Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener Tsgb

"äÄff 25 wöchentlich 13 Ausgaben. ..«

VLeNrr-tzaLe geöffn« Bon 8 Udr morgen« bi« 7 Uhr odeno». 2 * ^ M urv»\ »on R llfcr »nt».

Bezugs.«»,« für beide Ausgaben: Ml. t- monatlich. Ml. bierteljährlich durch den Berlag

gadebellen und in den benachbarten Landotten und im Rdeingau die betreffenden Tagdiatt-Träger-

Fernrufr

Tagblatchaus" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.

Anzeigerr-Preis für die Zeile: 1.5 Pfg. für örtliche Anzeigen imArbeitsmarkt" undKleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform: 20 Pfg. in davon abweichender Satzaussühruna. sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Mk. für örtliche Reklamen: 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

BerlinerAbteilung desWiesbadenerTagblatts: verliu YY., PotsdamerStr.121 L. F-ruspr.: Amt Lntzow8202 «.6203. g&yffblww

Sonntag, 4. März 1917.

Morgen-klusgabe.

Nr. 115. 65. Jahrgang.

weiterr 9(000 Tonnen U-Bootr- beute!

W.T.-B. Berlin, 3. März. (Amtlich. Draht­bericht.) Neuerdings wurden von unseren Untersee­booten 21 Dampfer, 10 Segler und 16 Fischerfahrzeuge mit insgesamt 91000 Brutto- registertonueu versenkt.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

*

Wi^T.-B. Rotterdam, 3. März. Die englischen Darnpfer .B u r n b y" (3665 Tannen),T r i t o n i a" (4445 Tonnen), der französische DampferC a c i q u e" (2917 Tonnen), der französische SchonerK l e b e r" (277 Tonnen) und der grie­chische DampferViktoria" (1388 Tonnen) sind versenkt worden.

Dar beabsichtigte Uriegrbündni; mit lNeriko.

(Bo» unserer Berliner Abieiluug.)

L. Berlin, 3. März. (Eig. Druhtbcricht. zb.) Der Theatercoup itti Senat in Washington, die Enthüllung des durch V e r r ä t e r e i zur Kennt­nis 2er amerikanischen Regierung gelangten deut­schen Bündnisvorschlazes an Mexiko, hat hier nicht sonderliche Erregung hervorgerufen.

In einem Interview, das er deni Tcans-Ozean- Dienst zur Verr relung an die amerikamsche Presse gewährte, erkin..e Staatssekretär Dr. Zimmer­mann, daß dn> dem deutschen Gesandten in Mexiko erteilten Weisung, die nur für den Fall, daß uns die Vereinigten Staaten dm Krieg erklären sollten, aus­führbar wurden, ausschließlich als T e s e n s i o m a tz- rege l n zu betrachten seien. Die.^^'-ngungen, an die demnach ein Kriegsbiindnis rit tr Jctfo geknüpft war, schlossen aus. daß die deutsche rtzegiecung von un­freundlicher Gesinnung gegen die Vereinigten Staaten erfüllt war. Es wäre demnach kein Grund vor­handen, daß sich di? Amerikaner moralisch entrüsteten, zumal Präsiden^ Wilson die Neutralen gegen uns aufzuhetzen versucht habe, und dies nicht in konditio­neller Foxm. Bekannt ist ja, daß jüngst dnZ größte argentinische Blatt, diePrensa", enthüllte, die ame­rikanische Regier an g habe sich schon im Vorjahr bemüht, die gesamten sndamerika- nischen Staaten in einen Krieg gegen Deutschland zu verwickeln. Ebenso ist uns bekannt, daß die unbegründet scharfe Note Chinas an Deutschland auf den Druck der Ver­einigten Staaten zurückzuführen ist, der die chinesische Regierung schließlich zwang, sich der Entente in die Arme zu werfen. Im Kongreß erklärte zwar L a n s i n g, der deutsche Bündnisvorschlag an Mexiko wäre in Washington schon bekannt gewesen, als der Bruch der diplomatischen Beziehungen beschlossen wurde. Indessen wissen wir noch nicht, in welcher Form, dem Senat von dem Staatssekretär die an unseren Gesand­ten v. E ck a r d bestimmten Instruktionen mitgeteilt wurden. Lansing wird nicht verabsäumt haben, um die Abschrift, in deren Besitz er sein soll, tendenziös a u s z u b e u t e n.

