VieMkner T
Verlag Langgasse 21
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Montag» 5. Juni 1916.
Kbendrklusgabe.
Nr. 260. -> 64. Jahrgang.
Der Seesieg am Skagerak.
Oer verlaus der Seeschlacht.
Authentische Mitteilungen über die Übermacht und die Beteiligung der englischen Linienschiffe.
25 rnglische Großkampfschisse, 6 Schlachtkreuzer,
4 Panzerkreuzer gegen 16 deutsche Großkampfschiffe,
5 Schlachtkreuzer und 6 ältere Linienschiffe im Gesecht.
W. T-B. Berlin, 4. - Juni. (Nichtamtlich.) Von z n- ständiger Stelle wird und über den Verlauf der Seeschlacht gegen btc englische Flotte vor dem Skagerak im Anschluß an dir bisherigen Berichte noch folgendes mitgeteilt:
Die deutschen Hochseeitrcitkrafte waren vvrgestoßen, um englische Flottillen, die in der lebten Zeit mehrfach in der Nordsee gemeldet worden waren, zur Schlacht zu stellen. Der Feind kam am 31. Mai, 4 Uhr 30^Min., etwa 70 Seemeilen vor dem Skagerak zunächst in Starke von vier kleinen Kreuzern der Calliope-Klasse in Sicht. Unsere Kreuzer nahmen sofort die Verfolgung des Feindes auf, der mit höchster Fahrt nach Norden fortlief. Ilm 5 Uhr 20 Min. sichteten unsere Kreuzer in westlicher Richtung zwei feindliche Kolonnen, die sich als sechs feindliche Schlachtkreuzer und erne größere Zahl kleiner Kreuzer und Zerstörer herausstellten. Der Feind entwickelte sich nach Süden. Unsere Kreuzer gingen bis auf etwa 13 Kilometer heran und eröffneten auf südlichen und südöstlichen Kursen ein sehr wirkungsvolles Feuer auf den Feind. Im Verlaufe dieses Kampfes wurden zwei englische Schlachtkreuzer und ein Zerstörer vernichtet. Nach e r n- h al b st ü n d i g e m Gefecht kamen nördlich des Feindes weitere schwere feindliche Streitkräste in Sicht, die spater als f ü n f Schiffe der Queen Elizabeth- Klasfe ausgemacht worden sind. Bald darauf griff das deutsche Gros in den Kampf ein. Der Feind drehte sofort nach Norden ab. Die fünf Schisse der Queen Elizabeth-Klasse hingen sich an die englischen Schlachtkreuzer an. Der Feind suchte sich mit b ö ch st e r Fahrt durch Ab st aff ein unterem äußerst wirkungsvollen Feuer zu entziehen und dabei in östlichem Kurs um unsere Spitze herumzuholen. Unsere Flotte folgte den Bewegungen des Feindes mit höchster Fahrt. Während dieses Gefechtsabschnittes wurden ein Kreuzer der Achilles- oder Shannon- Klasse und zwei Zerstörer vernichtet. Das hinterste unserer LrnienschifssgcschWader konnte zu dieser Zeit wegen der rückwärtigen Stellung zum Feinde nicht ins Gefecht eiugreifcn. Bald darauf erschienen von Norden her neue schwere feindliche Streitkräste. Es waren, wie bald sestgeücllt werden konnte, mehr als 20 feindliche Linienschiffe neuester Bauart. Da die Spille unserer Linie zeitweilig in Feuer von b e r d e n Seite geriet, wurde die Linie auf westlichen Kurs herum geworfen. Gleichzeitig wurden bte Torpedobootsflottillen zum Angriff gegen den Feind angesetzt. Sie haben mit hervorragendem Sch ncid und sichtlichem Erfolge bis zu d r e im n I hintereinander angegriffen. In diesem Gefcchtsabschnitt wurde ein englisches Groß- kampfschisf vernichtet, mährend eine Reibe anderer schwere Beschädigung erlitten haben muß. Die Tages- schlacht gegen die englische Übermacht dauerte bis zur Dunkelheit. In ihr standen, abgesehen von zahlreichen leichten Streitkräften, zulellt mindestens 25 englische Großkampsschiff e. 6 englische Schlachtkreuzer. mindestens 4 Panzerkreuzer gegen 16 deutsche Großkampfschiffe, 5 Schlachtkreuzer, 6 ältere Linienschiffe, keine Panzerkreuzer. Mit einsetzender Dunkelheit gingen unsere Flottillen zum N a ch t a n yr i f f argen den Gegner vor. Während der nun folgenden Nacht fanden Krcuzcrkämvfe und zahlreiche Tvrpedo- bootsangriffe statt. Hierbei wurden ein S-blachtkrcuzer, ein Kreuzer der Achilles- oder Shannon-Klasie, ein — wahrscheinlich aber zwei — kleine feindliche Kreuzer und wenigstens 10 feindliche Zerstörer vernichtet, davon durch das Spitzenschiff unterer Hochseeflotte allein sechs. Unter ihnen befanden sich die beiden hoch- neuen Zerstörerführer Schisse „Turbulent" und „Tipperarn". Ein Geschwader älterer englischer Linienschiffe, das von Süden her hcrbeiaeeilt war, kam erst am Moraen des 1. Juni nach beendeter Schlacht heran und drehte, ohne einzugretfen oder auch nur in Sicht unseres Gros gekommen zu sein, wieder ab.
