Verlag Lauggaffe 21
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„Tagblatlhaus" Nr. 6650-53.
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Sonntag, 15. April 1917.
Morgen-klusgabe.
Nr. 190. ♦ 65. Jahrgang.
s
Die Bildung des polnischen Heeres.
Feierliche Übergabe des polnischen Hilss- korps an den General v. Befeler.
W. 1.-8. Warschau, 14. April. (Drahtbericht.) Im großen Sitzungssaole des Warschauer Ltadtschloffes hat heute vormittag 11 Uhr Geueralgouverneur v. Beseler in Anwesenheit des österreichisch-ungarischen Generalgouverneurs Feldzeugmeister Kuk und zahlreicher Behörden beider Generalgouvernements, von Offizieren des polnischen Hilsskorps und des provisorischen Staatsrats, Mitteilung von der Übergabe des polnischen Korps an den Geueralgouverneur von Warschau gemacht. Der Staats rat erschien mit dein Kronmarjchall v. Niemezewski an der Spitze. Generalgouverneur v Beieler gab Kenntnis von dem Telegramm des deutschen Kaisers an den Krcnmarschall, welches lautet:
Großes Hauptquartier, 13. April.
Eurer Hochwohlgeboren und dem provisorischen Staats- vat danke ich besten» für die vertrauensvoll an mich gerichtete telegrapbische Bitte, bezüglich des polnischen Heeres. Im Einvernehmen mir meinem bcben Verbündeten, Seine-: Majestät Kaiser Karl, erblicke ich in der Bildung des polnischen Heeres die wichtig st e Grundlage für den Aufbau Ihres Staates und hoffe, daß es binnen kurzem mit Ihrer tatkräftigen Mitwirkung zum Heile Ihres Vaterlandes aufgestellt werden wird.
(Gez.) Wilhelm I. 8.
Darauf verlas Generolgouverneur v. Beseler eine
Beft»tntg»be au den Ltaatsrat,
welche besagt:
1. Das polnische Hilfskorps wird unverzüglich an den Geueralgouverneur vcn Warschau, General der Infanterie v. Beseler, übergeben, um rm Sinne der Bereinbarnng der beiden obersten Heeresleitungen als Stämme für das aufzustellende polnische
Heer zu dienen.
2. Das polnische tzilfskorps bildet nur in der gegenwärtigen Zusammensetzung einen Kadre der polnischen Armee. Das Ausscheiden österreichisch-ungarischer Staatsangehöriger aus dem fclnischen Heer wird Gegenstand späterer Vereinbarungen sein.
Dann gab Geueralgouverneur v. Beseler dem österreichisch-ungarischen Generalgcuverneur Feldzeugmeister v. K u l drs Wort zur
Perlesung folgenden Befehls des Kaisers Karl:
An das Kommando des polnischen Hilfskorps!
Ich stelle drs Valnische Hilfskr-rps für die Zwecke der polnischen Armee dem mit der Ausstellung derselben betrauten Generalgouverneur von Warschau zur Verfügung. Die Ü l> e r.g o b e erfolgt nach den zwischen den beiden obe rsteu Heeresleitungen getroffenen Vereinbarungen. Erweist Euch würdig der großen, für die Völkergeschichte entscheidenden Zeit, in der das polnische Reich als ein Bollwerk der abendländischen Religion und Gesittung zu neuem Leben aufer- ftanden rn. Windet netten Lcrbeer um den ruhmgekrönten polnischen Adler. Möge Euch die heilige Mutter Gottes von Ezenstoch.nt :n allen Gefahren beschirmen! Meine Armee wird Eurer in den vielen gemeinsamen Kämpfen bewährten Tapferkeit etn treues Gedenken bewabren. (Gez.) Karl m. p.