Es wäre gut gewesen, wenn in der amtlichen deut­schen Mitteilung, die durch das Wolffbnreau verbreitet wurde, darauf hingewiesen worden wäre, daß die Ver­räter vielleicht auch Fälscher wären. Wäre der Entente Ähnliches passiert, würde iie nicht nach diesem Muster deutscher Ehrlichkeit verfahren und den Sachverhalt so ohne weiteres amtlich veröffentlicht haben. Sie würde zunächst wie bei viel schlimmeren Affären, so dem Finley-Skandal, einfach abge­leugnet, dann geschwiegen haben. Wir reden nicht der britischen Heuchelei das Wort. Aber da im amerikani­schen Senat von dem Mitglied L o d g e angefragt wurde, ob die Zimmermann-Note in der von der ..Associated Preß" veröffentlichten Form authen­tisch sei und da L an sin g v o rsich t i g a us- weichend erklärt hatte, alle Einzelheiten könnten nicht veröffentlicht werden, um nicht das Leben der Verräter zu gefährden (!), so wäre es vielleicht doch am Platze gewesen, erst abgnwarten, bis wir authentisch wußten, was denn eigentlich von derAssociated Preß" enthüllt worden ist. Die deutsche Regierung wünschte pffenbar nicht, die Tatsache selbst zu bestrei­ten, daß sie mit Mexiko Verhandlungen pflog.

Es war kür das Bündnisanqebot 'elbstverständlich, da man im Auswärtigen Amt die vollkommene Gewißheit hatte, daß unsere Note über die Seesperre den Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen und andere Winterungen zur Folge haben würde. Es ist noch nicht möaiich, anznaeben, warum schon Mitte I a n n n r, d. h. also zu der Zeit, als Graf Bernstorff mit der Weftergabe der In­

struktionen an den Gesandten in Mexiko beauftragt wurde, die Folgerung, die man in Washington zu ziehen bereit war, ftir politische Kreise feststand. An­dererseits war uns nicht bekannt, daß man in Me r i k o, wo man über die fortgesetzten Eingriffe der Ber­einigten Staaten in die inneren Angelegen­heiten des Landes unzufrieden war, eine Verstän­digung mit Deutschland für erwünscht hielt. Die A n t w o rt. die Präsident C a r a n tz a dem Prä­sidenten Wilson auf die Aufforderung, mit Deutschland die Beziehungen abzubrechen, zugehen ließ der Regierung in Washington wurde der Vorschlag gemacht, die Lieferung von Kriegsmate­rial an die Kriegführenden einzustellen. war hierfür die Bestätigung.

Es mag keine Vorteile haben, wenn die Kriegs­partei in den Vereinigten Staaten mit der Möglichkeit einer mexikanischen Inter­vention rechnen muß. Andererseits hat die denk- sche Regierung gewiß auch erwogen, welche Bedeutung es für die Herren Wilson-Lanstng haben kann, daß jetzt, wo unsere mexikanischen Vorschläge so theatralisch enthüllt wurden, die Parteiunterschiede verschwinden werden.

*

Grosse Aufregung in Washington.

Allerhand Märchen.

Nr. Amsterdam, 3. März. (Eig. Drahtbericht,.) Die

LondonerTimes" meldet aus Washington: Die Mexiko- Enthüllungen haben die Öffentlichkeit mehr aufge­regt als irgend ein Vorfall seit Kriegdbeginn und jedtz Opposition gegen Wilsons Vollmacht zur Bewaffnung der Handelsschiffe im Kongreß gebrochen. Man fragt sich ver­wundert, wie der Brief des Staatssekretärs Zimmermann über den Ozean gebracht worden fei. Die amerikanischen Blätter sind voll von Erzählungen über mexikanische Sol­daten in deutschen Uniformen. Man vermutet, daß Deutsch­land auch die Mitschuld an dem Aufstand in Kuba trage.

