses Vorkommnis nachdrück- lrch st Protest zu erheben. Hinsichtlich der Tätigkeit der schwedischen Abteilung hat sich kein Anhaltspunkt dafür ergeben, daß sie sich eines Mißbrauchs des Rote-Kreuz- Zeichens schuldig gemacht habe, und alle diesbezüglichen Ver­mutungen sind von den schwedischen Angehörigen der Abtei­lung mit Entschiedenheit als Irrtümer erklärt worden. Für eie schwedische Regierung gibt es kein« Veranlassung, an meifein r^a'^t^e** Nisser schwedischen Zeugenaussagen zu

Die schwedische Regiekung nimmt Kenntnis von dem Bedauern der italienischen Regierung, daß schwedische Staatsangehörige von dem Bombenabwurf getroffen wurden und erwartet, daß eine Untersuchung'der Verant­wortlichkeit an dem Bombenabwurf durch Italien mit aller Beschleunigung geführt und die Angriffshandlung ge­hörig verfolgt werde. Die schwedische Regierung behält sich

London, 14. Jan. Wie Preß Affociation erfährt, hat die japanische Flottenabordnung Fortführung der Verhandlungen............

konferenz den juristischen Einspruch erhoben, daß die Bedingungen eines Fünfmächtevertrages nicht von einer Viermächtekonferenz festgelegt werden könnten. Die briti­schen und die amerikanischenJuristen erkann­ten jedoch diesen Einwand nicht als stich­haltig an.