Der Geueralgouverneur v. Beseler brachte daraus folgenden
Tagesbefehl an daS Kommandn des polnischen Hilfskorps
zur Verlosung, welcher unverzüglich sämtlichen Offizieren. Untercfftzieren und Monuschaften bekamttgegeben werden scll:
Auf Grund der Vereinbarungen zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn scheidet das polnische H i l f s k a r p S mit dem heutige,: Tage aus dem ö st erreich i sch- u n g a r i sch e n H e e r e L v e r b a n d aus und tritt unter meinen Befehl, um, dem Wunsche des polnischen Volkes zu entsprechen, unter Mitwirkung des pro- vilorischsn StaatsratZ für das Königreich Polen den Stannn für die unverzüglich aufzustellende Armee Polen? zu lildeu
Polnische Kameraden! Jetzt heißt es zunächst fern vom Schlachtfeld in zäher Aufstellungsarbeit Cur» Landsleute zu tüchtigen Soldaten heranzu- bilden, um dadurch Euren: Vaterland, dem KönigreiL Polen, ein Kriegswerkzeug in die Hand zu geben, welches der ruhmvollen Tradition der polnischen Heere vergangener Zeiten würdig ist. Ich rechne auf Euren Gehorsam und Eure Disziplin und begrüße Euch.
Darauf wies Generalaouverrevr v. Beseler in einer kurzen Ansprache auf die Wichtigkeit der Heeresbildung für den werdenden Staat hin und richtete an den polnische i-, Staatsrat die Bitte um tatkräftige Mitarbeit und Ausklärung des Valnischen Volkes über die Bedeutung der zu ergreifenden Maßregel. Polen müsse ein Heer bilden, um im Augenblick des Friedensschlusses fest und stark dazustehen.
Kronniarschall v. N i e m e j e w s k i stattete im Namen des Staatscates den beiden Generalgouverneuren seinen Dank ab und sprach die Bereitschaft des Staatsrats zur Mitarbeit aus.
Ummmmderle Heftigkeit der Artillerieschlacht im Westen.
Der deutsche Abendbericht vorn 14. April.
W. 1.-8. Berlin, 14. April, abends. »Amtlich. Drahtbericht.)
Bo» der Scarpe bis Bull,court sind w tederholte starke Angriffe der Engländer verlustreich gescheitert.
Die A r t i l e r t e s ch l a ch t längs der A i B n e und in der westlichen Champagne ist in unverminderter Heftigkeit im Gange.
Im O st e n nichts Besonderes.
*
Die deutschen Zliegertaten am 14. April.
Amtlicher Ergänzungsbericht.
IV. 1.-8. Berlin, 14. April. (Amtlich.) An der Angriffsfront der Engländer und an der Front westlich Reims war die Fliegertätigkeit sehr rege. Der Gegner verlor im Lnftkampf 24 Flugzeuge, davon gingen 13 diesseits unserer Linie» niedrr. Außerdem wurde» jenseits der feindlichen Linien 4 Feffelballons durch unsere Flieger brennend zum Absturz gebracht.
Ein feindliches Geschwader von 8 Flugzeugen, das westlich Donai einen Angriff versuchte, wurde restlos vernichtet. Die vrn Rittmeister Frhr. v. Richthofen geführte Jagdstaffel hat allein 14 Flugzeuge vernichtet, dabei schoß Rittmeister Frhr. v. Richthofen feine-» 41., 42. und 43 .Gegner ab. Leutnant Wolff schoß 4 feindliche Flugzeuge ab und erhöhte damit die Zahl seiner Siege auf 11. Leutnant Scharfer besiegte 3, Leutnant Frhr. v. R i ch t h o f e n, Leutnant Klein und Bizefeldwebci F e st n e r je 2 Gegner. Leutnant Dassen bach errang seinen 12. Luftsirg.
Unsere Flieger haben nicht einen einzigen Ber- l u st zu beklagen und außerdem zahlreiche Erdziele und Trnppenansammlungen erfolgreich mit Maschinengewehrfeuer angegriffen.