Br. Rotterdam, 3. März. (Eig. Drakitbericht. zb.) Aus Washington wird gemeldet: Auf die Bitte des

Senats, ihm di- Note Z i m m e r m a n n s vorzu- legen, aab Wilson einen Bericht an Lansing. der erklärt, daß die Regierung den Beweis für die Echtheit der Note besitze. Die Note selbst sei im Besitze der Negierung.' Wilson verweigerte aber nähere Informationen, da das dem öffentlichen Inter­esse nicht entspräche.

Wie dir deutschen Dokumente in amerikanische Hand fielen!

(Drahtbericht unseres 17 -Sonderberichterstatters.)

17. Rotterdam, 3. März, (zb.) DerNieuwe Rotterd. Courant" berichtet rach einer Meldung desDaily Tele­graph": In New York wird bekanntgegeben» daß der Brief mit den Vorschlägen Deutschlands an den deut­schen Gesandten in Mexiko vom bisherigen Botschafter Grasen Bernst.orff persönlich geschrieben war und durch eine» Eilboten nach Mexiko gebracht werden sollte. Auf dem Wege dorthin wurde der Bote jedoch vom a m e r i k a n i s ch en Geheimdien st angehalten und seine Briefe be­schlagnahmt. So gelangte die amerikanische Regierung zur Kenntnis des beabsichtigten Bündnisses mit Mexiko.

Verständnis für die deutsche Handlungs­weise in der Schweiz.

Br. Zürich, 3. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Obschon noch keine deutsche Bestätigung der Reutermeldung vorliegt, daß Deutschland Mexiko und Japan zu kriegerischen Unter­nehmungen habe mitreißen wollen, stellen die Berner und Züricher Blätter fest, daß man Deutschland nicht das Recht absprechen dürfe, seinen politischen Vorteil zu suchen, wenn es mit Amerika in einen Krieg geraten sollte. Deutschland habe nur für diesen besonderen Fall die beiden Staaten auf seine Seite bringen wollen.

Die Meinung des mexikanischen Gesandten in Paris.

Br. Genf, 3. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Pariser Interviewern erklärte der dortige Gesandte Mexikos, seine Regierung habe cs nicht für zweckmäßig erachtet, euro­päische Vertreter von den Schritten zu verständigen, die irgend eine Macht vor Wochen geplant hätte, um Mexiko für eine offene feindselige Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten zu bestimiaen. Der Gesandte vermied jede Andeutung darüber, wie sich die mexikanische Armee ver­halten würde, wenn die Vereinigten Staaten jetzt oder später im Krieg mit einer europäischen Mexiko-Gruppe gerieten. Nur seii.cm persönlichen Eindruck glaubte der Gesandte hrn- . zufügen zu sollen, daß er einen offenen Bruch jeder Neu- . tralität Mexikos bezweifle.

Der amerikanische Botschafter in London * bei Balfour und Lloyd George.

Br. Rotterdam, 3 März. (Eig. Drahrberichl. zb.) Aus London wiro gemeldet, der amerikanische Bo ttschaf- ter besuchte heute den Minister des Äußern Balfour und hatte darnach eine lange Unterredung mtt Lloyd George.

Die Anlehnung der Aämcn an dar stammverwandte Deutschland.

Eine flämische Deputation Seim Reichskanzler.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

Berlin, 3. März, (zb.) Der flämische Fünf- zigmänner-Rat hat eine Abordnung von 7 seiner angesehensten Mitglieder nach Berlin gesandt. Diese Abordnung fft um 1 Uhr nachmittags vom Reichskanzler empfangen worden. Mit einiger Feierlichkeit wurden Erklärungen und Gegenerklärungen ausge­sprochen.

Der Rat von Flandern schloß sich zusammen, um eine aktive flämische Politik zu betreiben. Seine Vertreter haben dem Leiter der deutschen Reicbsregierung die Wünsche der uns stammverwandten Bevölkerung ausgesprochen, Wünsche, die van uns gar nicht abgelehnt werden konnten. 4}A Millionen Flamen, d>e sich dem Willen von 3 Millionen Wallonen unterwerfen mußten, haben in jahrzehntelangem Kampf der Verfranzösierung widerstanden. Seit Beginn der deutschen Bewegung sind wir bestrebt gewesen, ihnen zu hel­fen und ihre alten gerechten Forderungen zu erfüllen. Kurz vor dem Krieg hatten die Flämen durchgesetzt, daß ihre Kinder in ihrer Sprache unterrichtet werden sollten.; jedes Familienoberh rupt sollte bestimmen können, in welche S ch u l e, ob in die wallonische oder in die flämische, ein Kind auszunehmen sei. Das deutsche Gouvernement hat dafür ge­sorgt, daß dieses neue Gesetz sofort zur Ausiührung kam. Es hat auch die flämische Sprache in anderen Gebieten der Verwaltung eingeführt und möchte enffprechend den ihm geäußerten Wünschen die völlige Trennung zwischen Flämen und Wallonen vornehmen.