Vollste Anerkennung des deutschen Seesieges in Amerika.
' W. T.-B. New York, 4. Juni. (Nichtamtlich. Funk- spruch von dem Vertreter des W. T.-B.) Die Zeitungen widmen dem deutschen Scesiege, der das ganze Land elektrrsiert hat, mehr als drei volle
Seiten. Sie machen keinen Versuch, den furchtbaren Stoß zu verklerncrn, der dem englischen See- stolz versetzt worden sei. Die Überschriften, die über die ganze Brette der Seite lausen, flauten: „Die Deutschen zertrümmern btc englische Flotte!" „England verliert die größte Seeschlacht der Welt!" Die „New Aort Times" sagt:^Bei dem ersten großen Zusammenstoß zwischen den Scestreit- kräften Deutschlands und Englands erlitten die Engländer eine Niederlage. Verantwortlich dafür ist die Strategie, die Taktik und Ausbildung im Kampfe und das Glück. Das Ereignis muß den englischen Sccstolz dämpfen und die Deutschen ermutigen. Dies
I richte der Adniirale Jellicoe und Beatty etwas befriedigender lauten. Sie können wie folgt zusammengefaßt werden: Wir sind nach den feindlichen Gewässern ausgesahren und versuchten, die deutsche Flotte zu einem Kampf zu veranlassen. Unsere schwächereFlotte (!!) geriet in eine Schlacht mit der gesamten deutschen ^chlachtflotte und zwang sie zu einem Rückzug nach il.ren Häfen. Wir haben sie gezwungen, irgend ein Unternehmen, das die deutsche Flotte vielleicht aus- führen wollte, aufzugeben. Die ganze englische Schlacht- flotte mit Ausnahme von „Marlborongh" ist nach der Rückkehr in die Häfen erneut mit Kohlen versorgt worden und wieder zur Ausfahrt bereit.
erste große offene Seeschlacht in diesem Kriege und sic ist den Engländern schlecht bckom- r t”* ® Estatt erinnert weiter an den Ausspruch
Ehurchrlls, die Engländer würden die Deutschen, wenn stc nicht aus dem Kanal von Kiel heranskämcn, gleich Ratten ausgrabcn. Die „Tribüne" nennt das Ereignis des Kampfes einen klaren Sieg von noch nicht ab- znsehender Größe und sagt weiter, das Ereignis würde en England größte Bestürzung Hervorrufen. Es sei klar, daß die britische Flotte nicht überrascht worden sei. Dee. „New Jork World" sagt: Die Deutschen haben die größte Seeschlacht der Geschichte gewonnen. Die dent- ichen Verluste sind gering im Vergleich zu der englischen Flotte. Es ist klar, daß die britische Flotte von ihrem Gegner n i e d c r m a n ö v r l c r t, z u s a m m enge s ch o s s e n und n i e d e r g c so ch t c n wurde. „Sun" sagt: Die deutsche Flotte ist hcrausgckommcn und hat einen glänzenden Sieg erstritten.
Die .Marlborongh" auch ganz verloren?
Haag^ 4. Juni. (Zens. Bin.) „Associated Preß" hört vomder englischen Admiralität, daß die letzten Bs-
Die „Marlborongh", deren Beschädigung durch beut- scheu Torpedoschutz bekanntlich bereits in unserem ersten amtlichen Bericht gemeldet war, wurde im Juni 1914 vom Stapel gelassen. Sie hat eine Wasserverdrängung von 28 000 Tonnen, eine Schnelligkeit von 21,8 Seemerlen, eine Besatzung von 960 Mann und ist hauptsächlich bestückt mit zehn 34-Zentimeter- und zwölf 16,2- Zentimeter-Geschützen: das Oberdeck war gegen Luftangriffe gepanzert.
Zur Vernichtung des Panzerkreuzers „Euryalus".
Der in der heutigen Sonderausgabe erwähnte englische Panzerkreuzer „E n r y a I us", welcher, wie der deutsche Admiralstab feststellte, ebenfalls in Brand geschossen ivordcn ist. war int Jahre 1901 erbaut worden. Er hatte 12 200 Tonnen Wasserverdrängung und 756 Mann Besatzung: die Bestückung war zwei 23,4-Zenti- iaeter- und zwölf 7,6-Zentimeter-, sowie drei 4.7-Zenti- meter-Geschütze.