Ferner wurden viele Jnfanterieslüge au»ac- führt und das Schießen unserer Artiilerie erfolgreich durch Flieger geleitet. _ .
Erfolgreiche deutsche Gegenossensive bei Couch le Chateau.
Br. Genf, 14. April. (Eig. Drahtbericht. zb.) Havns meldet offiziös, daß nördlich von Concy le Chateau der Tnind zur Gegenoffensios zurnckgekehrt fei. Tie britischen Abteilungen, die nordöstlich von C r o i f i l l e s gegen Boulkecourt vorrückten, mußten sich vor zahlenmäßig überlegenen deutschen Kräften, die einen schneidigen Gegen- anariff auSführten, zucnckziehen.
Feinde auch den stärksten Angriffen 'Liderüand zu leisten.
Die Räumung von Reims.
# Genf, 14. April. (zb.) Der größte Teil der Flüchtlinge von Reims ist in der Stadt Arcis untergebracht worden. Sie erzählten, daß die Kelle rgewclbe zum Sckilaß keinen Schutz mehr boten. Die Kathedrale ist verschont geblieben. Die Hätiier ringsum liegen in Trümmern. Brände wüten in allen Stadtteilen. Als die letzten Zeugen Reims verließen, waren sie noch Zeugen des großen Ärtilleriednells im Abschnitt von Reims.
Das vortugiesische Expeditionskorps an der Westsront.
W. 1.-8. Madrid, 14. April. (Drahtbericht. Funkspruch lks Vertreters des Wiener k. k. Korrespondenz-Bureaus. - Die Zeitung „ABC" meldet aus Lissabon, daß nach einer Mittnlung des portugiesischen Kriegsministers ein Teil des in Frankreich liegenden Expeditionskorps an der englischen Front mitkämpft.
W. 1,-8. Madrid, 14. April. (Trabibericht. Funkspruch des Vertreters des Wiener k k Korrespondenz-Bureaus.) Alfonse C o st a , der portugiesische Finanzminister und frühere Ministerpräsident, erklärte gelegentlich eines Aufent- l r.ltes m Madrid einen: Redakteur des „Heraldo de Madrid' folgendes, was nachher vom portugiesischen Gesandten autorisiert wurde: Wir haben an der Westsront ein-'
Division, die auf zwei Armeekorps von k0 006 Mann erhöht wird. Wir können monatlich 6OHO Mann, vollständig ausgerüstet, an die Front senden.
Der russische HandelsindusLriekongretz für baldige Einleitung von Sriedens- verhandlungen.
Die Erwerbung Konstantinopels und der Dardanellen als Utopie verworfen.
(Drahtberich: unseres 5.-Sonderber:chterstatters.)
8. Stockholm, 14. April, (zb.) In der jetzt abgeschlossenen Sitzung des russischen Handelsiudustrie- konqresscs war der Mittelpunkt der Unterhandlungen das Friedensproblem. Die Mehrzahl der Anwesenden erklärte' sich für c in e baldige Einleitung von Friedensverhandlung eu, da der Friede für die Entwicklung des russischen Wirtschaftslebens unentbehrlich sei. Die kadcttischen Äriegs- ziele wurden auf das energischste verworfen, die Erwerbung Konstantinopcls und der Dardanellen als Utopie und als für Rußland gänzlich überflüssig bezeichnet. Solche Bestrebungen würden nur den Anlaß zu einem Krieg bilden. Die russische Bürgerschaft würde ebenso energisch wie die Arbeiter allen A n n e x i o n s g e l ü st c n entsagen. Ter Abfall der Handels- und Jndustriekrcise bedeute eine neue Schwächung der provisorischen Regierung.
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Französisches Unbehagen über den russische« Verzicht auf Eroberungen.