Daß Brüssel die Hauptstadt des flämischen Berwal- tungsteils wurde, verstand sich von selbst, da mit Ausnahme des Ortes I x ei l e s alle Bezirke überwiegend flämische Be­völkerung haben. Es wird mit der B e r w a l t u n g S - trennung nicht van heute auf morgen gehen; aber in einer Reihe von Monaten wird sie durchzuführen fein. Man darf dabei nicht an eine Selbjtändigmachung Flanderns etwa nach dem Muster Polens denken. Nie­mand denkt daran, das Schicksal Belgiens jetzt festzulegen; das bleibt dem Friedensvertrag Vorbehalten. Aber wie auch dann die Würfel über Belgien fallen werden eins steht fest: Unsere Anlehnung an den anverwandteu germanischen Volks stamm ist vollzogen! Die Errungenschaften der Flämen unter der deutschen Besetzung wird ihnen niemand mehr streitig zu machen wagen. So >si die Verflämung der Genter Universität, wo man ftüher trotz aller Proteste französisch zu lesen gezwungen war, unwiderruflich. Die Erfolge, die man bisher mit dieser Universität hatte, sind durchaus zuftiedenstellend. Trotzdem sie im Etappengebiet liegt, ivas mancherlei Ein­schränkungen nötig macht, sind bereits 50 Professoren und Dozenten tätig, hervorragende Leute, fast sämtlich Belgier, einige Holländer. Über 100 Studenten sind eingeschrieben. Weitere Einschreibungen stechen für den Semsfterwcchsel be­vor, zumal die Universität noch erweitert und ihr auch eine landwirffchastliche Hochschule angegliedert werden soll. Auch das Volksschulgesetz. das wir durchführten, wird nie wieder geändert werden können.

So hat die jetzt 2i/,jährig« Besetzung trotz der Unzuscie- denhett der Regierung.in Le Havre bereits das wünschens­werte Ziel erreicht, uns die Flamen zu erhalten. Die An­kunft ihrer Abordnung in Berlin wird man irr ganz Deutschland begrüßen. Nach dem Waffenkrieg wird die gemeinsame Kultur uns aussühnen und nacheinander immer näher bringen.

Die wünsche der Deputation nach innerer Autonomie Flanderns.

ZV 'IVB. Berlin, 3. März. (Eig. Drrhtbericht.) Der Reichs, kanzler Hut heute mittag 1 Uhr eine Abordnung des Rates von Flandern, der am 4. Februar 1917 in einer Bersamm- hing aller aktiven flämischen Gruppen gewähli worden war, emp­fangen. Tie Abordnung überbrachtc die Beschlüsse und Wünsüie des Rates zu Flandern, die dieser allen kriegsführen­den und neutralen Staaten durch semen Aufruf vom 4. Februar 1917 zur Kenntnis gebracht hatte.

Der Sprecher der Abordnung trug das f l ü in i s ch e a k t i vjstr' che Programm einer inneren Autonomie Flandern- aus der Grundlage der niederländischen Sprache und Kultur vor. Er erinnerte an di: Rede des Reichskanzlers vom 5. April 1916, sowie an die bisherigen dankenswerten Maß­nahmen des Generalgouverneurs und tat um weitere Durchführung dicker am der Grundlage der internationalen Rechtsbestimmungen getroffenen Maßnahmen.

Oer Reichskanzler erwiderte:

Meine Herren! Ihrem Wunsche nach einer persönlichen Aus­sprache bin ich gerne entgegengelommeir. Herzlich heiße ich Sie in der deutschen Reichshauptitadt will­kommen als die Vertreter eines durch Blut und Sprach«