W. 1.-8. Bern, 14. April. (Drabtbecicht.) Das „Echo de Paris" schreibt: Wenn die russische Regierung erklärt, keine . fremden Gebiete besetzen zu wollen, inug man auch zugeüen, daß man gezwungen ist, aus dieser neuen Tatsache heraus festzustellen, daß hierdurch neue Regelungen im Orient möglich werden. Indem Fürst Lwow auf Eroberungen verzichtet, arbeitet er sicherlich für den Frieden, wenn Rußland die Unabhängigkeit der Türkei achtet. Zunächst ist es aber Rußlands Pflicht, Deuffchland za schlagen, gleichgültig, ob es das Testament Peters des Großen aufrecht erhält oder abschaffen will. Das ist die Vorbedingung für den Frieden. — Der „Matin" schreibt' Eine kleine Gruppe von Extreme» ve: sucht die Kriegspolitik der Recherung zu stören. Man muffe hoffen, daß die Regierung, die von der ganzen Welt unterstützt sei, alles versuchen werde, um diejenigen unschädlich zu machen, die einer loyalen und klaren Recherungspolitik Abbruch zu tun versuchten.
Große Besorgnis
der französischen politischen Kreise wegen des Abschwenkens der russischen Regierung.
IV. 1.-8. Bern, 14. April. Über das letzte Manifest de: provisorischen russischen Regierung schweich sich der größte Teil der französischen Presse aus. Besonders die große In- formaticnspresse l-leibt stunin:. Dagegen verhehlen einige Parteiblätter, namentlich „Radical" und „Rappel", die große Besorgnis der französischen politischen Kreise nicht. Der „Rappel" schreibt, die provisorische Regierung labe eine sehr schwere Aufgabe. Sie müsse anscheinend dem Druck der Extremen nachgeben, was sich besonders in den Äußerungen des Manifestes über die Kriegsziele bekunde. Man dürfe sich nicht verhehlen, daß die deutschen Sozialdemokraten alles tun werden, um mit den russischen in Verbindung zu treten, und daß die skandinavischen Sozialdemokraten sich zu Vermittlein hergeben werden. Angesichts dieser Gefahr sollten die Alliierten, besonders Amerika, Rußland neue Hilfe leisrei!. damit Rückschläge v>ie am Stochod vermieden und die russische Revclution gerettet werden könne. Herve in der „Bictoire" -st sehr pessimistisch und greift die russischen Extremen sehr scharf an: sie seien ncch in: Banne der deutschen sozialistischen Theorie» und der Verrat der deutschen Sozialdemokratie an der Internationale habe ihren Glauben nicht erschüttert. Der Gedanke eines Sonderfriedens habe im Arbeiter- und Sol- datenkomitec hartnäckige Verteidiger, und da sie die Helden der Märztage seien, müsse die provisorische Regierung sie schonen. Man müsse hoffen, daß es der russischen Regierung gelingen werde, die Friedensfreunde zu besserer Einsicht zu bekehren, denn dos einzige Ergebnis einer friedenssreund- lichen Kampagne wäre eine neue Lähmung in der Organisation von Armee, Industrie und Transportwesen, was Hin- denburg gestatten würde, die russischen Linien einzndrücke:. und bis vor Petersburg zu gelangen. Des „Echo de Paris", das diesen Absatz Herbes abdruckt, schreibt, man muffe befürchten, daß die Besorgnisse HerveS nur allzu berechtigt sind
Weitgehende Wiener Hoffnungen aus die Entwicklung der russischen Friedens-* strörnungen.
W. 1.-8. Wien, 14. April. Das „Fremdentckatt" hebt nach der Besprechung des wesentlichen Widerspruchs, welcher zwischen den hochtrabenden Erklärungen Miljukows und dem Manifest der provisorischen Regierung klafft, hervor, daß man, so weit sich bei der jetzigen verworrenen Lage die russischen Dinge beurteilen lassen, annehmen dürfe, daß die Mehrzahl der Männer, welche das heutige -Rußland regieren, einen ehrenvollen Frieden wünschen. Der Arbeiter- und Sobdatenausschntz aber gehe noch werter, und ver-lan-w
